München, ein heißer Sommermorgen. Ende Juni. Ich wache auf – die Hitze ist unerträglich und die Nacht war viel zu kurz, um sich von dem anstrengenden Alltag zu erholen. Und trotzdem fühle ich mich wohl in meiner Haut, in meinem Haus, in meiner Stadt. War das schon immer so? Nein, natürlich nicht. Erst vor ein paar Tagen hat sich alles geändert. Mein Konto wurde zwar um 21.600 Euro leichter, doch wenn mich nun jemand fragt, wieviel Glück und Erfüllung kosten, würde ich gleich diese Zahl nennen – 21.600 Euro nichts mehr und nichts weniger. Ich ziehe ganz schnell mein Lederanzug an, nehme mein Helm mit und mit rasendem Herzklopfen bereite ich mich auf das Treffen mit meinem Glück, mit meinem einzigen und wertvollsten Schatz vor – meinem neuen Motorrad. Da ist es – schimmernd in der Ferne, jetzt gerade so ruhig und gelassen. Das, was mir durch den Kopf geht, wenn ich mir meine BMW HP2 Sport anschaue, ist wilde Power. Ist das nicht eine phantastische Figur – Kraft, Beweglichkeit und eine kultivierte Aggressivität,die, wie ich es aus eigener Erfahrung bestätigen kann, die Aufmerksamkeit auf sich zieht; und zwar von allen – Männern, Frauen, Alten, Kindern, Motorbegeisterten und Opernliebhabern. Bei meinem ersten Auftritt auf den Straßen Münchens blieb niemand kühl.
Ich kann mich noch sehr gut an den Tag erinnern, an dem ich mir die HP2 Sport gekauft habe. Aufgeregt, rezitierte der Verkäufer die technischen Daten meines Stolzes. 98 kW/ 133 PS bei 8750 U/ Min, 2-Zylinder-Boxer-Motor, 199 Kg Gesamtgewicht bei vollem Tank, max. Drehmoment 115 Nm bei 6.000 U/ Min. Das alles klingt immer noch wie eine Symphonie, wie eine Liste mit Zauberwörtern, die ich mir für immer merken und wiederholen will. Auch der arme Kerl schien fast betäubt von der Beschreibung meiner HP2 Sport zu sein – geregelter Katalysator, elektronische Einspritzung, vier … ja genau vier Ventile pro Zylinder, Tele-Gabel vorn, Zweigelenk-Einarmschwinge hinten, Kardanantrieb, Sechsganggetriebe, Tankinhalt von 16 Litern. Ja, ich weiß, ich weiß, das kann ewig dauern, aber ich spreche es immer wieder so gerne aus. Und ja, ich weiß auch, dass das alles viel zu modern ist – ein Motorrad mit den gleichen technischen Daten gab es bisher im öffentlichen Verkehr noch nicht. Ein Star aus dem Motorsport – vielleicht, vielleicht aber auch nur eine Entwicklung, die einige PS mehr hat als man je im Alltag brauchen würde. Und gute Vorbereitung schadet ja niemandem, oder?
Nun muss ich aber auch meine Ängste los? Soviel ich auch mein neues Meisterstück bewundere, kann ich es kaum verheimlichen, dass es ein paar Punkte gibt, die mich richtig verunsichern. Zwar ist die HP2 Sport der letzte Schrei der Motortechnik weltweit, doch für nächstes Jahr hat BMW bereits die Premiere der extremen S 1000 RR angekündigt, die ja auch gleich 50 PS mehr auf der Straße bringt. Was wird dann aus meinem jetzigen Juwel? Doch auch ein kleines technische Problem trübt etwas die absolute Perfektion. Die 6-Gang-Schaltbox scheint ab und zu zu hakeln. An der Ampel findet sie den Leerlauf, den sie dafür ungefragt beim Beschleunigen reinhaut, nicht immer ganz schnell.
Und wenn schon … Ich lebe hier und jetzt und das heißt, dass ich der stolze Besitzer des stärksten und sportlichsten Boxers bin. Wenn ich den Schlüssel drehe, erklingt ein Ton, den man nur mit den Symphonien Beethovens vergleichen kann. Er besitzt Kraft, Volumen und Tiefe. Und ein Temporhythmus, der selbst dann keine Hektik aufkommen lässt, wenn sich die Geschwindigkeit bis zum Stakkato fast fünfstelliger Drehzahlen steigert. Die Maschine fällt leicht in Kurven, stabil zieht sie ihre Bahn, perfekt verzögern die Bremsen – es ist nur Harmonie um mich herum, aber auch in mir.
War das alles nur ein Traum? Ich wache auf… Es ist die Wirklichkeit – das richtige Glück gibt es nun auf zwei Räder. Und ich bin stolz auf mich, denn die HP2 gibt es nur nachdem man lange auf der Warteliste gestanden hat. Ich habe gewartet und nun kann ich nur noch von einer Rennstrecke gleich vor der Haustür träumen. Aber auch ohne bin ich glücklich…