München, den 11. Februar (autaro) Der Automobilkäufer von heute ist ein nur schwer zu durchschauendes Wesen. Er setzt inzwischen nicht mehr einzig auf ein technisches Feuerwerk oder auf kosmische PS-Zahlen, die sich inzwischen selbstverständlich und zu gefühlten Tausenden aus dem Motor erahnen lassen. Interessiert ist er auch nicht mehr an Luxusmaterialien und Sonderausstattungen, deren Anwesenheit sich gleichwohl von alleine versteht. Wonach sucht also der Käufer von heute? Unzählige Studien und Marktforschungsumfragen zeigen eindeutig, dass Individualität der wichtigste Entscheidungspunkt ist. Eine Individualität, die möglichst wenig kostet, fast kein Kohlendioxid in die Atmosphäre pustet und durch technische Perfektion und Innovation beeindruckt. Nur drei Faktoren, die aber gleich 90% der Automobilhersteller weltweit aus dem Rennen katapultieren. Wer bleibt? Vielleicht ein Toyota, ein Nissan, vielleicht noch ein Chrysler oder Volvo und auf jeden Fall einige Jaguars. Der britische Traditionshersteller weiß ganz genau, wie man prätentiöse Kunden für sich gewinnt und sie dann sogar noch mehr verwöhnt.
Beim Jaguar S-Type handelt es sich um kein richtiges Debüt – das Modell wurde in seiner jetzigen Variation Ende 2006 vorgestellt. Da waren wir aber leider mit anderen Modellen beschäftigt und konnten uns dem edlen Briten nicht ungeteilt widmen. Jetzt ist es aber soweit und bei uns steht er – wie es ein jedes Highlight verdient – im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dass der S-Type ein richtiger Automobilstar ist, scheint unbestritten. Seine Karosserie ist beeindruckend und vereint Luxus mit Kultiviertheit und Agilität. Als Basis für das Außendesign haben die Jaguar-Ingenieure ein Oldsmobile verwendet. Die grazilen, noblen Linien werden aber durch markante Akzente kreiert und aus der Vergangenheit in die Zukunft überführt, wie etwa durch die deutlich prägnante V-Linie in der Motorhaube oder durch die schnörkellos gehaltenen Fronstoßanfänger. Das Ergebnis ist beeindruckend – der S-Type zeigt eine vor allem ästhetisch schöne Linie, eine Linie zwischen Erinnerung und Erwartung, Stil und Avantgarde, Zeitlosigkeit und Modernität.
Doch der Brite ist nicht nur schön, sondern auch durchaus leistungsfähig. Bevor wir uns auf die technischen Daten konzentrieren, sollten wir einige Punkte zum allgemeinen Bau der Karosserie erwähnen. Daran wurde anscheinend lange und präzise gearbeitet. Der S-Type präsentiert nun eine Ergonomie und aerodynamische Eigenschaften, die man bisher noch in keiner Limousine gesehen hat. Im Innenraum erkennt man einmal mehr die Liebe zum Detail. Bei der Auswahl der Materialien hat der Käufer die Qual der Wahl und eigentlich mehr als genug Spielraum für seine Individualität. Nur ein Beispiel: Bei den Holzapplikationen darf der Kunde zwischen Bronze Madrona, grau gebeiztem Vogelaugenhorn und klassischem Wurzelholz wählen. Das gleiche gilt eigentlich bei allen sonstigen Elementen – Fußmatten, Sitzen, Spiegeln, Scheinwerfern, Tapezierung usw.
Mit dem S-Type präsentiert Jaguar auch seine jüngste Entwicklung – den 8-Zylinder V-Diesel, der als eine Kombination zwischen dem NSA-Konzern, Ford und eben Jaguar entwickelt wurde. Das Triebwerk zeigt sich durchaus überzeugend, mehr als das ist allerdings nicht drin. Richtig schnell ist die edle Limousine nicht. Schließlich sollen die wahren Gentlemen die Fahrt genießen. Bei 250 km/h liegt die Spitze. Bis zu dieser Grenze kann der Fahrer aber eine beispiellose Fahrkultur genießen. Ihm stehen 291kW/ 395 PS zur Verfügung sowie ein Drehmoment von 541 Nm ab 3.500 U/min. Den Charakter einer Raubkatze zeigt der S-Type vor allem bei der Beschleunigung – von 0 auf 100 km/h geht es in 5,6 Sekunden – eine durchaus beeindruckende Leistung für einen Motor, der knapp zwei Tonnen zu schleppen hat. Das Geheimnis liegt dabei in der elektronischen Dämpferregelung CATS, die dafür sorgt, dass der Jaguar auch dynamischen Fahrsituationen jederzeit gewachsen ist.
Für den ganzen Luxus, den der S-Type bietet, hält sich sein Preis durchaus in Grenzen – ab 71.200 Euro ist die edle britische Limousine zu haben. Bedenken sollte man, dass die Briten immer gerne eine sehr üppige Basisausstattung anbieten, damit man auch wirklich nichts vermisst. An diesem S-Type muss allerdings noch gearbeitet werden. Vor allem der Spritverbrauch könnte ruhig um drei bis vier Liter von den jetzigen 12,7 L/100 km verringert werden. Aber auch in seiner jetzigen Verfassung ist der S-Type ein Fest für Augen und Seele. (autaro)