München, den 13. März 2011 (autaro) Wären die Marketingstrategen bei Mercedes nur einmal früher darauf gekommen, das Traditionsunternehmen hätte vielleicht schon viel Früher so richtig auf Masse produzieren können. 1982 stellten die Stuttgarter den Mercedes 190 vor und damit das erste Modell für die Mittelklasse. Der sogenannte „Baby-Benz“ sollte in erster Linie dem äußerst erfolgreichen 3er von BMW Paroli bieten und wurde beinah unerwartet zum Verkaufsschlager. Aus ihm entwickelte sich die C-Klasse, die seither einen der wichtigsten Pfeiler im Modellgefüge der Schwaben darstellt.
Dynamischere Optik
Die nunmehr dritte Generation der C-Baureihe verkauft sich ebenfalls prächtig und ist mittlerweile das volumenstärkste Modell des Daimler-Konzerns. Damit das so bleibt, erfährt der ehemalige Baby-Benz, unterhalb dem längst kleinere Modelle wie die B-Klasse oder die A-Klasse rangieren, für das Modelljahr 2011 eine gründliche Überarbeitung. Die Front schaut deutlich dynamischer aus, die neu gestalteten Scheinwerfer und der kantige Schweller nebst der eingebauten LED-Tagfahrleuchten verleihen der C-Klasse mehr optischen Bums. Dagegen fielen die Änderungen am Heck dezent aus, leichte Retuschen an der Schürze und an den Heckleuchten mussten reichen.
Sparsamere Motoren
Dass die Ingenieure auch unterhalb des neugestalteten Blechkleides Hand anlegten, sieht man der erfrischten C-Klasse kaum an. Dabei wurden angeblich über 2.000 neue Teile entwickelt, auch die Motoren sollen insgesamt sparsamer geworden sein. Besonders der 3,5-Liter-Sechszylinder, der stolze 306 PS mobilisiert, soll nun gut 30 Prozent weniger Benzin verbrauchen. Serienmäßig übernimmt die Schaltarbeit eine Siebengangautomatik, angetrieben werden traditionell die Hinterräder. Nur 6,8 Liter Super sollen pro 100 Kilometer durch die sechs Brennkammern gehen, angesichts der gebotenen Fahrleistungen ein sehr ambitionierter Wert. Der in der Praxis übrigens tatsächlich realisiert werden kann, wenngleich sich der Fahrer in diesem Falle allzu heftige Tritte auf das rechte Pedal verkneifen sollte. Wer Leistung fordert, hat schnell auch einmal eine zweistellige Zahl auf dem Display der Verbrauchsanzeige stehen.
Aufgewerteter Innenraum
Einer der Hauptkritikpunkte der aktuellen C-Klasse betraf vor der Modellpflege die Materialauswahl im Innenraum. Billig wirkende Kunststoffe wollten nicht so recht zum Premium-Anspruch der Marke passen, wenngleich Gestühl, Platzangebot und Bedienung viel Lob erfuhren. Auch das zentrale Display, das elektrisch aus dem Armaturenbrett surrte, fand wenig Anklang bei der verwöhnten Kundschaft. Hier haben die Schwaben Abhilfe geleistet, das Display sitzt ohne zu spiegeln unter einer mittleren Hutze, die Materialien sind über jeden Zweifel erhaben. Ein Hauch von S-Klasse weht durch das Fahrgastabteil, auch wegen der vielen verfügbaren Extras. Letztere kosten zum Teil natürlich happige Aufpreise, dafür gibt es aber kaum etwas, was es nicht gibt.
Hoher Fahrkomfort
Insbesondere der C350 gefällt mit seinem extrem leisen Lauf und Top-Fahrleistungen. Spitzentempo sind elektronisch abgeregelte 250 Sachen, den Sprint von Null auf Tempo 100 erledigt die C-Klasse in 6,8 Sekunden. Dabei läuft der Sechszylinder so zurückhaltend, dass er eigentlich nur unter stärkerer Last zu hören ist und dann mit einem angenehmen Klangbild gefällt. Auch die Siebenstufen-Automatik harmoniert perfekt mit dem Aggregat, Schaltvorgänge werden praktisch nicht wahrgenommen und es liegt stets die passende Übersetzung an. Den angenehm komfortablen Eindruck unterstreicht das Fahrwerk, das sich allenfalls den Vorwurf gefallen lassen muss, nicht allzu geschmeidig über kurze Wellen zu gleiten. Ansonsten werden praktisch alle Unebenheiten glattgebügelt, zudem liegt der Benz wie ein Brett auf der Straße. Ebenfalls gut funktioniert die überarbeitete Servolenkung, die feinfühlig Rückmeldung gibt, ohne dabei stoßig zu agieren. Allein in schnell gefahrenen, engen Kurven zeigt sich eine leichte Kopflastigkeit, was angesichts des beträchtlichen Leergewichtes in der Natur der Sache liegt.
Kein Sonderangebot
Ein Stern auf der Motorhaube war noch nie ein billiges Vergnügen, da macht auch die C-Klasse keine Ausnahme. Für den C 350 werden satte 46.529 Euro fällig, für das T-Modell mit fein ausgelegtem Kombi-Heck kostet noch mal 1.666 Euro mehr. Dafür erhält man aber auch einen Reisewagen der Extraklasse und eben einen echten Sechszylinder. Die Ingenieure mögen sich noch so viel Mühe geben, kleinere Vierzylinder auf Leistung und Verbrauch zu trimmen, den Lauf eines V6 werden sie niemals hinbekommen. Wer soviel Geld auf den Ladentisch legt, sollte allerdings auch bedenken, dass die Kfz-Steuer ebenso bezahlt werden will, wie die verpflichtende Kfz-Versicherung und die ebenfalls ratsame Kasko-Versicherung (hier können Sie vergleichen). Zwar bewegen sich alle Kosten auf einem im Klassenvergleich anständigen Niveau, man bewegt aber ein Auto, dass sich bis auf die Abmessungen auch eine Klasse weiter oben wohlfühlen würde.
Breite Motorenpalette
Wer auf den feinen Sechszylinder verzichten kann, der wird auch weiter unten in der Motorenpalette fündig. Der kleinste Benziner kostet mit 32,696 Euro wesentlich weniger und reicht mit seinen 156 PS für die meisten Situationen völlig aus. Außerdem hat Mercedes verschiedene Selbstzünder im Programm, darunter den C 250 CDI, der dank des maximalen Drehmoments von 500 Newtonmetern äußerst druckvoll zur Sache geht und als BlueEfficiency-Modell nur um die fünf Liter Diesel pro 100 Kilometer verbraucht. Dieser ist, ebenso wie der C 350, auch als Allradler mit der Bezeichnung 4Matic erhältlich und wird serienmäßig über eine manuelles Sechsganggetriebe geschaltet.
Fazit
Egal für welche Motorisierung man sich entscheidet: mit der Modellpflege hat die dritte Generation der C-Klasse ihre Kinderkrankheiten abgelegt. Die Materialauswahl ist nun ebenso hochklassig wie in der E- oder S-Klasse, der Komfort und die Bedienung sind mit das Beste, was diese Klasse zu bieten hat. Allein der Preis zeugt wie eh und je von großem Selbstbewusstsein. Wer auf den feinen Lauf eines Sechszylinders abfährt, kann getrost zum C 350 greifen, der tatsächlich verhältnismäßig sparsam mit unseren fossilen Ressourcen umgeht, der aber auch ganz anders kann. Wenn man will. (autaro)