
München, den 25. Juli (autaro) So allmählich scheint die Konkurrenz den Hybrid-Pionieren Toyota und Lexus in Sachen Vollhybrid gänzlich das Feld zu überlassen. Mit dem CT 200h kommt im März nächsten Jahres der erste Vollhybrid, also ein Antriebssystem aus getrennt arbeitendem Benzin- und Elektromotor, in die Nobelabteilung der Kompaktklasse. Denn dort verkauft Toyota, die Mutter der Edelmarke Lexus, zwar bereits sehr erfolgreich den Prius, auf dessen Technik der kompakte Lexus basiert. Doch versuchen die Japaner nun auch Käufer zu erreichen, denen ein Toyota Prius zu sehr polarisiert oder die einfach mehr Wert auf Lifestyle und Design legen. Die avisierte Käuferschicht verdient gut, bewegt sich im Altersbereich um die 30 Jahre und gibt sich vor allem aus Imagegründen umweltbewusst.
Die Technik stammt vom Toyota Prius
Die Antriebstechnik, ebenso wie das Fahrwerk, stammt im Wesentlichen aus dem Toyota-Regal, namentlich aus den Fächern des Toyota Prius. Es wird also ein 100 PS starker 1,8-Liter-Vierzylinder mit einem 60 kW starken Elektromotor kombiniert, was zusammen eine Systemleistung von rund 136 PS ergibt. Dabei wird die Leistung, wie auch im Toyota Prius, über ein stufenloses CVT-Getriebe an die Vorderräder geschickt, der Verbrauch dürfte aber ein wenig über den Werten des Prius liegen. Daran tragen zum einen die deutlich breiteren Reifen Schuld, der Prius läuft auf besonders schmalen Leichtlaufreifen. Zum anderen verfügt der Lexus nicht über die hervorragende Aerodynamik des Prius, der schließlich auch die schrullige Optik des Toyota geschuldet ist. Zumindest optisch hat der Luxus hingegen seinen eigenen Stand. 4,32 Meter in der Länge und 1,76 Meter in der Breite, dazu das typische, leicht aggressive Lexus-Gesicht und ein knapper Abschluss sorgen durchaus für eine bullige Optik.
Innen Premium
Der Innenraum des neuen Kompakten macht was her. Hier zeigt sich einmal mehr, dass die Japaner, zumindest in der Premium-Klasse, ihr handwerk mittlerweile verstehen. Von den optionalen und sehr bequemen Ledersitzen bis zu den Oberflächenbeschaffenheiten und der Verarbeitungsqualität muss sich Lexus nicht hinter der deutschen Konkurrenz verstecken. Allein an der eigenwilligen Aufteilung der Bedienelemente und an dem kleinen Joystick, der herkömmliche Automatik-Wählhebel auf der Mittelkonsole ersetzt, lässt sich die enge Verwandtschaft zum Prius erkennen. Ein ebenfalls eigenwilliges Merkmal ist das Remote-Touch-Element, über das das Navi und die Sound-Anlage gesteuert werden. Prinzipiell funktioniert es ähnlich wie die Maus an einem Computer, kommt in Sachen Ergonomie aber nicht ganz an einen Touchscreen oder an die bekannten Dreh-Drück-Regler, wie wir sie beispielsweise von BMW oder Audi kennen, heran.
Der CT wirkt durchaus dynamisch
Dass der CT 200h nicht nur sportlich aussieht, sondern durchaus auch einmal die Muskeln anspannen kann, unterstreichen Details wie die wechselnde Hintergrundbeleuchtung der Armaturen. Wählt der Fahrer den Sportmodus über einen Drehschalter auf der Mittelkonsole, illuminieren sich die Instrumente plötzlich rot statt blau. Außerdem werden die Kennlinien für die elektrohydraulische Servolenkung sowie für die Gasannahme verschärft und die Hybridanzeige verwandelt sich in einen Drehzahlmesser. Schließlich wird auch die Regelung des serienmäßigen ESP in Richtung Sport verschoben, der Lexus lässt nun auch stärkere Schräglaufwinkel und deutlich mehr Schlupf zu. All diese Maßnahmen sind sicherlich gut gemeint und geben dem Spieltrieb des Fahrers zumindest anfangs Anschub. Dass der Lexus aber kein reinrassiger Sportler ist, wird spätestens auf der Rennstrecke klar, hier ist die Leistung dem naturgemäß hohen Gewicht des Hybriden schlicht nicht gewachsen. Hinzu kommt die nervtötende Charakteristik des stufenlosen Getriebes, die unter Vollast ständig im höchsten Drehzahlbereich verweilt. Während sich der Lexus zögerlich dazu entschließt, den gegebenen Gasbefehl in Vortrieb umzuwandeln, dröhnt der Vierzylinder bereits lautstark im Bereich von 5.000 U/min und verlässt diesen Bereich erst wieder beim Loslassen des Gaspedals. Spaß macht das keinen.
Der Komfort geht in Ordnung
Wer es allerdings gemächlicher angehen lässt, dem dankt es der Lexus mit ausreichendem Komfort und einem alles in allem niedrigen Geräuschniveau. Auch das Stufenlose Getriebe verrichtet seine Arbeit dann unauffällig und ruckfrei, was sich auch positiv auf den Verbrauch auswirkt. Bis Tempo 150 kann man auf der Autobahn unangestrengt mitschwimmen, darüber hinaus wird es dann aber wieder hektisch und laut.
Sparsam, aber nicht um jeden Preis
Wer mit dem CT 200h behutsam zu Werke geht, sich nur im Öko-Modus bewegt und das Gaspedal allenfalls streichelt, wird sicherlich in die Nähe des von Lexus angegebenen Durchschnittsverbrauchs von 3,9 Litern Super pro 100 Kilometer kommen. In der alltäglichen Praxis sind es sicherlich regelmäßig Werte um die fünf Liter, bei forcierter Fahrweise entspricht der Verbrauch im Prinzip dem eines herkömmlichen Benziners. Hinzu kommt, dass ein Lexus von Natur aus kein Schnäppchen ist. Zwar steht der offizielle Preis noch nicht fest, es kann aber von wenigstens 28.500 Euro ausgegangen werden, bei entsprechender Ausstattung auch von Preisen jenseits der 40.000 Euro. Dem gegenüber dürfte ein vergleichsweise geringer Wertverlust stehen, ebenso günstige Versicherungseinstufungen (hier können Sie vergleichen) und vertretbare Ausgaben für das Finanzamt. (autaro)





