Audi News - der Artikel
Frisch aus der Schönheitsklinik: der VW Phaeton

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München, den 09. Oktober (autaro) Schon andere hatten es schwer, den Sprung in die automobile Oberklasse zu schaffen. Konzerntochter Audi kann ein Lied davon singen, von Anfang an mitgemischt haben eigentlich nur Mercedes und BMW. Der Audi V8 blieb erfolglos und wurde verlacht, anfangs ging es auch seinem direkten Nachfolger, dem A8 kaum besser. Doch nun ist Audis Großer aus der Oberklasse nicht mehr wegzudenken, verkauft sich streckenweise besser als die Platzhirsche aus Stuttgart und München. Insofern bleibt dem VW Phaeton, von dem die Wolfsburger im letzten Jahr nur knapp 2.000 Exemplare absetzen konnten, allenfalls eine offene Prognose. Dabei ist er, von seinem Leergewicht von rund 2,3 Tonnen einmal abgesehen, kein schlechtes Auto. Und gerade auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist die grundsätzlich allradgetriebene Limousine dank ihres hohen Wertverlustes und der mäßigen Nachfrage für viele der erschwingliche Zugang zum automobilen Olymp. Dank penibelster Verarbeitung in der Dresdner Manufaktur, hoher Zuverlässigkeit und meist opulenter Ausstattung nicht die schlechteste Wahl, allein der Durchschnittsverbrauch ist wegen des hohen Gewichtes bei praktisch allen Motorvarianten zu hoch.

Der Dreiliter Diesel wurde auf Sparkurs gebracht

Die wirtschaftlichste Alternative, den Wolfsburger Luxusliner zu fahren, ist der Dreiliter-Sechszylinder-TDI mit 240 PS und 500 Newtonmetern maximalem Drehmoment. Zudem ist es die einzige Alternative, einen Phaeton mit Selbstzünder zu dirigieren, den bärenstarken und durstigen Fünfliter-Zehnzylinder hat Volkswagen aus dem Programm genommen. Allerdings möchte man VW den angegebenen Durchschnittsverbrauch von 8,5 Litern Diesel nicht so recht abnehmen, zumal auch der Dreiliter bereits als Fünfsitzer 2,3 Tonnen auf die Waage bringt. Macht man in der Aufpreisliste das Kreuzchen neben den Einzelsitzen im Fond und macht den Phaeton damit zum Viersitzer, wiegt er schon fast 2,4 Tonnen – aufgefrischte Optik hin oder her, diese Werte passen einfach nicht mehr in die heutige Zeit. Dagegen können sich die Fahrleistungen durchaus sehen lassen, tut der Diesel ja auch im Porsche Cayenne seinen Dienst. Die schwere Limousine rennt auf Wunsch 237 Sachen und sprintet in 8,6 Sekunden von Null auf Tempo 100 (Fünfsitzer).

Der Phaeton verwöhnt nach wie vor mit hohem Komfort

Dabei geht der Sechszylinder derart diskret und vornehm zu Werke, dass eigentlich nie der Wunsch nach zehn Zylindern aufkommt. Laufruhig, spontan in der Gasannahme und souverän bei praktisch jeder Drehzahl drückt der Passagiere sanft in die üppig dimensionierten, komfortablen Sessel. Allein beim Kick-Down vernimmt man ein heiseres Fauchen aus dem gut gedämmten Motorraum. Daran hat auch die gut gestufte und weich schaltende Sechsstufen-Automatik ihren Anteil, die ihre Charakteristik stets dem Gasfuß des Fahrers anpasst. Sechs Stufen sind in dieser Klasse freilich nicht mehr zeitgemäß und spiegeln sich im Alltagsverbrauch von gut 10 Litern Diesel deutlich wieder. Am Federungskomfort und der guten Isolierung sämtlicher Abroll- und Windgeräusche gibt es noch immer nichts auszusetzen, auch wenn der schwere Vorderwagen auf schnell befahrenen Buckelpisten gelegentlich zum Poltern neigt. Erfreulich auch, dass die Luftfederung im Phaeton grundsätzlich mit an Bord ist und nicht extra bezahlt werden muss.

Qualität zum Anfassen.

Das Facelift beschränkte sich in erster Linie auf die Optik. So trägt nun auch der Phaeton das aktuelle VW-Gesicht, das Chefdesigner Walter DeSilva mit dem Golf VI einführte. Dadurch wirkt der große VW deutlich breiter und wuchtiger, ohne jedoch plump aufzutreten. Die serienmäßigen Bi-Xenonscheinwerfer werden nun durch Kurvenlicht mit LED-Technik unterstützt, hier und da ein wenig Chrom – damit ist der Phaeton für die nächsten drei Jahre gerüstet. Unter dem Blechkleid kommt eine neue Bremsanlage zum Einsatz, die Goliath einen Bremsweg von nur 35 Metern von 100 km/h in den Stand beschert. Ansonsten betreffen die Änderungen den feinen Innenraum. Schon von Baubeginn an schwelgten die Passagiere in einem Meer feiner Materialien. Chrom, edle Hölzer und weiches Leder, soweit das Auge reicht. Hieran hat sich auch im aktuellen Modell nichts geändert, allein die Bedienung wurde der aktuellen VW-Mode angepasst und die Beleuchtung hüllt den Phaeton nachts in ein noch weicheres Licht. Keine Frage: hier kann man sich wohlfühlen.

Stressfreies Fahren

Vom serienmäßigen Allradantrieb einmal abgesehen, der das Fahrverhalten bei jeder Witterung narrensicher macht, unterstützen auch moderne Assistenzsysteme den Fahrer. Eine Kamera erkennt Verkehrszeichen und projiziert diese direkt in das zentrale Display. Derweil sorgt ein Spurhalteassistent dafür, dass die Fuhre nicht ungewollt die Autobahn verlässt, ein Tempomat mit Abstands-Radar verhindert Auffahrunfälle und ein Totwinkel-Assistent warnt vor vorschnellen Überholmanövern.

Fazit

Auch wenn der Phaeton von manch einem S-Klasse- oder BMW-Fahrer verlacht wird, ist er ein respektables Oberklasse-Auto. Die Verarbeitung und die Materialauswahl müssen sich hinter keinem Konkurrenten verstecken, ebenso wenig wie der hervorragende Langstreckenkomfort und das problemlose Handling. Allein am in dieser Klasse besonders wichtigen Prestige muss der große Volkswagen noch arbeiten, hier blicken die Wolfsburger erwartungsvoll auf das nächste Modell. Eindeutig nicht mehr zeitgemäß ist das hohe Gewicht der kopflastigen Limousine und der draus resultierende Durchschnittsverbrauch. An letzterem hat auch die Sechsstufenautomatik ihren Anteil, an der man dann eben doch merkt: der Phaeton kommt in die Jahre. Erfreulich günstig stufen den großen Wolfsburger die Versicherer ein (hier geht’s zum Vergleich), bei der Kfz-Steuer nimmt er seinen Konkurrenten nichts. Allein der überproportional hie Wertverlust treibt die laufenden Kosten in ungeahnte Höhen – macht ihn aber zugleich als Gebrauchten interessant. Und der Einstiegspreis ist angesichts der hervorragenden Ausstattung mit 66.500 Euro ein echter Knaller. (autaro)
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