München, den 06. März 2011 (autaro) Seit sich Volkswagen mit Stufenhecklimousinen auf dem deutschen Markt versucht, gelten diese als angestaubt, piefig, und eigentlich Rentnern vorbehalten. Insbesondere der kleine Jetta, der zwischenzeitlich auch einmal Namen wie Vento trug, wollte als Stufenheck nur bei der Rentner-Klientel landen, die jüngeren Generationen griffen meist zum Golf. Das soll sich nun ändern, ähnlich wie die Limousine des großen Passat soll auch der neue Jetta mit schnittigem Design und dynamischer Abstimmung im Lager der Nicht-Rentner fischen gehen.
Die Optik stimmt
Auf den ersten Blick schon kann man dem Neuen gute Chancen einräumen. Konsequent folgt seine Design-Sprache der aktuellen VW-Linie, mit klaren Formen und deutlichen Kanten. Das Heck wirkt nicht mehr, als habe man es wie einen Pappkarton an einen Golf geflanscht, der Jetta wirkt eigenständig und wie aus einem Guss. Zum Thema Eigenständigkeit, in Abgrenzung zum Genspender Golf: der Jetta hat einen um 7,3 Zentimeter längeren Radstand und misst in der Länge insgesamt neun Zentimeter mehr. Damit sieht Volkswagen ihn schon in den Revieren von Mercedes C-Klasse und BMW 3er wildern – möglicherweise wird er aber auch hauseigenen Fabrikaten wie Audi A4 oder gar VW Passat Konkurrenz machen. Denn mit einem Einstiegspreis von 20.900 Euro ist er deutlich günstiger, bietet aber nun beinah ebensoviel Platz wie ein Passat.
Straffes Fahrwerk
Wie ernst es Volkswagen mit dem juvenilen Image des Jetta meint, zeigt sich auch in der Abstimmung des Fahrwerks. Der Jetta geht straff über Unebenheiten, meldet sie jedoch weiter. Insbesondere, wenn er mit aufpreispflichtigen 17-Zoll-Felgen geordert wird, könnte ihm ein wenig mehr Komfort nicht schaden. Zumal er nicht, wie beispielsweise der Golf, mit adaptivem Fahrwerk geordert werden kann. Schließlich wollen es sich die Wolfsburger auch nicht mit der angestammten Jetta-Fahrerschaft verscherzen, die nun einmal traditionell im Lager Wählerschaft der Grauen Panther zu suchen ist. Vorzüge hat diese Art der Abstimmung allerdings auch. Noch nie ging eine Limousine aus dem Hause Volkswagen derart leichtfüßig und behände um die Ecken, vermittelte ein solch sportliches Fahrgefühl. Prinzipiell ähnlich wie der Golf, ohne dass dabei das höhere Gewicht oder die üppigeren Außenmaße spürbar wären.
Innen, wie erwartet, Premium
Das Innenleben des Jetta geriet, wie wir es von VW erwartet hatten, ausgesprochen hochwertig. Die Verarbeitungsqualität bewegt sich auf Audi-Niveau, hier klappert, knirscht oder knistert rein gar nichts. Zudem wirkt der Geruch der verwendeten Materialien ebenso hochwertig wie die Haptik der Oberflächen und Schalter. Allein Ledersitze vermögen diesen Qualitätseindruck nochmals zu steigern. Die erste Reihe ist ordentlich bestuhlt und bietet ausreichenden Komfort auch auf längeren Strecken. Eine ganze Nummer feiner geht es freilich mit den optionalen Sportsitzen zu, deren Aufpreis sich besonders für Vielfahrer rechnet. In der zweiten Reihe sollte ebenfalls Zufriedenheit bei den Passagieren herrschen, sie nehmen auf bequemen und gut ausgeformten Polstern Platz und haben reichlich Platz. Selbst Menschen mit einer Körpergröße jenseits der 190 Zentimeter haben im Jetta keine Probleme. Dazu kommt eine hervorragende Geräuschdämmung, die die Reisenden von allem lästigen wirkungsvoll abkoppelt. Sowohl das Motorgeräusch dringt kaum in den Fahrgastraum, wie auch Windgeräusche oder das Abrollen auf Asphalt dezent in den Hintergrund gedrängt werden konnte. Insbesondere im direkten Vergleich zum Golf rollt der Jetta leiser ab, was an der Abkopplung des Kofferraums liegt. Letzterer ist mit einem Ladevolumen von 510 Litern übrigens großzügig dimensioniert und lässt sich serienmäßig durch Umklappen der Sitzlehnen zusätzlich erweitern. Das Thema Serienausstattung muss von VW ebenfalls nicht mehr umschifft werden. Schon ab der schlichtesten Ausstattungslinie Trendline ist mit sechs Aribags, ABS, ESP, Klimaanlage und elektrischen Fensterhebern rundum das Basisrüstzeug mit an Bord.
Sportlich ausgerichtetes Cockpit
Im Gegensatz zum Golf, dem der Jetta prinzipiell stark ähnelt, ist das Cockpit nicht symmetrisch, sondern leicht dem Fahrer zugeneigt gestaltet. Das vermittelt ein leichtes BMW-Flair, fühlt sich im Alltag aber noch immer sehr nach Golf an. Was prinzipiell ja keine Schande ist. Details wie die modischen Röhren, in denen die Rundinstrumente des Golf stecken, haben sich die Designer am schlicht gestalteten Arbeitsplatz des Jetta verkniffen. Chefdesigner Walter De Silva fasst die Arbeit, die er und sein Team am neuen Jetta geleistet haben übrigens so zusammen: “Dieses Auto ist nicht spektakulär, aber es ist sehr wichtig für uns – und extrem gut gelungen.”
Sparsame Motoren
Der günstigste Jetta, mit dem bereits genannten Einstiegspreis von 20.990 Euro kommt mit einem 1,2-Liter-Benziner daher, der – das Kürzel TSI verrät es – seine vier Zylinder mittels Turbo beatmet und den Brennstoff direkt in die Brennkammern injiziert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, der kleine Motor geht kultiviert und mit Nachdruck zur Sache, die 105 PS Leistung reichen im Alltag völlig aus. Wer mehr Bums möchte, kann auch zu den stärkeren Benzinern greifen, oder eben zum sparsamen Diesel. Der kleinste Selbstzünder kostet allerdings schon einen Aufpreis von 2.175 Euro. Lohnenswert ist in jedem Fall die Investition in das sogenannte BlueMotion-Paket. Dieses liefert für einen Aufpreis von 400 Euro Leichtlaufreifen, ein Bremsenergie-Rückgewinnungs-System und eine Start-Stopp-Automatik und verhilft dem 1,2-Liter-TSI zu einem Durchschnittsverbrauch von 5,3 Litern Super pro 100 Kilometer (Werksangabe).
Billig ist etwas anderes
Bereits der Einstiegspreis von 20.900 zeigt, dass der Jetta kein Sonderangebot darstellen soll. Hinzu kommen reichlich Extras, die sich VW ebenfalls teuer bezahlen lässt. Dafür dürfte sich der Jetta als relativ wertstabil erweisen. Zudem erfährt er eine moderate Einstufung bei der Kfz-Versicherung, ebenso bei Voll- und Teilkasko (hier können Sie direkt vergleichen). Auch das Finanzamt stuft den Jetta bei der Kfz-Steuer dank des niedrigen Durchschnittsverbrauchs und dank kleiner Hubräume günstig ein.
Fazit
Der Jetta ist zu einer echten Passat-Alternative erwachsen, zumal er nicht allzu viel kleiner als dieser ausfällt. Zudem ist er eine eigenständige und überaus gefällig gezeichnete Stufenhecklimousine geworden, für die sich nicht mehr allein Rentner begeistern dürften. Preislich ist er weiß Gott kein Sonderangebot, die laufenden Kosten halten sich aber im Rahmen und die hohe Qualität rechtfertigt den hohen Anschaffungspreis. (autaro)