
(Foto: Seat)
München, den 16. April 2011 (autaro) Mit der neuen Version des Seat Alhambra hat sich für den Van einiges geändert. Er ist größer geworden, verfügt nun über seitliche Schiebetüren und sieht – das hat sich also nicht geändert – seinem technischen Bruder VW Sharan zum Verwechseln ähnlich. Zumindest aus der Ferne. Bei genauerem Hinschauen erkennt man den Familien-Laster durchaus als Seat, allerdings ist er weniger emotional gezeichnet als beispielsweise ein Seat Ibiza oder Leon. Funktionalität und Raumangebot stehen offensichtlich im Vordergrund.
Wahre Größe
Dass da einiges reingeht, erahnt man schon anhand der äußeren Dimensionen. Im Vergleich zum Vorgänger legte der Alhambra 22 Zentimeter in der Länge zu und misst nun stolze 4,85 Meter von der hinteren bis zur vorderen Stoßstange. Auch in der Breite legte der potentielle Siebensitzer zu und kommt nun auf knapp über 1,90 Meter, dafür ist er mit 1,72 Metern ein kleines Bisschen flacher als der Alte. Hinzu kommt ein Radstand von 2,92 Metern, der das Vehikel von der Seite betrachtet nicht nur schlank und gestreckt wirken lässt, sondern ebenfalls zum üppigen Platzangebot beträgt. Bis zu sieben Sitze finden im Alhambra Platz, daneben Ladegut mit einem Volumen von 809 bis 2430 Liter (Fünfsitzer) oder 267 bis 2297 Litern (wenn eine dritte Sitzreihe montiert ist). Die hinteren Sitzreihen lassen sich außerdem problemlos umklappen und geben dann einen ebenen, einfach zu beladenen Frachtraum frei. Doch ebenso wichtig, wie die Fakten und Zahlen des Gepäck- und Passagierabteils sind die Reisequalitäten. Und hier hat der Seat im Vergleich zum Vorgänger mit am deutlichsten gewonnen. Während Fahrer und Beifahrer ohnehin platztechnisch im Überfluss schwelgen und auf Sesseln im Oberklasse-Format reisen, fühlen sich nun auch Erwachsene in reihe zwei oder selbst in Reihe drei adäquat untergebracht. Auch die Schenkelauflage ist nun ausreichend dimensioniert und die Sitze bieten in alle Lebenslagen ordentlichen Seitenhalt und ermöglichen auch auf langen Strecken ermüdungsarmes Reisen.
Breite Motorenpalette
Ein Blick in Motorenpalette zeigt, dass das Wesentlich abgedeckt ist. Seit dem Marktstart im Oktober des vergangenen Jahres wird der Alhambra mit zwei Benzinern und zwei Dieselvarianten ausgeliefert, die kaum den Wunsch nach Mehr aufkommen lassen. Zwei 1,4-Liter-TSI-Motoren vertreten die Otto-Fraktion, einer mit 150 und einer 200 PS. Der Zweiliter-Diesel ist mit 140 oder 170 PS lieferbar, sämtliche Motoren lassen sich auch mit einem Doppelkupplungsgetriebe (DSG) ausrüsten, während sie serienmäßig mit einer sechsstufigen manuellen Schaltbox daherkommen. Kleine Einschränkung: der 200-PS-Benziner kommt immer mit diem siebenstufigen DSG aus der Werkshalle. Wahre Sparmeister sind dabei die beiden Common-Rail-Diesel, für die 140 PS starke Variante gibt Seat einen Durchschnittsverbrauch von 5,5 Litern Diesel pro 100 Kilometer an. Mit dafür verantwortlich ist die Tatsache, dass die Selbstzünder grundsätzlich als sogenannte Ecomotive-Variante ausgeliefert werden, in der eine Start-Stopp-Automatik und ein Rekuperationssystem für frei werdende Bremsenergie mit an Bord sind. Die Frage nach dem entfallenen Sechszylinder oder ähnlichen Kapriziosen kommt eigentlich nicht mehr auf. Für den Sommer wird allerdings eine Allradversion erwartet, die Seat bereits auf dem Genfer Autosalon vorgestellt hatte.
Verarbeitungsqualität ohne Tadel
Dass zwischen Seat und Volkswagen bei dieser Modellvariante keine Unterschiede gemacht werden, merkt man bereits beim Einsteigen. Die Türen fallen mit einem satten „Plopp“ ins Schloss, der Haut schmeicheln softe Oberflächen und angenehme Materialien. Dazu kommt eine Verarbeitungsqualität, die tatsächlich über jeden Zweifel erhaben ist, selbst auf übelsten Buckelpisten knistert, knarzt oder klappert nichts. Die Bedienung wirft keine Fragen auf und für die Fahrt ohne nervendes Kindergeschrei schlucken zahlreiche Staufächer Spielzeug und Krimskrams aller Art.
Lange Aufpreisliste
So ein Seat kann allerdings auch ganz schön teuer werden. Der Einstiegspreis liegt zwar fast in Schnäppchen-Dimensionen, dafür bietet die Liste der Sonderausstattung aber auch so ziemlich alles, was dem Fahrer lieb ist. Angefangenen bei verschiedenen Entertainment- und Navigationssystemen über die Rückfahrkamera bis hin zur Mehrzonen-Klimaautomatik, integrierten Kindersitzen und automatisch öffnenden und schließenden Schiebe- und Kofferraumportalen. Letztere sind übrigens in der aufwendigeren „Style“-Version der beiden Ausstattungslinien schon inklusive. Daneben gibt es ein Sportpaket, das unter anderem ein riesiges, elektrisch zu öffnendes Glas-Panoramadach offeriert. Vergeblich sucht man dagegen in der Aufpreisliste das adaptive Fahrwerk, mit dem der VW Sharan schon auf zahlreichen Testfahrten gefallen hat.
Top-Diesel mit Dampf in allen Lebenslagen
Der von uns getestete Top-Diesel mit 170 PS Leistung wuchtet 350 Newtonmeter maximales Drehmoment auf die Vorderachse. Geschaltet wird über ein sechsstufiges Doppelkupplungsgetriebe, das praktisch zugunterbrechungsfrei arbeitet und einen Durchschnittsverbrauch von 5,9 Litern pro 100 Kilometer ermöglicht. Dafür sind eine Beschleunigung von Null auf Tempo 100 in 9,8 Sekunden möglich und eine Höchstgeschwindigkeit von immerhin 204 Sachen. Die Kombination aus DSG und bärenstarkem Selbstzünder gefällt in jeder Situation. Besonders auf Landstraßen und auf zügig gefahrenen Autobahnetappen spielt der Diesel seine Stärken aus, hat in jeder Lebenslage ausreichend Bums und hält auch jenseits der 180 km/h spielend mit. Das DSG macht seine Sache unauffällig und deutlich geschmeidiger als die ersten Generationen und der Common-Rail-Diesel läuft angenehm leise. Nur ein leichtes Brummen lässt sich aus dem Hintergrund vernehmen, das auf der Autobahn früh von den ebenfalls dezenten Wind- und Abrollgeräuschen übertönt wird. Das Fahrwerk lässt eine optionale Anpassung kaum vermissen, bügelt Unebenheiten zuverlässig glatt und bietet selbst bei hoher Zuladung noch ausreichend Reserven. Und flanscht Papi auf längeren Fahrten mal noch einen Anhänger hinten an, verfügt der Alhambra serienmäßig über eine automatische Gespannstabilisierung.
Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Der getestete Diesel mit DSG kostet in der Einstiegsvariante „Reference“, die das Wichtigste bereits beinhaltet, 33.300 Euro. Das klingt auf den ersten Blick nicht nach wenig, relativiert sich aber schnell wenn man den Gegenwert betrachtet. Ein vergleichbarer Sharan kostet mehr, bietet aber eigentlich das Gleiche. Außerdem ließen sich derart mühelos und stressfrei selten sieben Personen nebst Gepäck von A nach B transportieren. Hinzu kommt eine ordentliche Wertstabilität, eine faire Einstufung bei der Kfz-Versicherung (hier können Sie vergleichen) und ein wirklich guter Durchschnittsverbrauch. Auch die sinnvolle Kaskoversicherung schlägt nicht übermäßig zu Buche, bleibt allein abzuwarten, was sich die EU-Finanzminister hinsichtlich der Kfz-Steuer für Selbstzünder einfallen lassen.
Fazit
Mehr Auto braucht eigentlich keine Familie. Bereits der 150 PS starke TSI für 27.800 Euro sollte in den meisten Fällen genügen, für die hier aufgerufenen 33.300 Euro bekommt man aber einen echten Premium-Laster, der selbständig schaltet und dem Fahrer jeden nur erdenklichen Stress vom Hals hält. Derart gerüstet, wünschen wir dem Seat Alhambra einen langen Modellzyklus. (autaro)