München, den 18. Juni (autaro) Eines muss man zugeben – das Marketing-Team der Wolfsburger hat sich dieses Mal besonders angestrengt, um das neue Modell im Rahmen einer beispiellosen Aktion vorzustellen. Anstatt auf einer großen Automobilmesse, wo die neue Modelle meistens statisch bewundert werden und von unzähligen gleich aussehenden Schönheiten umgarnt werden, die wenig Erfolg bei prominenten Schönheitswettbewerben hatten, präsentierte Volkswagen seinen neuen Kompaktsportler beim 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife des Nürburgrings. Ort und Zeit hätten besser nicht ausgewählt werden können und das Signal, das damit gegeben wurde, war mehr als klar: Der Scirocco R hat keine falsche Scheu, wenn es um die Demonstration seiner athletischen Qualitäten geht.
Gewöhnungsbedürftiges Design
Der Scirocco an sich ist keine neue Entwicklung – neu ist nur die ultra-sportliche Version mit dem Buchstaben R, die den Katalog ab Mai 2009 bereichert. Noch bei der Premiere des „alltäglichen“ Modells mussten die Wolfsburger heftige Kritik kassieren. Es geht uns nicht um eine zeitlose Ästhetik, die man bei diesem Automobil vergeblich sucht, sondern um eine gewisse Praxistauglichkeit, die nur schwer zu finden ist. Schönheit ist schließlich eine sehr subjektive Sache, Praxisnähe ist wiederum recht objektiv zu bewerten. Die Spaltmasse der Karosserie zum Beispiel ist nicht auf dem Niveau, das man von den Wolfsburger Meistern erwartet. Unser Freund der Kofferraum ist auch da – unangetastet, unbequem – eine Nervensäge im wahrsten Sinne des Wortes. Problematisch ist hier vor allem die ultra hohe Ladekante, die als eine Herausforderung für den Scirocco-Besitzer auch im sportlichen Modell in dieser Form bleibt.
Dennoch haben es die Ingenieure geschafft, dem R-Modell eigene Charakterzüge zu geben. Neu sind unter anderem das LED-Tagfahrlicht, die dunklen Heckleuchten, die speziell geformten Schürzen und die vielen R-Logos im Innenraum.
Noch seltsamer Innenraum
Können Sie sich noch an die Kritik in Sachen Innenraum des Standardmodells erinnern? Tja, diese können hier einfach reinkopiert werden. Limitierte Kopf- und nicht existierende Seitenfreiheit, unbequeme Hintersitze und fades Armaturenbrett – das sind die Charakteristiken, die den Innenraum des Scirocco auszeichneten. Ok, ok, im R-Modell gibt es neue sportliche Sitze, aber nur für Fahrer und Beifahrer. Das Armaturenbrett wurde nicht neu konzipiert, sondern nur mit weiß beleuchteten Instrumenten und Alu-Zierteilen ausgestattet. Vier Erwachsene fühlen sich hier … naja, unwohl, aber der Scirocco ist ja nicht als Spa-Palast auf vier Rädern konzipiert, sondern vor allem als sportliche Bestie. Gucken wir uns deshalb den Motor an!
Die richtigen Highlights
Diese verbergen sich erwartungsgemäß nicht im Kofferraum oder im Handschuhfach, sondern ausgerechnet unter der Haube. Und die Wolfsburger enttäuschen hier nicht. Auf dem Nürburgring fühlt sich der 195 kW/ 265 PS starke Motor zu Hause, zeigt seine wahre Qualitäten ohne falsche Scheu und überzeugt den künftigen Besitzer in der Richtigkeit seiner Entscheidung. Das maximale Drehmoment von 350 Nm, das zwischen 2500 und 5000 Umdrehungen zur Verfügung steht, unterstreicht die kultivierte Sportlichkeit, die der R-Scirocco zu bieten hat. Der Sprint von 0 auf 100 dauert beim neuen Modell nur 6,5 Sekunden und die maximale Geschwindigkeit wurde bei 250 Km/h festgelegt.
Fazit
Einen Startpreis möchten die VW-Produktmanager zum jetzigen Zeitpunkt nicht nennen. Das Modell wird Anfang Herbst an die Händler ausgeliefert und mit dem Verkaufsstart werden in Wolfsburg viele Hoffnungen verbunden. Zu Recht würde man sagen. Die wenigen Nachteile im Innenraum und an der Karosserie weiß der Scirocco R nur zu gut mit Motorhighlights zu kompensieren. Preislich wird sich das Modell zwischen dem Renault Megane Coupé und dem Audi TT positionieren – eine bequeme Stellung, aus der der Scirocco R seinen weltweiten Anmarsch starten kann. (autaro)