
(Fotos: Mini)
München, den 07. November 2011 (autaro) Hätte Sir Alec Issigonis gewusst, was aus seinem Mini einemal werden würde, was hätte er wohl gedacht? Als er den viersitzigen Winzling 1959 für die British Motor Corporation (BMC) entwarf, ging es um Minimalismus, weniger Auto ging kaum. Nach und nach kamen Modellvarianten wie ein Kombi oder ein kleiner Pickup hinzu, insgesamt wurde der Mini bis bis ins Jahr 2000 von der Austin Motor Company sowie der Morris Motor Company, später von British Motor Corporation (BMC), British Leyland und Rover beziehungsweise Lizenzpartnern gebaut und verkauft. Schließlich kaufte der bayerische Hersteller BMW die Marke nebst Rechten und machte daraus, man kann es kaum anders sagen, eine echte Goldgrube. Neben dem klassischen Mini und Mini Cabriolet gibt es mittlerweile auch den Clubman, den Countryman und seit Sommer auch das radikale Mini Coupé. Da scheint es nur logisch, dass es auch eine Version ohne Dach von dem puristischen Zweisitzer geben soll – und hier ist sie.
Als Zweisitzer in ein wenig umkämpftes Marktsegment
Die Zielgruppe, die der Mini Roadster ins Visier nimmt, hat prinzipiell nicht viel Auswahl. Der Mazda MX5 bedient seit Jahren die Lust an der Frischluft für Zwei und das zu Preisen, die deutlich unterhalb edlerer Roadster vom Schlage eines BMW Z4 oder Mercedes SLK liegen. Zwar gibt Mini die Preise für die Rennsemmel mit Stoffmütze noch nicht bekannt, es kann jedoch mit einem Grundpreis deutlich unterhalb der 30.000 Euro gerechnet werden. Das heißt: er stößt auf wenig Konkurrenz und könnte damit der nächste Erfolg der eigenwilligen Marke mit Sitz in Bayern werden. Zumal das Konzept schlüssig wirkt. Kompromisslos und durchgestylt.
Die Stoffmütze wird per Hand abgesetzt
Im Gegensatz zum bereits genannten Konkurrenten Mazda kommt der Mini ausschließlich mit einem manuell zu öffnenden Verdeck daher. Was nur auf den zweiten Blick ein Nachteil ist. Denn was es nicht gibt, das kann auch nicht kaputt gehen, außerdem lassen sich so wichtige Pfunde beim Gesamtgewicht einsparen. Hier liegt naturgemäß eine Schwachstelle offener Autos, die wegen des fehlenden Blechdachs etliche Verstärkungen und Verstrebungen zusätzlich erhalten müssen. Denn auch ein Cabriolet und insbesondere ein Roadster vom Schlage eines Mini muss eine gewisse Verwindungssteifigkeit aufweisen.
Kompakte Abmessungen
Im Vergleich zum Mini Cabriolet, das auf Wunsch auch vier Personen befördert, ist der Roadster ein konsequenter Zweisitzer. 3,73 Meter lang, 1,68 Meter breit und mit 1,39 Metern Höhe zwei Zentimeter niedriger als das Cabriolet bietet er allerdings ordentliche 240 Liter Kofferraumvolumen. Außerdem bringt er wie das Coupe eine praktische Durchreiche mit, die Sogar den Transport von Ski oder ähnlichem Sportgerät zulässt. Ein echter Blickfang sind die Überrollbügel aus Edelstahl, die nicht nur chic aussehen, sondern die Insassen auch vor Blessuren bei einem möglichen Überschlag schützen.
Ein Diesel und drei Benziner
Die Motorenpalette ist übersichtlich, insgesamt stehen nur die stärksten Maschinen aus dem Mini-Regal zur Auswahl. Dabei ist sicherlich eine der reizvollsten Alternativen der kernige Selbstzünder. Aus zwei Litern Hubraum brennt das Kraftpaket 143 PS und stemmt 305 Newtonmeter maximales Drehmoment auf die Kurbelwelle. Zwar macht der Selbstzünder akustisch keinen Hehl daraus, dass unter der Haube Heizöl statt Benzin durch die Brennkammern geht, dafür hat er in jeder Lebenslage richtig Bums und verbraucht nur 4,5 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Wohlgemerkt: die 100er-Marke kratzt die Tachonadel schon nach 8,1 Sekunden. Bei den Benzinern geht es mit 122 PS aus 1,6 Litern Hubraum los. 9,2 Sekunden werden für den Sprint von Null auf Tempo 100 benötigt, der Durchschnittsverbrauch liegt laut Mini bei 5,7 Liter Super. Die nächste Stufe markiert der 184 PS starke Benziner, der in sieben Sekunden auf Landstraßentempo wetzt und sich mit sechs Litern Super begnügt. Und schließlich leistet der Top-Benziner im Mini John Cooper Works aus ebenfalls 1,6 Litern Hubraum stolze 211 PS. 6,5 Sekunden vergehen hier für den Stammtisch-Sprint, während immerhin 7,3 Liter Super durch die vier Zylinder laufen.
Gokart-Feeling unter freiem Himmel
Das Fahrwerk übernimmt der Roadster prinzipiell vom Coupé. Das bedeutet, nach guter alter Mini-Manier, dass der Roadster durch die Kurven geht wie eine Flunder. Einbußen beim Federungskomfort sind zu erwarten, lassen sich aber auch angesichts der Straßenlage leicht verschmerzen. Die Kurvenhatz macht süchtig, besonders im Drehmomentstarken Diesel auf schnell gefahrenen Gebirgsstrecken. Ein Grinsen zaubert der Mini dauerhaft aber nicht nur dem Fahrer ins Gesicht, sondern auch dem Reifenhändler.
Frontantrieb ist Pflicht
Grundsätzlich kommt der Mini als Fronttriebler daher, einen Allradantrieb sparen sich die Briten. Der ist an sich auch nicht nötig, denn mit seiner nahezu optimalen Gewichtsverteilung und dem insgesamt niedrigen Gesamtgewicht ist der Mini was die Traktion betrifft kaum zu schlagen. Und damit der Roadster auch bei höheren Tempi auf dem Teppich bleibt, fährt ab 80 km/h oder auf Knopfdruck automatisch ein kleiner Heckspoiler aus. Grundsätzlich wird über ein manuelles Sechsganggetriebe geschaltet, für den Diesel und die beiden schwächeren Benziner kann auch eine optionale Sechsstufen-Automatik geordert werden. Daneben verfügen der Diesel und der Mini Cooper Roadster über ein Start-Stopp-System und Bremsenergie-Rückgewinnung, während eine Schaltpunktanzeige dem Fahrer beim Sparen hilft.
Mäßige Serienausstattung
Bei der Sicherheitsausstattung geht Mini keine Kompromisse ein. Neben ABS und ESP sorgen Front-Airbags und seitliche Luftsäcke für Kopf und Thorax für die Sicherheit von Fahrer und Beifahrer. Bei der Komfortausstattung sieht das Ganze etwas anders aus. Erst ab Cooper S ist eine Klimaanlage serienmäßig mit an Bord, darunter müssen auch die Sportsitze extra bezahlt werden. Dafür ist das MP3-CD-Radio serienmäßig, für den restlichen Schnickschnack muss man ordentlich latzen. Dafür gibt es im Mini kaum etwas, was es nicht gibt. Vom Xenon-Licht über Fernlicht Automatik und Komfort-Zugang bis zum Always Open Timer, die die Stunden mit geöffnetem Verdeck registriert gibt es nahezu unzählige Kleinigkeiten, mit denen sich der Preis in die Höhe treiben lässt.
Das Kostenkapitel – Fazit
Zu den Preisen äußert sich Mini bislang nicht, das billigste Coupé kostet derzeit ab 21.200 Euro. Die Kfz-Versicherung dürfte sich, wie bei allen Cabriolets im oberen Feld bewegen, dafür versprechen die niedrigen Hubräume eine günstige Kfz-Steuer. Insgesamt ist das Coupé zwar kein Schnäppchen, durchaus aber sein Geld wert. Das dürfte insgesamt auch für den Roadster gelten. (autaro)

Die Linien wirken schlüssiger als beim Coupé

Auch geschlossen macht der Roadster eine gute Figur

Harmonische Silhouette

Auch das Heck wirkt schlüssig

Das manuelle Öffnen funktioniert besser als elektrisch

Einfach aber effektiv: das Windschott zwischen den Überrollbügeln

Der Heckspoiler fährt bei 80 Sachen automatisch aus - oder auf Knopfdruck

Bekanntes Cockpit













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