Opel News - der Artikel
Kann sich der neue Opel Astra beweisen?

München, den 14. Dezember (autaro) Der Opel Insignia ist, allen Turbulenzen um die Traditionsmarke Opel zum Trotze, ein Erfolgsmodell. Nicht nur in Deutschland, in ganz Europa erfreut sich die neue Oberklasselimousine mit dem Blitz auf dem Kühlergrill großer Beliebtheit. Ein für Opel noch wesentlich wichtigeres Modell ist gerade zu den Händlern gerollt: der Opel Astra. Und mit ihm will Opel wieder zum ernstzunehmenden Golf-Gegner Avancieren – auch wenn man sich mit dem Gedanken abfinden muss, der ewige Zweite zu bleiben. Daher besinnt sich Opel mit dem neuen Kompakten einmal mehr auf alte Werte: ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis war schon immer das schlagende Argument für ein Fabrikat aus Rüsselsheim.

Mit über 1,5 Tonnen ist der Diesel eindeutig zu schwer

So ist der neue Astra, mit einem Einstiegspreis von 15.900 Euro für den 87 PS starken 1.4-Liter-Benziner knapp unterhalb des VW Golf positioniert. Allerdings überragt er den Klassenprimus mit einer Länge von über 4,40 Meter um ein ganzes Stück und auch Höhe und Breite (1,51 und 1,82 m) gehen keinesfalls als bescheiden durch. Damit ist der Astra seiner Klasse hinsichtlich der Abmessungen schon beinahe entwachsen. Von außen wirkt er allerdings dank der dynamischen Linienführung und des fließenden Designs deutlich weniger kolossal, als es das Datenblatt hätte vermuten lassen. Sportlich und wie aus einem Guss kommt er daher. Über ein Manko kann indes auch das schnittige Design nicht hinwegtäuschen: mit einem Leergewicht von 1.373 laut Werksangabe für den Einstiegs-Astra ist der neue Kompakte ein echtes Schwergewicht. Der von uns gestestete 1.7 CDTI in der höchsten Ausstattungslinie Cosmo bringt es leer sogar auf 1586 Kilogramm. Das ist entschieden zuviel.

Das Raumangebot ist insgesamt überdurchschnittlich

Klar zugute kommen die üppigen Abmessungen den Passagieren. Zumindest in der ersten Sitzreihe herrscht ein Platzangebot, das in dieser Klasse seinesgleichen sucht. Im Fond hingegen geht es beengter zu. Außerdem ist die Sitzfläche der Rückbank zu niedrig angebracht, sodass die Passagiere dank stark angewinkelter Beine nach längeren Fahrten unweigerlich über Rückenschmerzen klagen werden. Ebenfalls nicht optimal ist die Übersichtlichkeit. Die A- und die C-Säule sind eindeutig zu breit geraten, zudem wirkt der Blick durch das Heckfenster wie das Linsen durch eine Schießscharte – das rückwärtige Geschehen auf der Autobahn geht damit ein wenig am Fahrer vorbei. Nichts zu mäkeln gibt es hingegen an der Verarbeitungsqualität. Musste man beim Vorgängermodell auf schlechten Pisten noch deutlich vernehmbare Knister- und Klappergeräusche ertragen, wirkt der neue wie aus einem Klotz gehauen. Allein der verschwenderische Umgang mit Hartplastik negiert ein wenig den neu ausgerufenen Premium-Anspruch. Auch die Bedienung, die mit einem Sammelsurium von Schaltern auf der Mittelkonsole anfangs abschreckt, erweist sich schnell als durchdacht und ergonomisch sinnvoll. Gleiches gilt für die Sitze, die sich für nahezu jede Körpergröße perfekt einstellen lassen und auch auf langen Strecken kaum ermüden.

Das Fahrwerk überzeugt, der schlappe Diesel keineswegs

Mit dem von uns getesteten 1.7 CDTI will der Schwere Wagen allerdings nicht so recht warmwerden. Dieser leistet zwar 125 PS und stemmt mit 280 Newtonmetern auch ein ordentliches Drehmoment auf die Kurbelwelle. Doch irgendwie will der Selbstzünder nicht so recht in die Gänge kommen, hat nur zwischen 2.500 und 3.500 Touren so richtig Biss. In allen anderen Drehzahlbereichen will fleißig im präzise geführten Sechsganggetriebe gerührt werden, zumindest wenn Leistung gefragt ist. Auch der Durchzug bei niedrigen Drehzahlen enttäuscht für einen Diesel und die Laufkultur enttäuscht trotz der gelungenen Geräuschdämmung. Dafür gefiel das Triebwerk im Test mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,8 Litern Diesel. Ansonsten verdient der neue Astra ein dickes Lob für seine ausgewogene Fahrkultur. Der Motor ist gut gekapselt, greift man zum Benziner, herrscht Ruhe. Fiel der Vorgänger noch durch sein holperiges Fahrwerk und die ungehobelten Abrollgeräusche auf, bügelt das neue Fahrwerk nahezu lautlos jede Unebenheit glatt. Erst recht, wenn das optionale adaptive Fahrwerk (FlexRide für 930 Euro Aufpreis) geordert und die Stufe „Comfort“ ausgewählt wurde.

Das Fazit – eine runde Sache

Der neue Opel Astra hat das Zeug, Opel aus der Krise zu helfen. Er bietet ein für diese Klasse untypisch üppiges Raumangebot und ausgewogene Fahreigenschaften zu einem fairen Preis. Wirklich überzeugen können das agile Fahrwerk und die ordentliche Verarbeitung – selten kam ein Opel so hochwertig daher. (autaro)