
München, den 04. Dezember 2011 (autaro) Mit der M GmbH ist BMW so etwas wie der Vorreiter im Bereich der Haustuner. Neben optionalen Paketen, die in der Regel eine besonders bullige Optik, Sportfahrwerk und weiteres Rüstzeug für Straße oder Rennbahn offerieren, kommt seit Jahrzehnten auch die sportliche Krönung der meisten BMW-Baureihen aus den M-Hallen. Dabei entwickelten die M-Ingenieure früher noch das komplette Modell, mittlerweile fertigen sie den Motor, die Endmontage findet bei BMW selbst statt. Die Krönung der Business-Reihe, des 5er BMW, ist der M5. Erstmals kam er 1985 und war damit die erste Baureihe der M GmbH überhaupt. Damals leistete der Über-Fünfer 286 PS aus einem 3,5-Liter-Reihensechszylinder, der modifiziert aus der legendären Flunder M1 übernommen wurde.
Der Neue kommt mit aufgeladenem Achtzylinder
Allein die Zylinderzahl der M5-Baureihen hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Angefangen von den legendären Reihensechszylindern über hochdrehende V8 bis zum V10 mit Extrem-Drehzahl in der letzten Baureihe. Zwar war der Zehnzylinder mit sicherlich einer der emotionalsten Motoren, kam ohne Turbo aus und drehte willig bis zu 8.250 Touren. Der Klang, das metallische DSG-Getriebe – Rennsport durch und durch. Die Schattenseite war ein Durchschnittsverbrauch von 14,8 Liter Super und eine nicht eben saubere Verbrennung. Dem Neuen wurden nun abermals zwei Zylinder genommen, dafür erhält er doppelte Aufladung und leistet nun 560 PS. Damit ist er der stärkste Serien-BMW aller Zeiten und soll trotzdem mit einem Durchschnittsverbrauch von 9,9 Liter auskommen. In der Praxis und bei entsprechender Forderung der Leistungsreserven sind freilich auch ein paar Liter mehr drin, daran kann auch das serienmäßige Start-Stopp-System nichts ändern.
Das adaptive Fahrwerk bleibt
Was dem Fahrer gottlob bleibt, ist die Möglichkeit, seinen m5 so zu konfigurieren, wie er ihn haben will. Dabei beherrscht die viertürige Limousine jede nur erdenkliche Spielart zwischen komfortable gleiten und wie eine Flunder durch die Nordschleife peitschen. Ebenfalls beeindrucken ist dabei, wie sich der Sound des Achtzylinders anpasst. Leise säuselnd geht es über Autobahn oder Prachtboulevard, während der V8 auf der Rennstrecke beherzt brüllt. Dabei sortiert das Doppelkupplungsgetriebe seine sieben Gänge weich und unauffällig, ohne dabei auch nur eine Hundertstel-Sekunde zu verschenken. Näher an der Perfektion war ein M5 noch nie. Fans des Zahnzylinders werden das metallische Bellen und das unverschämte Knallen des Getriebes vermissen, werden aber durch das sonore Bollern und die gefühlte, zugkraftunterbrechungsfreie Beschleunigung mehr als entschädigt. Bei dem Leergewicht von 1.924 Kilo ergibt sich ein Leistungsgewicht von 3,4 Kilo pro PS. In Zahlen: vier Sekunden von Null auf Tempo 100, nach 8,6 Sekunden liegt Tempo 200 an. Schluss ist nach gefühlten weiteren zwei Sekunden bei Tempo 250, die elektronische Abregelung fühlt sich an wie ein Tritt auf die Bremse. Wer das Drivers-Package ordert und dadurch unter anderem in den Genuss eines Fahrertrainings kommt, kann den M5 auf freier Strecke laufen lassen und beobachtet, wie sich die Tachonadel erst bei 305 Sachen festsetzt.
Urgewalt bleibt gut beherrschbar
Wer die ganze Perfektion nebst ausgefeiltem ESP im Alltag satt hat, der kann den Vormund auch abschalten. Dann geht der M5 über die Rennstrecke, als gäbe es kein Morgen. Die Gewichtsverteilung ist mit 52:48 leicht kopflastig ausgelegt, was insbesondere bei nässe eine leichte Tendenz zum Untersteuern zu Tage treten lässt. Ansonsten bringt sich die schwere Limousine dank der präzisen, hydraulischen Lenkung herrlich in den Drift, der spontan ansprechende und gut dosierbare V8 hält die Querbeschleunigung mit Wonne aufrecht.
High Tech bis in den letzten Winkel
Ein Blick in den Innenraum offenbart denn auch, wo die 102.700 Euro Grundpreis hingeflossen sind. Zwar lässt die Aufpreisliste noch reichlich Spielraum nach oben, aber schon im Serientrimm tauchen Fahrer und Passagiere in ein Meer aus Leder und Luxus. Dazu kommt eine Verarbeitungsqualität, die in dieser Klasse Maßstäbe setzt. Selbst an die Lüftungsdüsen meint man, mit dem Brecheisen herangehen zu können. Zudem herrscht im Innern eine Ruhe, die gleichermaßen beruhigt wie verblüfft. Trotz der 295er Schlappen federt der M5 bei Komfort-Einstellung feinfühlig, die Sitze passen wie angegossen. Neben der High-End-Soundanlage, iDrive mit riesigem Display und sämtlichen nur erdenklichen Assistenzsystemen wartet der M5 erstmalig auch mit einem vollfarbigen Head-up-Display auf. Das klingt zunächst nach Schnickschnack, man will es aber schon nach den ersten Kilometern nicht mehr missen.
Eigentlich kauft man zwei Autos
Es ist immer wieder verblüffend, wie der M5 den Spagat zwischen Komfortgleiter und brachialer Rennmaschine schafft. Auf Knopfdruck wird aus dem böse fauchenden Kurvenräuber ein hochmotorisierter 5er, der beispielsweise dem 550i in kaum einer Disziplin nachsteht. Gespannt dürfen wir sein, ob die Münchener den M5 auch als Touring auflegen.
Alles hat seinen Preis
102.700 Euro Einstiegspreis sind ein Wort. Andererseits bietet kaum ein Auto dieser Liga einen solchen Gegenwert. Und betrachtet man die Tatsache, dass man eigentlich zwei Autos erhält, erscheint die Rechnung erneut in einem anderen Licht. Hinzu kommen natürlich noch die Kosten für die Kfz-Versicherung und für die Kfz-Steuer, die sich ebenfalls auf hohem Niveau bewegen (hier können Sie vergleichen). Dafür war ein M5 noch nie sparsamrer als der aktuelle. Wer das Gaspedal allenfalls streichelt, kommt tatsächlich auf Durchschnittswerte unterhalb der zehn Liter auf 100 Kilometer, auch Langstrecken lassen sich mit überraschend kleinem Durst bewältigen.
Fazit
Näher an der Perfektion war ein BMW M5 noch nie. Der Zehnzylinder mit seinem metallischen Fauchen mag Kennern fehlen, im Vergleich zu diesem wirkt der aufgeladene V8 ein wenig emotionslos. Dafür beherrscht er aber das das sonore Blubbern wie kaum ein anderer und spricht auf Gasbefehle an, als besäße er keinen Turbolader. Die Insassen wiegen sich entweder in totaler Ruhe und Entspanntheit oder werden in Bestzeit über den Nürburgring gebeamt – ohne sich dabei jemals unsicher zu fühlen. Zweifelsfrei in kleiner Quantensprung, der BMW hier gelungen ist. (autaro)
(Fotos: BMW)

Breitere Lufteinlässe

… und ausladende Seitenschweller

… verschärfen die Optik ebenso wie die serienmäßigen 295er Pneus.

Der V8 bellt aus einer vierflutigen Auspuffanlage.

Die Silhouette ist gespannt.

Innen ein Meer aus Leder und Luxus.

Fahrerorientierter Arbeitsplatz

… mit perfekt ablesbaren Armaturen.

Das Gestühl gehört zum Besten

… was derzeit am Markt verfügbar ist.
