
(Fotos: GM)
München, den 21. August 2011 (autaro) Nachdem die Nobelmarke Cadillac unter dem Dach von General Motors (GM) für gut eineinhalb Jahre vom europäischen Markt verschwunden war, kehrten die Amerikaner in diesem Jahr zurück. Das Vertriebskonzept für Europa sieht 2.500 Einheiten pro Jahr vor – für den kompletten Europa-Markt. “Das entspricht dem Volumen guter Jahre in naher Vergangenheit”, so Wolfgang Schubert, Leiter der europäischen Cadillac-Zentrale mit Sitz in Zürich. Dabei liegt das Augenmerk offensichtlich auch auf Kosteneffizienz. Cadillac begnügt sich mit höchstens 40 Händlern, wofon acht ihre Zelte in Deutaschland aufschlagen. Für Service und Wartung zeichnen außerdem 150 weitere Service-Stützpunkte verantwortlich, davon 15 in Deutschland. Vorläufiges Topmodell ist der CTS, der als Coupé, viertürige Limousine und als Kombi, bei Cadillac Sport Wagon getauft, angeboten wird. Der von uns gestestete CTS-V Sport Wagon ist die Alternative zu den M-, AMG- oder RS-Modellen der deutschen Premium-Anbieter, unter der Haube arbeitet der 6,2-Liter-V8 aus der Corvette. Das bedeutet ein brachiales Drehmoment von 747 Newtonmetern und eine Leistung von 564 PS, Kompressoraufladung sei Dank.
Quantensprung in Sachen Qualität
Auch wenn es Cadillac in der Vergangenheit gelang, eine vierstellige Zahl an Autos in Europa an den Mann zu bringen, gab es immer wieder reichlich Kritik. Insbesondere die Verarbeitungsqualität und die Materialauswahl konnten einfach nicht mit der etablierten Konkurrenz aus Deutschland mithalten. Auch wenn die Modelle mehrere Tausend Euro unter den Angeboten von Audi, BMW oder Mercedes angesiedelt waren, konnten klappernde Bauteile, hartes Plastik und ein schwammiges Fahrgefühl nicht überzeugen. Das hat sich bei den aktuellen Modellen spürbar geändert. Neben einer adäquaten Verarbeitung kommt ein angenehmer Materialmix zum Einsatz, Chromringe und Flächen in Piano-Lack schmeicheln den Augen, ebenso fein poliertes Edelholz oder Aluminium und der eine oder andere Chromring. Dazu kommt feines weiches Leder, am Lenkradkranz mit rauer Oberfläche. Und nicht klappert, knistert oder hat Luft. Vergleicht man mit der Referenz aus Deutschland, bleibt sicherlich noch ein wenig Lauft nach oben, die Amerikaner haben ihre Hausaufgaben aber gemacht.
Der Motor hat richtig Bums
Während die schwächeren Varianten mit 3-Liter-V6 oder 3,6-Liter-V6 (276 bzw. 311 PS) schon keineswegs untermotorisiert sind, zeigt der Kompressor-V8 buchstäblich auf, wo der Hammer hängt. Der Motor beherrscht sämtliche Tonlagen, von tiefem Bass-Gebrumme über sattes V8-Brabbeln bis zum metallischen Kreischen. Das satte Wummern im Schiebebetrieb treibt einem zwangsläufig eine Gänsehaut auf die Arme. Und dann ist dieser schier nicht enden wollende Vortrieb. Egal bei welchem Tempo, der V8 schiebt in jeder Lebenslage vehement an. Das kann sich vor allem in Kombination mit dem serienmäßigen Sechsgang-Schaltgetriebe so hinterhältig anfühlen, wie ein Tritt in Kreuz. Die etwas komfortablere Variante ist die sechsstufige Automatik, deren Drehmomentwandler etwas von der Leistung frisst und die Kombination aus Getriebe und Motor damit weicher macht. Ein Erlebnis ist die Kombination aus V8-Small Block und Handschalter aber allemal, zumal das Schaltgestänge ordentlich geführt ist und die Schaltwege angenehm kurz ausfallen. Dabei muss man außerdem nicht zwangsläufig als Krawallo unterwegs sein. Der Motor beherrscht den Sprint von Null auf Tempo 100 in rund viereinhalb Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit von gut 300 Sachen (in Kombination mit Schaltgetriebe) ebenso wie das entspannte Cruisen – Drehmoment liegt auch beim Dahinrollen im fünften oder sechsten Gang ausreichend an, auch wenn im Falle des Automatik-Getriebes über die Schaltwippen am Lenkrad ins Schaltgeschehen eingegriffen wird.
Die Fahreigenschaften hinterlassen einen gemischten Eindruck
In Sachen Handling vermag der Cadillac nicht vollends zu überzeugen. Zwar arbeitet die Zahnstangelenkung aus dem Hause ZF überraschend direkt und feinfühlig und das Handling insgesamt kann auch im Vergleich zur europäischen Konkurrenz durchaus bestehen. Der Federungskomfort allerdings lässt zu wünschen übrig und ist nicht ganz auf Premium-Niveau. Auch wenn sich das adaptive Fahrwerk den Wünschen des Fahrers anpasst, gefällt es kaum durch gute Filtereigenschaften. Wer die Stufe „Sport“ anwählt, wird außerdem durch hohe Stoßanfälligkeit und laute Poltergeräusche beim Abrollen genervt. Überhaupt geht es in dieser Klasse in den meisten Fahrgasträumen etwas leiser zu.
Alle Annehmlichkeiten vorhanden
Hinsichtlich der Ausstattungsdetails muss sich der CTS wahrlich nicht verstecken. Von den üppigen, beheizten und belüfteten Clubsesseln mit mannigfaltiger Verstellmöglichkeit über das Festplatten-Navi bis hin zum Audiosystem Bose 5.1 Cabin Surround ist hier alles mit an Bord, was Spaß und Laune bereitet. Auch für die Sicherheit ist gesorgt. Ein Reifendruck-Kontrollsystem ist ebenso serienmäßig mit an Bord wie zahlreiche Airbags. Der Fahrerairbag zündet sogar in zwei Stufen und ein Luftsacksystem aus seitlichen Kopf-Airbags schützt die Passagiere vorn und im Fond vor Blessuren bei einem drohenden Überschlag. Und schließlich sorgt sich der Cadillac nicht nur um seine Insassen, sondern auch um Fußgänger, mit denen der Fahrer kollidieren könnte. Sensoren erkennen einen solchen und sorgen dafür, dass sich im Falle eines Zusammenstoßes die Motorhaube aufstellt. Dadurch wird zusätzlicher Freiraum im Motorbereich geschaffen und das Risiko für Kopfverletzungen minimiert.
Ausreichender Nutzwert
Was bei einem Kombi nicht vergessen werden sollte: der Cadillac CTS Wagon fasst auf Wunsch bis zu 1.484 Liter Kadevolumen. Das könnte bei einer Außenlänge von mehr als 5,20 Meter zwar mehr sein, ist aber gemessen an den Sportwagen-Fahrleistungen OK.
Sensationelles Preis-Leistungs-Verhältnis
Ein echter Kracher ist der CTS Sport Wagen in Sachen Gegenwert. 76.710 Euro ruft der Händler für den CTS-V mit 6,2-Liter-Kompressor-V8 auf, inklusive einer nahezu kompletten Serienausstattung. Soviel Auto für Geld bekommt man sonst eigentlich nirgends. Wer sich mit dem Dreiliter-V6 begnügt, zahlt € 47.490 Euro, ebenfalls mit nahezu kompletter Ausstattung. All das erkauft man sich freilich mit einem nicht zu unterschätzenden Kraftstoffverbrauch. Der CTS-V steht mit 15,3 Litern Benzinverbrauch in der Liste, bei flotter Gangart sind es gerne auch einmal ein paar Liter mehr. Selbst der kleinere Dreiliter-Sechszylinder kommt nur bei vorsichtiger Fahrweise unter die Zehn vor dem Komma. Hinzu kommen satte Beiträge für die Kfz-Versicherung (hier können Sie vergleichen) sowie ein beträchtlicher Wertverlust, insbesondere in den ersten drei Jahren. Für Individualisten mit Neigung zu Sport und Luxus ist dieser Cadillac aber sicherlich eine reizvolle Alternative. (autaro)




