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Volvo S80 1.6 D – so groß kann Klein sein

München, den 25. Januar (autaro) Gerade in der oberen Mittelklasse und in der Oberklasse haben kleine Dieselmotoren in den letzten Jahren eine wahre Renaissance erlebt. Und die Rede ist hier nicht von unzähligen Mercedes E-Klassen, die als 200 oder 220 CDI keineswegs untermotorisiert ihren Dienst als Taxen verrichten. Nein, gerade Handlungsreisende und Mitglieder des oberen Managements greifen gerne auch einmal zum kleineren Selbstzünder. Der verfügt zwar nicht über den seidigen Lauf größerer Sechszylinder und hat vielleicht die eine oder andere Leistungsreserve weniger. Dafür überzeugen Durchschnittsverbrauch und Unterhaltskosten sowie der für das Leasinggeschäft wichtige Wertverfall.

Der 1.6-Liter ist ein alter Bekannter

Allerdings wurde die Grenze von zwei Litern Hubraum in der Business-Klasse bislang nicht unterschritten. Eine Gewisse Skepsis beschleicht uns unweigerlich bei Betrachtung der großen Limousine. Erst recht nach dem Öffnen der Motorhaube – Platzmangel herrscht in diesem Motorraum jedenfalls nicht. Außerdem kennen wir die Maschine bereits aus diversen Modellen des französischen PSA-Konzerns, er entstand in einer Kooperation zwischen den Franzosen und der ehemaligen Volvo-Mutter Ford. Und dort fiel er bislang keineswegs durch seinen ungestümen Antritt auf. Dabei fielen die Modifikationen für die 1,6-Tonnen-Limousine recht simpel aus: der dritte, vierte und fünfte Gang erhielt eine längere Übersetzung und es wurde ein wenig an der Kennlinie der Motorelektronik gebastelt. Ansonsten die üblichen Maßnahmen, die Volvo bei all seinen „Drive“-Modellen anwendet. Dazu zählen Leichtlaufreifen und eine spezielles Getriebeöl, ebenso wie eine effektivere Kühlluftführung und eine Schaltanzeige.

Kein Mangel an Leistung

An Leistung mangelt es dem Gespann allerdings nicht. Zwar muss beim Anfahren behutsam mit Gaspedal und Kupplung umgegangen werden, da es dem Motor in den untersten Drehzahlregionen ein wenig an Durchzug mangelt. Doch ist diese kleine Anfahrschwäche erst einmal überwunden, geht es munter los. Gerade auf Landstraßen oder auf der Autobahn, dem bevorzugten Revier sparsamer Reislimousinen, reichen die 109 PS des kleinen Kraftpaketes völlig aus. Die Schaltanzeige weist in vielen Fällen schon bei 2.000 Touren auf den fälligen Gangwechsel hin, was anfangs ein wenig Überwindung fordert. Doch wenn der Durchzug tatsächlich einmal nicht hinreicht, leistet das angenehm präzise schaltbare Getriebe schnell Abhilfe. Und der Preis, den wir für ein wenig Verzicht an der Zapfsäule einheimsen, ist enorm: bei sorgsamem Umgang mit dem Gaspedal ist ein Durchschnittsverbrauch von rund fünf Litern auf 100 Kilometer locker machbar. Soll es zügig zur Sache gehen, pendelt sich die Anzeige des Bordcomputer bei 6,5 Litern ein – Chapéau!

Gediegene Atmosphäre im Innenraum

Im Innenraum bekommen die Passagiere von all den Sparmaßnahmen des 1.6 D Drive nicht viel mit. Hier herrscht die gleiche Wohlfühl-Atmosphäre wie in den größer motorisierten S80, angefangen bei der hervorragenden Verarbeitung und der hochwertigen Auswahl der Materialien. Darüber hinaus federt der Volvo mustergültig und es herrscht eine angenehme Ruhe. Weder von den vier Zylindern noch von dem vorbeizischenden Fahrtwind oder dem schlechten Untergrund westdeutscher Autobahnen bekommen wir viel mit. Das Handling ist unterdessen sogar noch einen Tick besser als bei den großen Geschwistern. Das liegt in erster Linie an dem geringen Gewicht, das der kleine Motor auf die Vorderachse bringt. Dadurch muss die Servolenkung des Fronttrieblers weniger unterstützen, was sich spürbar auf die Präzision selbst kleinster Richtungswechsel niederschlägt.

Fazit

Mit einem Preis von gerade einmal 32.990 Euro für den Volvo S80 1.6 D Drive in der einfachsten Ausstattungslinie Kinetic kann Volvo überzeugen. Verzicht muss kaum geübt werden, dafür hat man das Gefühl, umweltfreundliche und kostengünstig unterwegs zu sein. Vielleicht die beste Art, einen großen Volvo zu fahren.