München, den 15. Dezember (autaro) Das aktuelle Öko-Auto des Monats ist eine hoch aktuelle Entwicklung, die erst vor kurzem in Berlin vorgestellt wurde. Es handelt sich natürlich um den Elektro-Mini, der gerade deutschlandweit die Runde in Presse und Fernsehen macht. Die Nachricht lautet: 50 Mini E-Berlin werden in der Hauptstadt als Forschungsfahrzeuge zum Einsatz kommen. Unterstützt wird das Projekt vom schwedischen Multi-Millionen-Energie-Konzern Vattenfall. Alles gut und schön, doch ein ganz dezenter, leicht bitterer Beigeschmack trübte die offizielle Vorstellung des Projekts in Berlin.
Aber zuerst mal das Positive. Beim E-Mini handelt es sich um eine durchaus respektable Leistung der bayerischen Meister. Hinter diesem Projekt verbirgt sich eine sehr intensive und offensichtlich sehr geheim gehaltene Forschungsphase. Das Resultat sind nun folgendermaßen aus: Die Batterie zeigt sich besonders ergiebig und will erst nach 250 km wieder aufgeladen werden. Dazu ist auch die Geschwindigkeitsleistung überzeugend – 152 km/h stehen dem Fahrer zur Verfügung und der Standardsprint wird in passablen 8,5 Sekunden absolviert. Vattenfall kümmert sich um den Ausbau des Stromnetzes, von dem die Minis ihren Sprit beziehen werden. Natürlich wird am Öko-Auto alles 100%ig „öko“ sein. So wird sogar der Strom, mit dem die Fahrzeuge aufgeladen werden, aus ökologischen Kraftwerken geliefert.
Insgesamt handelt es sich allerdings nur um ein Testprojekt. Der E-Mini ist, wie die Pressekonferenz deutlich machte, immer noch weit von der Serienproduktion entfernt. BMW muss noch eine lange Latte von Fragen beantworten – wie zum Beispiel, wie viel der grüne Wagen kosten soll, ob er überhaupt in naher Zukunft für die Massenkundschaft erschwinglich sein wird und ob BMW überhaupt über die Ressourcen verfügt, dieses Projekt erfolgreich abzuschließen, um darauf in Zukunft seine Modellpalette aufzubauen. Bei so vielen Unklarheiten bleibt der Zweck der opulenten Erstvorstellung in Berlin ein eher schleierhaftes Geheimnis.
Man konnte sich durchaus wundern, warum ein solch unreifes Projekt überhaupt mit so viel Glanz und Gloria in der Presse angekündigt wird. Noch verwunderlicher waren die Aussagen, die dann bei der Konferenz und dem anschließenden Sekt-Empfang zu hören waren: „Der Elektromobilbität gehört die Zukunft. Dabei ist schon frühzeitig darauf zu achten, dass die Elektrofahrzeuge erneuerbare Energien nutzen. Nur dann haben wir tatsächlich Null-Emissions-Fahrzeuge“. Das sind die Worte des Bundesumweltministers Gabriel. Solche Schlussfolgerungen wären im Jahr 2000 vielleicht revolutionär gewesen, heute klingen sie eher peinlich, wenn nicht gar schmerzhaft. Die heimischen Autoproduzenten setzten viel zu spät auf den Elektroantrieb. Sie warteten geduldig bis Toyota, Nissan und andere Konkurrenten (darunter auch viele aus den USA) erfolgreich und schnell Elektroprojekte in Gang setzten, bis sie augenscheinlich erst begannen, mit dem Gedanken eines Elektroantriebes zu spielen.
Die Zukunft von gestern gehört dem Elektroantrieb, doch die Gegenwart ist längst von nicht-fossilen Motoren geprägt. In diesem Sinne ist die Vorstellung des E-Mini-Projektes nichts anderes als eine Show, eine teure PR-Aktion, die ein Projekt ankündigt, das mit etwa fünf bis zehn Jahren Verspätung nach Deutschland kommt. BMW verdient dennoch Respekt für die Mühe und das Engagement, das die Bayern an den Tag legen, das Thema „Elektroantrieb“ in Deutschland populär zu machen. Wenn das Projekt abgeschlossen ist und der Zero-Emissions-Mini auf den breiten Straßen Deutschlands zahlreich zu sehen ist, dann wird er auch viel Lob und Medieninteresse verdienen. (autaro)