München, den 17. Oktober (autaro) Auf exakt 333 Exemplare haben die Ingolstädter Marketing-Strategen das derzeit heißeste Eisen mit vier Ringen limitiert: den Audi R8 GT. Er kommt mit dem bekannten 5,2-Liter-V10, allerdings wurde dieser derart modifiziert, dass er nun gewaltige 560 PS leistet. Vielleicht noch wichtiger ist allerdings eine radikale Gewichts-Kur, der die Ingenieure den R8 unterzogen haben. Das Ziel waren 100 Kilogramm weniger Gewicht, wofür ein verhältnismäßiger Aufwand betrieben werden musste. Der hintere Stoßfänger sowie die Heckhaube bestehen aus hochfestem und leichtem Karbon, ebenso die seitlichen Lüftschächte. Hinzu kommen dünneres Blech aus Aluminium und eine dünnere Geräuschdämmung und zahlreiche geänderte Details. In Grundausstattung, die neben eine Karbon-Keramik-Bremsanlage eigentlich so ziemlich alles umfasst, was einem lieb und teuer ist, wiegt der R8 GT 1.525 Kilogramm – ein respektabler Wert also, wiegt die Großserie doch 1.682 Kilo.
Keine Kompromisse
Schon direkt nach dem Start macht sich die reduzierte Geräuschdämmung bemerkbar, giftig faucht der Zehnzylinder in die Fahrgastzelle. Wer zusätzlich das Race-Paket für 5.850 Euro bestellt, hat annähernd die Rennversion in der Garage stehen, kompromisslos wie ein Porsche GT2. Allein die glänzenden Schaltwippen am Lenkrad und reichlich sichtbare Kohlefaser im Innenraum lassen Rennbahn-Gefühle aufkommen, was durch die eng zupackenden Sitzschalen und die fesselnden Vierpunkt-Gurte nochmals verstärkt wird.
Physikalische Grenzen scheinen zu verschwimmen
Ein leichter Tipp aufs Gaspedal und die Hatz geht los. Das automatisierte Sechsganggetriebe schaltet noch verhältnismäßig sanft, doch wenn der volle Schub einsetzt und der GT aufgeregt aus allen zehn Zylindern schreit, scheinen physikalische Grenzen zu verschwimmen. Von Null auf Tempo 100 geht es in 3,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 320 Sachen. Beinah noch beeindruckender sind allerdings die Bremswerte. Mit kalter Bremse stand der R8 von 100 km/ auf Null nach 29,5 Metern, warm waren es 30,9 Meter. Und wo wir gerade schon bei Zahlen sind: den von Audi angegebenen Durchschnittsverbrauch von 13,9 Litern auf 100 Kilometer erreicht man nur durch Selbstkasteiung. Wer den R8 GT so fährt, wie man eben einen R8 GT fahren will, hat schnell Werte jenseits der 16 Liter auf dem Display stehen.
Keine übertriebene Härte
Dennoch überraschend ist, wie sanft dieser Audi trotz all seiner Kompromisslosigkeit abrollt und wie zivil man in ihm unterwegs sein kann. Die Schnelle Fahrt von Frankfurt nach München lässt sich, wenn man sich denn nicht zuviel Stress aussetzt, durchaus entspannt bewältigen – am Ziel angekommen möchte man am liebsten direkt noch einmal zurückfahren. Die Lenkung gehört zum Präzisesten, was derzeit am Markt ist und gibt sensibel Rückmeldung. Und für Technikfreaks gibt es eine Launch Control, also den elektronisch geregelten Start in Bestzeit. Im Vergleich zur Serienversion wurde das Gewindefahrwerk um zehn Millimeter tiefer gelegt, außerdem hilft ein größerer Sturz dem agilen Lenkverhalten. Was manch anderer Hersteller mit adaptiven Dämpfern gelöst hätte, gelingt Audi hier mit konventionellen Methoden beinah in Perfektion.
Der GT ermöglicht Drifts zum Dahinschmelzen
Auf der Rennstrecke zeigt der Audi R8 GT dann, wo der Hammer hängt. Wer zusätzliche 4.500 Euro die Semi-Slicks von Pirelli ordert hat einen breiten Grenzbereich, der gut kontrollierbare, herrliche Drifts zulässt, ohne dass die Fuhre in der Bande landet. Zum Kurvenausgang hin neigt der GT zum leichten übersteuern, bleibt aber stets gut beherrschbar. Dabei bleibt die beruhigende Gewissheit, dass im Ernstfall das fein regelnde ESP eingreift. Auch hier haben die Ingenieure ganz Arbeit geleistet.
Fazit
Bereits der herkömmliche Audi R8 mit Zehnzylinder ist ein echt heißes Eisen. Dank Gewichtsreduktion und dezenter Leistungssteigerung ist mit dem R8 GT aber noch einmal ein Holzscheit nachgelegt worden, sodass das Feuer hohes Suchtpotenzial birgt. Schade für all diejenigen, die keines der 333 Exemplare werden ergattern können. Und für all jene, denen von vorn herein die 193.000 fehlen, die für dieses Spitzenprodukt nach Ingolstadt überwiesen werden müssen. Der Verbrauch ist insgesamt zu hoch, doch über die Benzinrechnung, ebenso wie über die hohe steuerlich Belastung und verständlicher Weise gesalzene Versicherungsprämien (hier können Sie vergleichen) müssen sich die 333 Käufer vermutlich wenig Sorgen machen. (autaro)