München, den 06. Juni (autaro) Ein SUV zum Preis eines Kompakten, das bietet derzeit nur Dacia. Die Billigmarke aus dem Hause Renault überzeugt bereits mit ihren Kompaktmodellen Logan und Sandero tausende preisbewusster Autofahrer, die Wert auf Praxistauglichkeit legen, ohne viel Geld für diese bezahlen zu wollen. Dabei wirkt der Duster zumindest optisch nicht einmal billig, das Design sogar überaus eigenständig. Von seiner Verwandtschaft zum vorigen Modell des Renault Clio, auf dem er im Wesentlichen basiert, sieht man ihm jedenfalls nichts an. Und sind wir einmal ehrlich: schlecht verrichtete die mittlerweile etwas angestaubte Technik ihre Arbeit noch nie, allenfalls die Trommelbremsen an der hinteren Verbundlenker-Achse sollten dringend überdacht werden. Ansonsten passt eigentlich alles, der Duster bietet ausreichend Platz für fünf Personen und obendrein einen ordentlichen Kofferrum, sein Haupteinsatzort wird vermutlich die befestigte Straße sein – genau wie bei seinen deutlich teureren Wettbewerbern wie VW Tiguan und Co.
Den Duster gibt es auch als reinen Fronttriebler
Und ebenso wie bei der Premiumkonkurrenz kommt auch vom Duster eine Version mit reinem Frontantrieb zum Einsatz, denn den Allradantrieb können sich die meisten Fahrer solcher SUV getrost sparen. Das Spart nicht nur Anschaffungskosten sondern auch Gewicht und damit Kraftstoff und der robusten Optik tut es keinen Abbruch. Hinsichtlich des Fahrverhaltens macht es schließlich ebenfalls keinen großen Unterschied, jedenfalls abseits der Geländestrecken. Auf harmlosen Landstraßen macht der Dacia ohnehin deutlich, dass er mehr fürs unauffällige Reisen gedacht ist, denn für die aufgeregte Kurvenhatz. Zu weich ist das Fahrwerk ausgelegt, zu schlapp der Motor, als dass man ihn mit wenig Aufwand in den Grenzbereich bringen könnte.
Der Diesel ist ausreichend sparsam aber ungehobelt
Da Dacia-Fahrer in erster Linie preisbewusst denken, wird die erste Wahl vermutlich der 86 PS starke 1,5-Liter Diesel sein, der sich im Alltag mit gut sieben Liter Brennstoff pro 100 Kilometer bewegen lässt. Er geht mit den 1,3 Tonnen Leergewicht des Duster einigermaßen mühelos zu Werke – wirklich gute Fahrleistungen sehen zwar anders aus, aber es reicht locker für den Alltag. Allerdings verbirgt der Selbstzünder in keiner Lebenslage seine Herkunft. Mit deutlich vernehmbarem Nageln meldet sich der Vierzylinder zum Dienst, ab mittlerer Drehzahl überträgt er ungeniert jegliche Vibration auf die Karosserie. Diese fängt dann munter an zu dröhnen, während der Motor dank seiner schlechten Dämmung mit weiter steigender Drehzahl immer lauter wird. Längere Autobahnetappen sollten den Nerven zuliebe mit Geschwindigkeiten um 120 km/h genommen werden, alles darüber lässt die Fahrt zur Tortur werden. Hier wünscht man sich einen sechsten Gang, das hakelige Fünfganggetriebe ist eindeutig nicht mehr auf der Höhe der Zeit.
Ausreichend sicheres Fahrwerk, kein ESP
Die bereits erwähnte, weiche Abstimmung des Fahrwerkes hat ihre Vor- und Nachteile. Zwar nimmt die Federung auch gröberen Pisten ihren Schrecken, bügelt Unebenheiten weitestgehend glatt. Doch sind engere Kehren und Kurven eindeutig nicht ihre Freunde. Mit deutlicher Mühe kämpft sich das SUV durch geschlängelte Wege, schiebt dabei schnell aber gutmütig über die Vorderräder und lässt deutliches Quietschen vernehmen. Ein solches hört der Fahrer auch beim Bremsen, lange bevor die Fuhre zum Stehen kommt. Kräftigere Bremsen würden dem Duster ebenso gut stehen, wie ein ESP. Das Sicherheitsprogramm gibt es weder für Geld noch für gute Worte, eine Manko, dass sich in Europa eigentlich kein Hersteller mehr erlauben kann.
Der Innenraum geht in Ordnung
Dass wir im Innenraum eher Pensions-Standard erleben würden, als das Ambiente eines Fünfsterne-Hotels, war bereits nach dem Blick in die Preisliste klar. Aber alles wirkt ordentlich und solide Verarbeitet und geht angesichts der Preisgestaltung wirklich in Ordnung. Allein der Geruch des Duster könnte einem an heißen Sommertagen buchstäblich zu Kopfe steigen, da hilft auch die optionale Klimaanlage nicht weiter. Die Oberflächen des dünnen Kunststoffes sind zudem kratzempfindlich und die Ablageflächen lassen sich leicht verbiegen. Die Sitze hingegen sind bequem und ermöglichen auch längere Fahrten, allein Fahrer und Beifahrer sind ein wenig hoch positioniert. Da mag es trösten, dass die Ausstattungslinie Ambience für bereits 300 Euro zu haben ist, sie enthält unter anderem eine Lenkrad- und Sitzhöhenverstellung sowie eine geteilt umlegbare Rücksitzlehne.
Der Dacia ist sein Geld wert
Insgesamt bietet der Dacia Duster eine Menge Auto für wenig Geld. Wer auf Prestige und neidische Blicke der Nachbarn verzichten kann, Abstriche bei Sicherheit und kleinere Kompromisse beim Fahrkomfort hinnehmen kann, wird mit dem Duster einen willigen Begleiter für den Alltag finden. Ein ESP sollte Dacia seinem SUV allerdings dringend spendieren, zumal die EU ein solches ab nächstem Jahr per Gesetz vorsieht. Das erfreulichste: seinen Preis sieht man dem Duster nicht an. (autaro)