
(Fotos: GM)
München, den 16. September 2011 (autaro) Wer in der Kompaktklasse eine Limousine mit hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis suchte und dabei nicht allzu viel Wert auf Prestige und neidische Blicke des Nachbarn legte, für den war der Chevrolet Cruze bislang eine interessante Alternative. Vorausgesetzt, man wollte eine Limousine. Da Chevrolet es sich zum Ziel gemacht hat, nun auch den europäischen Markt kräftig aufzumischen, musste die GM-Tochter freilich ein Modell mit großer Heckklappe nachlegen – kompakte Limousinen werden zwar auch hier gekauft, insbesondere die Deutschen stehen aber mehr auf Steil- und Fließheck. Bis 2012 dann noch ein Kombi hinzu kommt, könnte der Cruze also auch in Deutschland vermehrt Käufer finden.
Sparsamer Diesel
Ein weiterer unterschied zwischen neuem und altem Kontinent: während sich die Amerikaner nur langsam mit dem Diesel anfreunden, ist gerade in Deutschland auch in der Kompaktklasse der Selbstzünder-Anteil groß. Wie auch die Limousine kommt der Kompakte mit zwei Benzinern und einem Diesel daher, der gleichzeitig auch die stärkste Motorisierung stellt. Zwei Liter Hubraum und 163 PS klingen allerdings nach mehr, als der Cruze schließlich liefert. Den Sprint von Null auf Tempo 100 schafft der Chevi in gerade eben zehn Sekunden und auch im unteren Drehzahlbereich wirkt das Aggregat wenig durchzugsstark. Zudem brauch der Motor eine Weile, bis er auf Touren kommt, den Zwischenspurt auf der Landstraße erledigt er aber dank des gut gestuften Sechsganggetriebes ausreichend schnell. Außerdem hält er sich beim Timbre angenehm zurück, er ist zwar nicht der Leiseste seiner Klasse aber auch bei weitem nicht der Lauteste. Wer übrigens wegen der höheren Kfz-Steuer oder wegen teurerer Beiträge zur Kfz-Versicherung lieber zum Benziner greift, für den hält Chevrolet zwei Vierzylinder, einen mit 124 und einen mit 141 PS bereit.
Ordentlicher Qualitätseindruck
Im Innenraum zeigt sich deutlich die Nähe zum Opel Astra, mit dem der Cruze sich vieles teilt. Hierdurch ergibt sich auch der für einen Chevrolet verblüffend hochwertige Eindruck, den sowohl Materialien als auch die Verarbeitung hinterlassen. Die Oberflächen wühlen sich gut an, der Anteil an Hartplastik wurde gegenüber früheren Modellen deutlich reduziert und auch auf schlechten Pisten verhält sich das Interieur ruhig und klapperfrei. Allein die Bedienung erschließt sich dem Fahrer nicht auf Anhieb, stellt aber nach etwas Eingewöhnung auch niemanden vor Probleme.
Passables Fahrwerk
Wer nun vom Chevi den ausgewogenen Fahrkomfort eines Opel Astra erwartet, könnte in der einen oder anderen Situation enttäuscht sein. Zwei teilen sich beide die gleiche Plattform, im Cruze wird aber aus Kostengründen eine andere, technisch simplere Hinterachse verbaut. Und das merkt man. Auf der Autobahn und auf Landstraßen federt der Chevrolet noch recht ordentlich, auch die Abrollgeräusche halten sich dezent im Hintergrund. Verlässt man aber die glatt asphaltierte Fläche, reicht der Kompakte Fahrbahnunebenheiten wie Kanaldeckel oder Schlaglöcher recht ungeniert an die Passagiere weiter. Außerdem arbeitet die Lenkung weniger feinfühlig als im Opel, wenngleich sie im Stadtverkehr angenehm leicht zu bedienen ist. Verglichen mit Vorgängermodellen ist mit dem Cruze aber insgesamt eine Art Quantensprung gelungen. Das gilt beispielsweise auch für die Bremsen, die nicht nur ordentlich verzögern, sondern sich auch gut dosieren lassen. Wie die Auslegung des serienmäßigen ESP zeigt, wurde beim Chevrolet Cruze Wert auf Sicherheit gelegt.
Komplette Serienausstattung
Das zeigt sich auch in der kompletten Sicherheitsausstattung. Zudem in dieser Klasse üblichen sechs Airbags gesellt sich beim Cruze noch ein siebenter für die Knie des Fahrers. Daneben sind ABS, ESP und alle weiteren Details grundsätzlich ohne Aufpreis in allen Varianten mit an Bord. Darüber hinaus glänzt der Chevi auch mit einer runden Komfortausstattung. Klimaanlage, elektrische Fensterheber, ein CD-Radio mit MP3-Fähigkeit oder die fernbedienbare Zentralverriegelung – alles ist ohne Aufpreis mit drin. Das gilt auch für die geteilt umlegbare Rücksitzbank, die den Kofferraum bei Bedarf auf 883 Liter erweitert. Schon die 413 Liter bei funktionstüchtiger zweiter Sitzreihe sind aber im Klassenvergleich ein guter Wert. Kleiner Kritikpunkt: bei einer Gesamtlänge von 4,51 Metern und einer Breite von 1,79 Metern (ohne Außenspiegel), wäre mehr drin gewesen. Die dynamisch abfallend gestaltete Heckpartie frisst hier wertvolle Liter. Dafür kann der Chevi auch schwere Lasten transportieren, 513 Kilo dürfen (inklusive der Passagiere) transportiert werden.
Mehr Cruiser als Dynamiker
Der Name „Cruze“ ist Programm, denn ein wirklicher Kurvenräuber ist die Offerte aus den USA nicht. Das mag aber bereits die Motorisierung verhindern, insbesondere der kleine Benziner mit 1,6 Litern Hubraum und 124 PS Leistung reißt beileibe keine Bäume aus. Von Null auf Tempo 100 wird die rund 1,3 Tonnen schwere Fuhre in zwölf Sekunden bewegt, bei Tempo 190 ist Schluss. Auch der Verbrauch der Basismotorisierung kommt in der Praxis selten auf die versprochenen 6,6 Liter pro 100 Kilometer, die Chevrolet dem Cruze auf dem Papier ausweist.
Die Stunde des Cruze schlägt an der Kasse
Klar in seinem Element ist der Kompakte beim Preis-Leistungs-Verhältnis. Gut, der technisch in etwa vergleichbare Opel Astra kann das eine oder andere Detail ein bisschen besser, wirkt insgesamt hochwertiger. Aber bei vergleichbarer Ausstattung ist der Chevi eben auch deutlich über 1.000 Euro billiger. Zudem gelten die Händler in den GM-Autohäusern als ausgesprochen verhandlungsfreudig. Die Neuwagengarantie deckt mit drei Jahren Laufzeit bis zu einer Kilometerleistung von 100.000 km das Wesentliche ab, die 340 Euro für eine Anschlussgarantie (fünf Jahre bis 150.000km) könnten sich aber unter Umständen rechnen. Auch eine Verlängerung auf vier Jahre bis 120.000 km bietet Chevrolet an, sie kostet aber bereits 225 Euro und ergibt im Vergleich zum größeren Paket wenig Sinn. Der Anschaffungspreis kann sich sehen lassen: den Chevrolet Cruze mit Fließheck gibt es ab 14.990 Euro, inklusive der beschriebenen Serienausstattung. Zwar steht in den ersten Jahren ein überdurchschnittlich hoher Wertverlust ins Haus, doch macht der Chevi diesen mit insgesamt geringen Beiträgen zur Kfz-Versicherung (hier geht’s zum Vergleich) teilweise wieder wett und gerade die Selbstzünder gefallen mit einigermaßen gesitteten Trinkgewohnheiten. (autaro)

Frontal ganz die Limousine

Knackige Silhouette

Hochwertiges Cockpit - der Opel Astra lässt grüßen

Bei Nacht sind alle Skalen blau

Die Armaturen stecken in modischen Schächten