
München, den 31. Januar (autaro) Käufer eines Alpina wissen seit jeher nicht nur die Exklusivität der Modelle aus dem Allgäu zu schätzen, von der in jedem Exemplar eine Plakette mit Seriennummer zeugt. Auch die dezente Art und Weise, mit der die bayerischen Boliden an die Sache gehen, macht den Charakter von Alpina aus. Leistung in jeder Situation satt, aber eben auch Noblesse und in gewisser Weise Understatement. Ein BMW M5 geht giftiger zu Werke, macht die Runde auf der Rennstrecke ein wenig schneller. Aber der Alpina kann eben auch ganz die komfortable Reiselimousine sein und schreit den Betrachter nicht so nervös an.
Optisch durch und durch Alpina
Das besagte Understatement kommt zuerst in der Optik zum Tragen. Der Alpina B5 Biturbo, in unserem Falle im klassischen Alpina-Blau lackiert, steht auf wuchtigen Speichenfelgen in klassischer Alpina-Optik. Die Nebelscheinwerfer des 550i, auf dem der Alpina basiert, mussten Platz machen für größere Lufteinlässe. Die tief nach unten gezogene Frontschürze macht klar, wo Hammer hängt, ohne dabei zu krawallig rüberzukommen. Allein am Heck, wo vier große Auspuffendrohre ins Freie ragen, kommt ab und an die Frage auf, ob das noch zur traditionellen Zurückhaltung des Hauses Alpina passt. Traditionell trägt der B5 hingegen die typischen Zierstreifen und liegt zehn Millimeter tiefer.
Auch innen alles, wie wir es kennen
Typisch Alpina auch der Innenraum, der Kundenkreis besteht hauptsächlich aus Traditionalisten. Die vier Rundinstrumente haben blaue Ziffernblätter, die einen tollen Kontrast zu dem typischen Myrte-Wurzelholz bilden, das diesen warmen, typischen Alpina-Ton zaubert. Handschuhweiches Leder und das übliche, BMW-typisch penible Finish verströmen Wohlfühlambiente. Wer es moderner und vielleicht ein wenig kühler mag, kann auf Wunsch auch Applikationen in Piano-Lack haben. Das Sportlenkrad liegt immer griffig zur Hand, die BMW-Sitze lassen sich auf praktisch Jeden Körpertyp einstellen – hier werden lange Reisen ebenso zur Spaßtour wie die Hatz auf der Rennstrecke. Wer die Gänge per Hand sortieren möchte, kann dies über den Joystick auf der Mittelkonsole tun, oder über die beiden Tasten am Volant, rechts wird hochgeschaltet, links runter. Ambitionierte Fahrer werden unterdessen zu schätzen wissen, dass der Alpina auch tatsächlich den gewählten Gang hält.
V8-Blubbern oder giftiges Bellen
Bereits nach dem Start wird klar, mit was für einem potenten Motörchen man es hier zu tun hat. Dumpfes, bassiges Grollen macht sich von außen vernehmbar, im Innern im Stand allerdings noch kaum. Der Motor nimmt spontan Gas an, dreht willig bis 5.500 Touren, wo die Nenndrehzahl erreicht wird. Dabei muss die Drehfreufe prinzipiell gar nicht ausgereizt werden, das maximale Drehmoment von 700 Newtonmetern liegt bei 3.000 Touren an, aber schon aus dem Stand heraus reicht das Drehmoment völlig für adäquates Fortkommen aus. Dabei wechselt der Motor gekonnt in verschiedene Tonarten, vom dezenten, dumpfen Grollen über ein heiseres Fauchen bis in das typische, metallische V8-Hämmern, wenn man bis vor den Drehzahlbegrenzer Gas gibt. Dabei harmoniert der Bitorbo ganz hervorragend mit der Achtstufenautomatik. Bei normaler Gangart bekommen Fahrer und Passagiere praktisch nicht mit, in welchem Gang sie sich gerade befinden bzw. ob gerade ein Gang gewechselt wurde. Doch so sanft wie das Getriebe zivil zu Werke geht, so pfeilschnell kann es auch auf der Rennstrecke. Wählt man die Dampfer-Kennlinie „Sport“ für das Fahrwerk und über den Joystick das Sportprogramm für die Automatik, wird der Alpina zum Leistungssportler. Dann wechselt die Automatik die Gänge ungefähr in 150 Millisekunden und blendet während der Gangwechsel die Zylinder aus. Das hat den Effekt, dass die Maschine zwischendurch gierig jappst und ist im Rennsport ein probates Mittel für die Optimierung der Schaltvorgänge.
Physikalische Grenzen werden relativiert
Von Null auf Tempo 100 beschleunigt der Alpina B5 Biturbo in 4,7 Sekunden, Schluss ist erst bei 307 Sachen. Dabei kann der Alpina seine Arbeit dermaßen unaufgeregt erledigen, dass die ganze Familie mit sicherem Gefühl in Rekordzeit über lange Distanzen gebeamt werden kann. Am meisten Spaß machen freilich Zwischenspurts oder Beschleunigungsorgien in den höheren Gängen, stets von dezentem Grollen begleitet. Allein die Niederquerschnitts-Schlappen der Dimension 8,5 x 20 255/35 ZR20 vorn und 9,5 x 20 285/30 ZR20 hinten haben die Tendenz, Spurrillen zu folgen, was den ansonsten stoischen Geradeauslauf ein wenig einschränkt.
An der Kasse hört der Spaß auf
All der spaß wird nicht billig, das kann man sich schon beim ersten Blick denken. 95.400 Euro muss man anlegen, wenn man den Alpina B5 Biturbo sein eigen nennen will. Dazu kommen dank des Hubraums von knapp 4,4 Litern erkleckliche Kfz-Steuern und auch die Kfz-Versicherung ist für dieses Modell kein Schnäppchen. Der Verbrauch (im Test waren durchschnittlich um die 13 Liter) geht angesichts der hervorragenden Fahrleistungen in Ordnung, auch wenn der angegebene Drittelmix von 10,8 Liter pro 100 Kilometer allenfalls bei sehr vorsichtiger Gangart erreicht wird. Als Gegenwert erhält man eine hoch exklusive Powerlimousine, die die ganze Familie höchst entspannt von A nach B fliegt und mit der man zwischendurch auf der Rennstrecke noch so manchen Porsche nass machen kann. (autaro)

(Fotos: Alpina)