München, den 11. Januar (autaro) Citroën steht wie kaum eine andere französische Marke für Extravaganz und die sprichwörtliche Joie de vivre – Citroën ist automobile Lebensart. Allerdings hatte man bislang, und das durchaus zu Recht, auch immer ein wenig Angst vor der französischen laissez fair. Fahrzeuge mit dem Doppelwinkel auf dem Kühlergrill gelten als nicht sonderlich zuverlässig. Und eines ist klar: in der ausdifferenzierten Kompaktklasse muss auch ein Citroën mehr bieten als nur ausgefallenes Design, gepaart mit zukunftsweisender Technik.
Das Design sorgt für frischen Wind in der Kompaktklasse
Zumindest optisch passt alles. Der Kompakte wirkt wie aus einem Guss, die Spaltmaße passen, alles wirkt nicht mehr ganz so verspielt und unausgegoren wie beim Vorgänger. Die Formen wirken, wie übrigens auch der gerundete Doppelwinkel, der bislang eckig auf allen Citroën prangte, stimmig, die Proportionen stimmen. Und doch kommt der C3 keineswegs so konservativ und langweilig daher, wie beispielsweise ein VW Polo. Einen gewichtigen Beitrag zum futuristischen Aussehen leistet die riesige Panorama-Windschutzscheibe, die für 400 Euro Aufpreis nachhaltig den Horizont erweitert. Das macht vor allem Nachts und bei trübem Wetter Laune, während man sich vor starker Sonneneinstrahlung mit einem verschieblichen Rollo schützen kann. So wirkt denn auch der Innenraum des knapp vier Meter langen C3 luftig und großzügig. Beifahrer freuen sich zudem über das auf der Beifahrerseite weit nach vorn eingebuchtete Armaturenbrett, das zusätzlich Platz schafft. Dieses Detail kommt bei Bedarf auch großgewachsenen Passagieren im Fond zugute, denn der Sozius kann mit seinem Sitz extrem weit nach vorn fahren. Der Platz in der hinteren Sitzreihe ist ansonsten aber durchaus ausreichend. Auch die Sitze erfreuen auf allen Plätzen mit angenehmem Komfort und hervorragender Passform. Hinsichtlich der Innenraumgestaltung enttäuscht der Neue indes ein wenig. Zwar ist die Verarbeitung ordentlich und auch bei der Materialauswahl hatte nicht der Rotstift das letzte Wort. Doch rein Optisch hätten wir uns von einem Citroën ein wenig mehr Chic gewünscht. Wenigstens gibt es an der Ergonomie nichts zu mäkeln.
Dynamisches Handling
Beim Fahrverhalten schlägt die große Stunde des kleinen Galliers. Kaum ein anderer Kompakter lässt sich derart leichtfüßig auch in schmalste Parklücken bugsieren oder wetzt derart flink auch um enge Kehren. Daran hat freilich auch die extrem leichtgängige, elektromechanische Servolenkung ihren Anteil. Außerdem lässt sich der Grad der Unterstützung über einen Drehregler stufenlos einstellen, auf Wunsch arbeitet die Lenkung also auch ausreichend direkt. Überhaupt haben sich die Franzosen einmal mehr Gedanken gemacht und beispielsweise die Abschaltmöglichkeit des ansonsten sehr feinfühlig regelnden ESP beschränkt. Zwar lässt es sich auch beim C3 per Knopfdruck abschalten, nimmt aber ab Tempo 50 seine Tätigkeit automatisch wieder auf.
Angenehmes Fahrwerk, brummiger Motor
Bei einem Citroën stellt sich unweigerlich die Frage nach dem Fahrkomfort. Und der fällt, um es gleich vorweg zu sagen, gut aus. Zwar verzichteten die Ingenieure aus Kostengründen auf die berühmte hydropneumatische Federung. Die Lösung aus Verbundlenker-Hinterachse und Schraubenfedern verrichtet ihren Dienst jedoch kaum schlechter. Lediglich auch langen Bodenwellen bei stärkerer Beladung gerät die Federung an ihre Grenzen, ansonsten gehört sie in dieser Klasse zum Durchschnitt. Was allerdings eindeutig nervt, ist die Stimme des von uns getesteten 1,4-Liter-Benziners mit 95 PS. Zwar sorgt der Vierzylinder für ordentliche Fahrleistungen und beschleunigt den C3 in rund elf Sekunden auf Landstraßentempo. Doch ist das serienmäßige Fünfganggetriebe zugunsten eines spritzigen Antritts sehr kurz gestuft. Daraus ergeben sich naturgemäß hohe Drehzahlen, die zu einem unüberhörbaren Brummen führen. Bereits bei Tempo 130 zeigt der Drehzahlmesser 4000 Touren an, längere Autobahnetappen werden damit zur Nervenprobe. Wenigstens sind die fünf Gänge sauber geführt, was im Stadtverkehr dann wieder durchaus Laune macht.
Der Verbrauch hängt vom Fahrer ab
Von der Geräuschkulisse abgesehen birgt das insgesamt hohe Drehzahlniveau aber auch einen weiteren eklatanten Nachteil: wer das Gaspedal nicht ständig nur streichelt, erntet schnell einen Durchschnittsverbrauch jenseits der sieben Liter. Das ist schade, denn mit seinem geringen Leergewicht von etwas über 1,1 Tonnen hat der Kleine durchaus Sparpotential. Wer sich zügelt, kann denn auch Durchschnittsverbräuche um die 5,5 Liter realisieren – Disziplin ist hier natürlich oberstes Gebot. Rundum wird der C3 es also weiterhin schwer haben, sich gegen die etablierte Konkurrenz a la VW Polo, Ford Fiesta oder Opel Corsa zu behaupten. Mit seinem Preis von 15.800 Euro für die 95 PS starken 1,4-Liter und der vergleichsweise kompletten Serienausstattung ist der Citroën C3 aber durchaus eine ernstzunehmende Alternative und wird sicherlich einen Teil der Individualisten-Fraktion für sich gewinnen können. (autaro)