
München, den 28. August (autaro) BMW versteht es wie kaum eine zweite Marke, aus praktisch jedem Motor pure Dynamik zu kitzeln. Das gilt längst nicht mehr nur für die legendären BMW-Reihensechser, die bis heute keinem V-Motor weichen mussten. Schon die Vierzylinder, ob nun Selbstzünder oder Otto, sind eine kleine Klasse für sich.
184 PS, die sich wie 200 PS anfühlen
Das gilt ausnahmslos auch für den Zweiliter-Diesel, der im 520d wie auch im Touring seinen Dienst verrichtet. Satte 184 PS schöpft das Kraftpaket aus seinem vergleichsweise kleinen Hubraum, die sich im Vergleich zur etablierten Konkurrenz aber eher nach 200 PS anfühlen. Die Zahlen sprechen eine ähnliche Sprache: in nur 8,3 Sekunden sprintet der immerhin fast 1,8 Tonnen schwere Kombi von Null auf Tempo 100 und rennt 222 Sachen, ohne viel Anlauf nehmen zu müssen. Unser Testwagen machte sogar sieben km/h mehr, als ab Werk angegeben. Dabei liegt das maximale Drehmoment von 380 Nm zwischen 1.750 und 2.750 Newtonmetern an und macht den Motor für einen Zweiliter unglaublich elastisch. Nur 7,1 Sekunden vergehen für den Zwischenspurt von Tempo 80 bis 120, der 306 PS starke 535i schafft das nur eine Sekunde schneller. Beeindruckend auch, wie konsequent die Bayern das Turboloch ausgemerzt haben. Dieser 5er lässt sich mühelos mit Standgas bewegen, die früher übliche Gedenksekunde nach einem beherzten Tritt aufs Gaspedal ist komplett verschwunden.
Sensationeller Durchschnittsverbrauch
Die Bayerischen Motorenwerke erkannten früh die Notwendigkeit, Verbrennungsmotoren hinsichtlich ihrer Effizienz zu optimieren. Efficient Dynamics heißt das Zauberwort in München, hinter dem sich jede Menge Technik und Know-how zum Spritsparen verstecken. Auch im Falle des 5ers bedeutet das, dass Bremsenergierückgewinnung, bedarfsgesteuerte Entkopplung verschiedener Verbraucher wie Lichtmaschine oder Klimakompressor, automatisches Starten und Stoppen des Motors, eine temperaturabhängige Luftklappensteuerung und andere Detaillösungen ständig und vom Fahrer nahezu unbemerkt im Hintergrund ablaufen. Und der Aufwand lohnt sich: 5,1 Liter Diesel auf 100 Kilometer verbraucht der 520d und das bei den genannten Fahrleistungen. Nun wurde dieser Wert nach ECE-Norm ermittelt und ist damit freilich ziemlich praxisfern. Wer aber sanft mit Gas umgeht, kommt im Alltag durchaus in die Nähe dieses Wertes, mit knapp sieben Litern Verbrauch ist man schon ziemlich rasant unterwegs. Die Abgasreinigung macht den 5er fit für die ab nächstem Jahr vorgeschriebene Abgasnorm Euro 5, die nächst strengere Norm mit der Nummer 6 wird allerdings noch nicht erfüllt. Für eine günstige Einstufung bei der Kfz-Steuer reicht das bisher gebotene allerdings aus, wodurch der 520d auch für Flottenbetreiber hoch interessant bleiben dürfte. Auch bei der Kfz-Versicherung (hier geht’s zum Tarifcheck) kostet der 520d nicht mehr als seine Artgenossen.
Sportler mit Langstreckenqualitäten
Es gehört beinah schon zur Tradition bei BMW, dass sich die Modelle beim Fahren meist nach einer Nummer kleiner anfühlen. Dass man in einem 4,90 Meter langen Oberklassemodell sitzt, hat man jedenfalls im Handumdrehen vergessen. Der 5er wetzt um die Kurven wie ein Kleiner und macht auf jeder Strecke Laune. Dabei kommt der Langstreckenkomfort keineswegs zu kurz. Die Federung bügelt nahezu jede Unebenheit aus der Fahrbahnoberfläche, der Geradeauslauf ist unbeirrbar. Das geht noch einen Tick feiner, wenn man bei der Bestellung das Kreuzchen bei den verstellbaren Dämpfern macht. Dann hat man drei Modi zur Auswahl, wobei selbst „Sport“ noch nicht unkomfortabel wirkt und den 5er herrlich straff auf die Straße klebt. Die Luftfederung mit Niveauregulierung an der Hinterachse ist Serie.
Schöner Wohnen im Innenraum
Wofür man sein Geld anlegt, wird einem spätestens im Innenraum klar. Die Verarbeitung ist makellos, der 5er steht fest wie eine Burg. Auch auf übelsten Buckelpisten lässt sich kein Knistern oder noch so leises Knirschen vernehmen, was auch der höchst verwindungssteifen Karosserie zuzuschreiben ist. Dazu kommen Materialien, die schlicht als Referenz in dieser Klasse angesehen werden können – besser geht’s nicht. Windgeräusche und Lärm von der Straße bleiben draußen, selbst der tendenziell brummige Vierzylinder-Diesel wurde so effizient gedämmt, dass man sich unweigerlich fragt, ob man nicht doch in einem Benziner sitzt. Die Sitze gehören bei BMW traditionell zum Besten am Markt und der Klang der feinen Audioanlage schmeichelt den Ohren. Außerdem hat BMW endlich den Weg zu einem schlüssigen Bedienkonzept gefunden, die einstigen Irrwege durch verschachtelte iDrive-Menus gehören in München der Vergangenheit an. Ansonsten ist diese Business-Class aus Bayern die bislang geräumigste. Waren 5er bisher zumindest im Fond recht knapp geschnitten und zusätzlich wegen des Heckantriebes durch den Kardantunnel eingeschränkt, bewegt sich das aktuelle Modell platzmäßig durchaus auf Augenhöhe mit der Konkurrenz.
Mehr 5er braucht eigentlich keiner
Das Fazit: bedenkt man, dass der 520d das untere Ende der 5er-Palette markiert, drängt sich unweigerlich eine Frage auf: braucht man wirklich mehr? Sicher, gerade die Reihensechszylinder von BMW machen noch mehr Spaß, ob nun als Diesel oder als Benziner. Aber schon der 520d kann alles so gut, ist so leise und motorisiert den Touring derart souverän, dass man eigentlich auf alles weitere verzichten kann. Außerdem kostet ein 520d Touring bereits 42.660 Euro. Und auch wenn die Serienausstattung alles Nötige enthält und vergleich zu D-Mark-Zeiten in München geradezu als opulent bezeichnet werden kann: 42.600 Euro waren einmal rund 80.000 Mark. (autaro)






