München, den 27. Oktober (autaro) Fiats kleiner, der Fiat Cinquecento (in Zahlen, die auch als verchromte Aufschrift das Heck zieren: 500) verkauft sich wie geschnitten Brot. Zu verdanken hat er das besonders seinem Retro-Look. Dass der neue Ford Ka technisch mit dem 500 nahezu identisch ist, möchte man ihm beim besten Willen nicht ansehen. “Alles, was man anschauen und anfassen kann, ist Ford. Nur unter dem Blech ist der Ka ein Fiat”, sagt Ford-Sprecher Hartwig Petersen. Und steht, ziemlich genau ein Jahr nach Einführung des Fiat 500 zumindest optisch ein echter Ford im Rampenlicht. Und der hat mit seinem Vorgänger, den man eigentlich nie so recht unter die Gattung Automobil subsummieren mochte, auch optisch nichts mehr zu tun. Der große zentrale Lufteinlass, die üppig dimensionierten und scharf gezeichneten Scheinwerfer und die stark profilierte seitliche Falz lassen ihn dynamisch, beinah aggressiv daherkommen und die Verarbeitungsqualität hat sichtlich gewonnen. Allein das rechtfertigt seinen Mehrpreis von immerhin 1000 Euro gegenüber dem Vorgänger. Und mit 9750 Euro ist er immerhin gut 1000 Euro billiger, als sein technischer Bruder.
Im Innenraum gibt es Freud und Leid. Freude sollten jedenfalls die meisten Passagiere empfinden, die auf den vorderen Fauteuilles Platz nehmen, denn hier herrscht selbst für groß gewachsene Menschen ausreichend Platz. Dass in einem Ford Focus sicherlich mehr Paltz zur Verfügung steht, insbesondere zu den Seiten hin, liegt in der Natur der Größe. Regelrecht beengt sind allerdings die Platzverhältnisse in den hinteren Reihen. Zwar ist die Rückbank nur für zwei Personen zugelassen, doch haben diese, nachdem sie den beschwerlichen Einstieg hinter sich gebracht haben, schon das Problem, dass sie keinen Platz für ihre Füße finden, sofern sie Schuhgröße 30 und mehr haben. Der Kofferraum tröstet halbwegs mit dem klassenüblichen Volumen von 224 Litern, dass er allerdings nur mit dem Schlüssel entriegelt werden kann, ist eine Zumutung.
Die Motorenpalette ist mit zwei möglichen Alternativen, nämlich genau einem Benziner und einem Diesel, ausgesprochen übersichtlich. Die meisten Käufer dürfte sicherlich der Benziner finden. Denn dieser kostet 2000 Euro weniger als der Selbstzünder und verfügt mit einer Leistung von 69 PS, die er aus 1,2 Litern Hubraum holt, einem maximalen Drehmoment von 101 Nm und einer Höchstgeschwindigkeit von 159 km/h über das Wesentliche, wonach in dieser Klasse geragt wird. Und sollte der Durchschnittsverbrauch, der mit 5,1 Liter pro 100 km angegeben wird, eingehalten werden, wäre der Ka für den Konkurrenzkampf gut gerüstet. Wenig auszusetzen gibt es am Fahrwerk, das seine Aufgabe wesentlich leichtfüßiger und verbindlicher erledigt, als der Fiat 500. Auch Lenkung und Federung wirken straff und präzise, ohne jedoch den Fahrer oder die Mitreisenden zu sehr über Art und Beschaffenheit der Straße zu informieren. Gut gefällt ebenfalls die Schaltung, die Gänge findet man auf Anhieb, sie erfordert wenig Kraftaufwand und der Schaltknüppel ist angenehm positioniert. Es scheint, als gehörten bei Ford die Zeiten, in denen lieblos ein dünner Stock aus dem Mitteltunnel ragte, womit man dann mit viel Geschick und ein wenig Glück den richtigen Gang fand, endgültig der Vergangenheit an.
Undurchsichtig gestaltet sich allerdings die Aufpreispolitik. Die Serienausstattung verfügt zwar über ABS und vier Airbags, doch berechnet Ford für das ESP 360 Euro extra, wofür man im 21. Jahrhundert eigentlich kein Verständnis mehr aufbringen kann. Für 1000 Euro extra gibt es das Ausstattungspaket Titanium, welches im Wesentlichen eine Klimaanlage und allerlei Zierrat umfasst. Und schließlich legt man beim neuen Ka großen Wert auf die Individualisierung. Zu Preisen ab 370 Euro kann man die Styling-Pakete Digital, Tatoo und Grand Prix ordern, die mit unterschiedlich gestalteten und gefärbten Interieurs einen Hauch von Unikat versprühen sollen. Mit diesem Modell ist Ford gut gegen die Konkurrenz gerüstet, zumal gemessen an seinem Vorgänger. (autaro)