
(Fotos: Fiat)
München, den 13. Juli 2011 (autaro) Seit der Übernahme des amerikanischen Autoherstellers Chrysler durch den italienischen Riesen Fiat, hat sich die Modellpolitik der Italiener verändert. Die Rolle des Familien-Vans Ulysse, der kurzerhand aus dem Programm flog, übernimmt nun ein alter Bekannter: der Dodge Journey. Das ist zwar nur die halbe Wahrheit, denn für den anspruchsvollen europäischen Markt wurde der Amerikaner kräftig überarbeitet. Prinzipiell teilen sich aber beide Modelle die gleiche Plattform und die technischen Grundzüge. Fraglich ist, ob diese Art der Modellpolitik auf Dauer aufgehen wird. Ein erster Blick auf den Fiat Freemont zeigt jedenfalls, dass die Karten nicht so schlecht stehen, wie Nörgler uns gerne weismachen möchten.
Der Innenraum wurde kräftig überarbeitet
Hierzulande wurde der Verkauf des Dodge Journey nach kurzer Zeit eingestellt. Das Fahrzeug genügte schlicht nicht den Ansprüchen, die die meisten Europäer an ein Auto stellen. Im Innenraum kam eine Unmenge billigen Plastiks zum Einsatz, die Verarbeitung war liederlich, alles atmete die triste Luft der Gleichteilpolitik des Chrysler-Konzerns. Für den Freemont haben sich die Entwickler dagegen ins Zeug gelegt, der Innenraum gefällt durch hochwertige Soft-Touch-Materialien und ein ordentliches Finish. Chromapplikationen gehören ebenso zum gediegenen Erscheinungsbild wie das zentrale Infotainment-System mit 4,3-Zoll-Touchscreen. Über dieses lässt sich nicht nur die Stereo-Anlage steuern, sondern auch Funktionen wie die Klimaautomatik und die Sitzheizung. Nebenbei verfügt die Audio-Anlage über einen MP3-CD-Player sowie über USB-Anschluss, AUX-Eingang und Bluetooth-Freisprechanlage.
Sieben Sitze und hohe Variabilität
Dass der Freemont in der Länge stattliche 4,89 Meter, in der Breite 1,88 Meter und in der Höhe 1,69 Meter misst, sieht man ihm auf den ersten Blick nicht an. Daran hat zum Einen das kompakte, leicht klotzige Design, zum anderen aber auch der lange Radstand von 2,89 Metern seinen Anteil. Von letzterem profitiert vor allem der Innenraum, in dem sich sieben Sitze in zahlreichen Variationen positionieren lassen. Insgesamt zählt Fiat 32 Konfigurationen auf. Gut gelöst haben die Ingenieure den Klappmechanismus des hinteren Gestühls, der leicht von der Hand geht und bei bedarf einen ebenen Laderaum zur Verfügung stellt. Sind Sitzflächen und Lehnen aufgestellt, bieten sie allen Passagieren ordentlich Platz und eine bequeme Sitzposition. Hier hat sich mit der Zeit mächtig was getan, die Zeiten in den man in Vans in Reihe zwei und drei wie in der Holzklasse saß, scheinen der Vergangenheit anzugehören. Zudem haben die Entwickler auch an den Blick nach draußen gedacht. Die Sitzreihen im Freemont steigen nach hinten hin an, sodass die Passagiere in den hinteren Reihen über die Köpfe ihrer vorausreisenden hinweg die Straße im Blick haben. Ein Detail, das viel Ungemach und Übelkeit sensibler Kinder auf längeren Reisen verhindern hilft.
Gute Reisetauglichkeit
Für ein hohes maß an Reisetauglichkeit sorgen neben der gelungenen Sitzarchitektur auch ein großer Kofferraum und zahlreiche Ablagen und Fächer im Innenraum. Neben einem Ladevolumen von bis zu 1.461 Litern bietet der Fiat seinen Insassen auch eine 12-Volt-Steckdose, die neben dem Anschluss von Handy, MP3-Player oder anderem Gerät beispielsweise auch den Transport einer elektrischen Kühlbox ermöglicht.
Vorerst sind zwei Diesel erhältlich
Zunächst kommt der Fiat Freemont lediglich mit zwei Motoren zu uns. Dabei handelt es sich um den Zweiliter-Multijet aus dem Fiat, Regal, der in unterschiedlichen Leistungsstufen, einmal mit 140 und einmal mit 170 PS zur Verfügung steht. Der Vierzylinder stemmt in beiden Versionen 350 Nm maximales Drehmoment auf die Kurbelwelle, das in der stärkeren Variante allerdings schon ein wenig früher anliegt. Der stärkere der Beiden beschleunigt den immerhin knapp zwei Tonnen schweren Freemont innerhalb von 11 Sekunden auf Landstraßentempo, die 140-PS-Ausführung benötigt hierfür 12,3 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit erreicht der Italiener bei 195 bzw. 180 Stundenkilometern. Beide Motoren sind vorerst nur mit einem manuellen Sechsganggetriebe und Frontantrieb lieferbar. Dies wird sich mit der Einführung des Allradlers ändern, der von dem 170-PS-Diesel angetrieben wird und serienmäßig über eine sechsstufige Wandler-Automatik verfügen wird.
Der Preis ist heiß
Bereits in der Grundausstattung kommt der Freemont mit dem beschriebenen Infotainment-System und Multifunktions-Lenkrad. Daneben umfasst die Serienausstattung die sieben Sitze, eine Drei-Zonen-Klimaautomatik, Tempomat, Reifendruck-Kontrollsystem, eine schlüssellose Zentralverriegelung mit Keyless Go, ein Kindersitzsystem und sogar über eine Alarmanlage und Leichtmetallräder im 17-Zoll-Format. All das bekommt man mit dem 140-PS-Diesel schon für 25.990 Euro. Greift man zur nächst höheren Ausstattungs-Variante „Urban“, packt Fiat zusätzlich noch eine Bluetooth-Freisprechanlage, einen Lichtsensor nebst automatisch abblendendem Innenspiegel, Lenkrad und Schaltknauf in Leder, Einparksensoren hinten und eine Dachreling mit hinein. Außerdem klappen die Außenspiegel elektrisch an, die hinteren Seitenscheiben sind dunkel getönt und sogar der Fahrersitz verstellt sich elektrisch und schont den Rücken mit einer vierfach verstellbaren Lordosenstütze. Als Freemont Urban kostet der schwächere Diesel 27.290 Euro, mit 170 PS 28.790 Euro – das muss die Konkurrenz erst einmal nachmachen!
Unklare Betriebskosten
Wie sich der Freemont im Unterhalt schlagen wird, ist noch nicht klar, Fiat liefert bislang keine Verbrauchswerte. Hinsichtlich der Kfz-Steuer wird er sich im üblichen Rahmen bewegen, ebenso bei der Kfz-Versicherung und der Kasko. Zu erwarten ist ein recht hoher Wertverlust in den ersten Jahren, was durch den niedrigen Anschaffungspreis sicherlich ausgeglichen werden dürfte. Die Fiat-Garantie schafft vertrauen und nimmt die Angst vor hohen Folgekosten, zumindest in den ersten Betriebsjahren.
Fazit
Der Fiat Freemont ist sicherlich ein Auto mit Schwächen und bewegt sich nicht gänzlich auf Augenhöhe mit der übrigen europäischen Konkurrenz. Schlecht gelungen ist er indes auch nicht, bei Verarbeitung und Komforteindruck hinterlässt er einen soliden Eindruck. Nahezu unschlagbar ist der Anschaffungspreis der in Verbindung mit der umfangreichen Ausstattung ein wirklich günstiges Paket für die Großfamilie oder freizeitaktive Fahrer schnürt. (autaro)
