Ferrari News - der Artikel
Ferrari 430 Scuderia

München, den 9. Juli (autaro) Wer braucht denn so was? Und was hat ein Super-Sportwagen auf einer Seite, die sich primär mit umweltfreundlichen Modellen beschäftigt, verloren? Nicht viel, ist die schnelle und faire Antwort. Eigentlich wollen wir den Ferrari 430 Scuderia kritisieren. Und das aus gutem Grund – während die Automobilwelt verzweifelt nach alternativen Kraftstoffen sucht und die Wirtschaftswelt mit letzten Kräften mit den Folgen einer der schwersten Finanzkrisen der neusten Weltgeschichte kämpft, bringt Ferrari einen Wagen auf den Markt, bei dem allein das Lenkrad soviel wie ein halber Peugeot 207 kostet. Gefahren haben wir den Ferrari 430 nicht! Somit haben wir der Atmosphäre einige Kilogramm CO2 erspart und damit vielleicht auch eine Hitzewelle in Stockholm verhindert.

Nichts für Sparer
Der Käufer des neuen Ferrari ist der Graf von Luxemburg, für den einige hundert tausend Euro nicht mehr als Peanuts sind. Hier ein kurzer Auszug aus der Preisliste: Basispreis 207.840 Euro; Karbon-Paket bestehend aus Einstiegsleisten, Karbonlenkrad mit den obligatorischen fünf Drehzahldioden 4.725 Euro; gelb lackierte Bremssättel, Front- und Heckschürze plus Schweller und Radläufe aus Karbon 20.545 Euro, zwei schwarze Hornet-Streifen auf der Fronhaube für nur 6675 Euro. Naja, beim 430 Scuderia handelt es sich nicht wirklich um ein Schnäppchen. Ab einem gewissen Punkt kann man sich als Normalsterblicher nur noch amüsieren und müde lachen, denn der Wagen wird allmählich in einem Heiligenschein verpackt.

Sportliches Exterieur – na und?
Bei diesen Preisen ist es schon mal ein Wunder, dass der neue Ferrari so aussieht wie er es nun mal tut. Der Wagen ist ja kein alltägliches Auto und zieht auf jeden Fall die Aufmerksamkeit auf sich. Doch die Käufer des neuen Modells, die bestimmt schon einige Maseratti und Lamborghini in ihren Garagen haben, werden das Design etwas fad finden. Die Anlehnungen an älteren Modellen und an den Formel-1-Boliden sind mehr als nur auffällig und das hatte man nicht nur bei Ferrari schon mal gesehen. Neues in punkto Aerodynamik und Luftfluss bietet das Modell auch nicht wirklich.
Etwas besser als in den sonstigen Ferrari-Modellen scheint der Innenraum zu sein. Hier sitzt man zumindest bequem, Platz gibt es für Fahrer und einen Beifahrer, die genügend Kopf- und Beinfreiheit genießen. Viel Phantasie steckt im Fahrzeuginneren jedoch nicht, insbesondere wenn man auf die sehr teuren Extras verzichtet. Alles ist hier im Stil der Formel-1-Boliden gehalten – biedere und etwas düstere Atmosphäre dominiert im Interieur.

Super-Motor! Schafft er den positiven Eindruck?
Beim Triebwerk handelt es sich zugegebenermaßen um eine exzellente sportliche Maschine, an der die Ferrari-Ingenieure lange gearbeitet haben. Der 4,3-Liter große Achtzylinder katapultiert den 430 Scuderia wie eine NASA-Rakete. Zumindest die Zahlen lesen sich als eine Art Enzyklopädie des Unmöglichen in der Automobilwelt. In lächerlichen 3,6 Sekunden erreicht der neue Ferrari die 100 km/h-Marke – das ist nicht mal ausreichend, um ordentlich einatmen zu können. Das würde allerdings bedeuten, dass sich der 430 Scuderia auf Städtestraßen brutal quälen wird. Gefahren werden kann er anscheinend nur auf Formel-1-Pisten und unbefahrenen Autobahnen. Auch die restlichen Parameter beeindrucken beim Lesen und lassen das Herz beim Fahren mit Sicherheit höher schlagen – der V8-Motor bringt ganze 510 PS und 320 km/h auf der Straße. Gepaart mit dem niedrigen Gewicht von nur 1350 Kg und einem Drehmoment von 470 Nm bei 5250 U/Min bringt er einen logisch auf die Frage, wie sich so etwas noch auf dem Boden hält.

FazitFerrari verlässt sich auf eine treue Stammkundschaft, die vor allem aus Super-Stars und einflussreichen Geschäftsleuten besteht. Diese wird die rund 210.000 Euro problemlos verschmerzen können. Was wir nicht verschmerzen können, ist der durchschnittliche Spritverbrauch von 15,7 Litern auf 100 Km. Das ist nicht nur teuer, sondern ein Vergnügen, das auf Kosten der Atmosphäre und der Luft geht, die wir alle – Stars, Geschäftsleute, Kinder und Rentner – atmen. Eine revolutionäre Politik in der Automobilindustrie wird dringend gebraucht. Wenn die gleichen PS- und Drehmoment-Zahlen mit einem Elektromotor erreicht werden, dann werden wir den neuen Ferrari voller Faszination betrachten. Jetzt ist er nichts anderes als eine sehr teure Nummer im Produktkatalog des italienischen Meisters. (autaro)