
München, den 20. März 2011 (autaro) Seit knapp 30 Jahren baut der Japanische Hersteller und Renault-Kooperationspartner Nissan nun schon den Kleinwagen Micra, der nicht nur durch konsequente Namensgebung gefällt. Auch hinsichtlich der Zuverlässigkeit und Alltagstauglichkeit weiß er insbesondere Städter zu begeistern, die mehr Wert auf einen preiswerten und praktischen Kleinwagen legen, als auf Prestige und Premium-Attitüde. Die nunmehr vierte Generation des Micra wurde jüngst in ihrer Europa-Version auf dem Genfer Autosalon vorgestellt und will den Erfolg ihrer Vorgänger vor allem durch mehr Platz bei geringerem Gewicht und deutlich kleinerem Verbrauch ausbauen. Zum Einsatz kommen Dreizylinder-Benziner, die von Hause aus bereits so sparsam arbeiten, dass man einen Diesel bei Nissan für überflüssig hält. Dass es zu einem späteren Zeitpunkt Hybrid- oder Elektro-Versionen geben wird, kann angenommen werden. Bis dahin ist der Micra jedenfalls nur als Benziner in zwei Versionen erhältlich.
Überdurchschnittliches Raumangebot
Bei den Abmessungen haben sich Designer und Ingenieure angenehm zurückgehalten, der Micra ist seiner Klasse noch nicht entwachsen. Lediglich 3,78 Meter misst der Japaner in der Länge und ist damit im Vergleich zu seinem Vorgänger um 6,1 Zentimeter größer geworden. Auch in der Breite ist er mit 1,5 Zentimetern nur minimal gewachsen, misst so von der einen bis zur anderen Seite nur 1,68 Meter. In der Höhe hat er sogar um 1,5 Zentimeter abgenommen, im Fahrzeugschein stehen nun exakt 1,53 Meter. Da aber im Vergleich zum Vorgänger besonders der Radstand gewachsen ist, bietet der neue Micra besonders den Passagieren in der zweiten Reihe mehr Platz, reisen vier Personen mit, müssen auch längere Fahrten im Fond nicht gefürchtet werden. Apropos längere Fahrten: reisen tatsächlich einmal vier Personen nebst Gepäck, muss in dieser Klasse sicher überlegt werden, was alles mit in den Koffer darf. Der Nissan offeriert hier das durchschnittliche Kofferraumvolumen von 265 Litern, das aber praktischer Weise durch Umklappen der geteilten Rückbank im Verhältnis 60:40 auf bis zu 1132 Liter erweitert werden kann. Der wochenendliche Ausflug zu IKEA kann also unter Umständen auch im Micra gelingen.
Agiles Handling
Die kompakten Abmessungen des Neuen machen ihn zum wendigen Begleiter in praktisch allen Gegenden. Besonders in großen Städten kommt dem Micra sein auffallend kleiner Wendekreis von nur 9,3 Metern zugute, außerdem bieten die Japaner eine Einparkhilfe an, die ab der Ausstattungslinie Tekna sogar inbegriffen ist. Ist sie aktiviert, misst der Micra bei Geschwindigkeiten unterhalb der 25 km/h automatisch seitliche Parklücken aus, sobald der Blinker gesetzt wurde. Über ein Display auf dem Armaturenbrett kann der Fahrer dann sehen, ob er eine angepeilte Parklücke besetzt, oder lieber weiterfährt. Außerdem kann der Fahrer die Sensibilität des Assistenten beeinflussen, indem er zwischen den Einstellungen Amateur, Normal und Experte wählt. Ein System, das den Wagen von sich aus beim Einparken lenkt, ist bis jetzt nicht vorgesehen.
Solider Qualitätseindruck
Was die Verarbeitungsqualität betrifft, ist der Micra eigentlich über jeden Zweifel erhaben. Alles ist ordentlich montiert, nichts wackelt oder hat Luft. Auch auf fiesen Huckelpisten ist kein Knarzen oder Knistern vernehmbar, was außerdem für die Struktur der Karosserie und deren Verwindungssteifigkeit spricht. Lediglich die Qualität der verwendeten Materialien könnte einen hochwertigeren Eindruck hinterlassen, hier hat Nissan doch recht tief in die Kiste mit dem Hartplastik gegriffen. Ohne jeden Tadel hingegen passieren die Sitze diesen Test. Naturgemäß sitzt man im Fond nicht so gut, wie auf den vorderen beiden Sesseln, wirklich vernachlässigt muss man sich dort aber keineswegs fühlen. Vorn nimmt man auf gut ausgeformten und straffen Fauteuils Platz, die gut verstellbar sind und ordentlichen Seitenhalt vermitteln.
Leichtbau zahlt sich aus
Dass die Ingenieure vor allem beim Gewicht an unzähligen kleineren Bauteilen den Rotstift angesetzt haben, macht sich bezahlt. Mit seinem Leergewicht von gerade einmal 945 Kilogramm gehört der neue Micra zu den leichtesten Vertretern seiner Klasse, was sich deutlich im Verbrauch widerspiegelt und den Micra zu einem leichtfüßigen Flitzer macht. Der Einstiegsbenziner, ein 1,2-Liter-Dreizylinder mit 80 PS Leistung, hat mit dem Zwerg keinerlei Mühe, sprintet munter drauf los und verbraucht im Durchschnitt lediglich 4,8 Liter Super auf 100 Kilometer. Dabei geht das Triebwerk überaus dezent zu Werke, verrät seine profane Dreizylinder-Herkunft allein durch den speziellen Klang, nicht aber durch ein auffällig lautes Laufgeräusch oder durch Vibrationen. Ein gewisser Aufwand, den die Techniker mit Ausgleichswellen und anderen Lösungen betrieben haben, macht sich also auch hier bezahlt. Die 13,7 Sekunden, die der kleinere der beiden Benziner für den Sprint von Null auf Tempo 100 benötigt, fühlen sich kürzer an, als sie sind, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 170 Sachen erreicht.
Kompressor wird nachgereicht
Eine 98 PS starke Version des Dreizylinders reicht Nissan ab Herbst nach, sie wird von einem Kompressor auf Leistung gebracht. Außerdem soll der stärkere der beiden Motoren noch einmal sparsamer sein, Nissan spricht von einem surchscnittlichen Verbrauch von 4,1 Litern Super pro 100 Kilometer. Beide Motoren werden serienmäßig per Hand geschaltet, sind aber gegen Aufpreis auch mit einem stufenlosen CVT-Getriebe lieferbar. Die Marketing-Strategen im Hause Nissan rechnen trotzdem damit, dass sich rund 90 Prozent aller Micra-Käufer für den technisch weniger aufregenden Einstiegs-Benziner entscheiden werden.
Klein auch bei den Kosten
Neben dem bereits angesprochenen, geringen Durchschnittsverbrauch hilft der neue Micra aber auch durch andere Eigenschaften beim Sparen. So gehört er mit Blick auf die Kfz-Versicherung ebenso zu den günstigsten Vertretern seiner Klasse wie auch hinsichtlich der Kasko-Versicherung (hier können sie vergleichen). Außerdem kostet er wenig bei der Kfz-Steuer, was auf den kleinen Hubraum und die niedrigen CO2-Emissionen zurückgeht (der Kompressor emittiert gerade einmal 95 Gramm CO2 pro Kilometer). Ein wenig aufgewogen werden diese Vorteile durch einen recht happigen Wertverlust, insbesondere während der ersten vier Jahre ab Erstzulassung. Dafür kann der Nissan aber wieder mit einem sehr fairen Einstiegspreis von 10.740 Euro im Falle des Basis-Benziners glänzen. Serienmäßig verfügt er über fpnf Türen und in der schlichtesten Ausstattungslinie „Visia“ außerdem über elektrische Fensterheber vorn, eine Zentralverriegelung nebst Fernbedienung, ein höhenverstellbares Lenkrad, ABS, ESP, sechs Airbags und eine elektromechanische Servolenkung. Die beiden höherwertigen Ausstattungslinien „Acenta“ und „Tekna“ verfügen über weitere Extras, die früher allein den höheren Klassen vorbehalten waren, darunter auch ein Navigationssystem mit großem Farbdisplay und andere Highlights.
Fazit
Spätestens mit der neuen Auflage des Nissan Micra hat Nissan den Kleinwagen-Olymp erklommen. Der schmucklose Innenraum könnte zwar etwas mehr gute Laune verbreiten, die Verarbeitungsqualität bewegt sich aber auf einem sehr hohen Niveau und auch der Langstreckenkomfort kommt dank guter Geräuschisolierung und angenehmer Federung nicht zu kurz. Darüber hinaus besticht der Micra durch ein überaus agiles Handling und gefällt nicht zuletzt besonders dadurch, dass er sich dem ständigen Wachstums-Trend entzogen hat und seinen Abmessungen im Wesentlichen treu geblieben ist. Hierdurch zählt er außerdem zu den sparsamsten Vertretern seiner Klasse. (autaro)