
München, den 09. September (autaro) Mit dem neuen Volvo V60, der ab November auch bei den deutschen Händlern stehen wird, kommt zweifelsfrei einer der schönsten Kombis dieses Jahres in den Handel. Dabei muss die Wahl der Bezeichnung „Kombi“ freilich wohl überlegt werden, denn der V60 zeichnet sich dank der coupé-artigen Linie keineswegs durch einen hohen Nutzwert aus. Waren Volvo aus Schweden noch eckig, voluminös und schlicht praktisch, wollen Volvo aus China eben durch eine filigrane Formgebung gefallen. Das kostet Stauraum: 460 Liter sind es im Normalzustand, bei umgelegten Rücksitzen und zusätzlich umgeklappter Beifahrersitz-Lehne sind es bis zu 1.241 Liter. Damit lassen sich natürlich ein paar Golftaschen transportieren, der Grünschnitt kommt auch noch wohlbehalten zur städtischen Deponie. Viel mehr geht dann aber nicht, selbst ein Skoda Fabia Kombi fasst auf Anhieb deutlich mehr. Zu beachten ist außerdem, dass die Fächer unterhalb des eigentlichen Laderaumbodens in die Berechnung des Gesamtvolumens mit einfließen. Positiv hingegen ist zu bewerten, dass nach dem Umklappen der Rücksitze eine tatsächlich ebene Fläche entsteht und dass sich die Rückbank geteilt umlegen lässt, im Verhältnis 40:20:40.
Ein Interieur für Ästheten
Die gleiche Finesse, mit der die Designer an die äußere Form des V60 gingen, spiegelt sich auch innen wieder. Hier fühlen sich Ästheten auf Anhieb wohl, insbesondere solche, die sich zu Hause von Bang & Olufsen beschallen lassen und ihre Möbel bei Cassina bestellen. Typisch für Volvo ist die freistehende Mittelkonsole sowie die beiden Rundinstrumente im Armaturenbrett. Darüber hinaus stehen verschiedene edle Materialien zur Auswahl, mit denen sich der 60er verschönern lässt. Besonders unverwechselbar wird dieser Volvo mit den feinen Palisander-Applikationen, die besonders gut mit matt gebürstetem Aluminium harmonieren. Die Verarbeitungsqualität bewegt sich nicht ganz auf Augenhöhe mit der deutschen Konkurrenz, verglichen mit einem Audi oder BMW ist das letzte Finish nicht ganz perfekt. Aber es knirscht und knistert nichts und die Oberflächen sind schon von einer ausgesuchten Qualität. Gut gelungen ist auch die Unterbringung des zentralen Displays, das sich praktisch bei jeden Stand der Sonne gut ablesen lässt, ohne zu reflektieren. Das gilt in den meisten Fällen auch für die optionalen Bildschirme in den Rückseiten der vorderen Kopfstützen, auf denen die mitfahrenden Kinder ihren Lieblingsfilm verfolgen können.
Straffes Fahrwerk
Dass Volvo insbesondere BMW als Vorbild und im Visier hat, ist kein Geheimnis. So verwundert es auch kaum, dass das Fahrwerk des Schwedenkombis ausgesprochen straff ausgelegt wurde. Gerade im Vergleich zur Limousine, die über Querfugen und Kanaldeckel deutlich geschmeidiger hinwegrollt, verhält sich der V60 etwas steifbeiniger. Das liegt daran, dass die Ingenieure größere Stabilisatoren und stärkere Federn an der Hinterachse verbrauten. Ungehobelt gibt sich der V60 dennoch nicht und im Vergleich zum Vorgänger konnten die lauten Abrollgeräusche reduziert werden. Zum echten Sportler wird dieser Volvo dadurch dennoch nicht. Das bemerkt der Fahrer schon beim ersten Platznehmen hinter dem recht großen Volant. Die Sitzposition ist vergleichsweise hoch, letztlich ist das Leitmotiv bei Volvo eben immer noch die Sicherheit.
Leidlich sportliches Fahrverhalten
Sitzt man hinter dem griffigen Multifunktionslenkrad und hat man die optimale Sitzposition gefunden (was mit beinahe jeder Körpergröße funktioniert), kann es losgehen. Im Vergleich zum Vorgänger V50 stellt sich auch umgehend ein gewisses Gefühl der Sportivität ein. Ganz überzeugen kann der V60 dennoch nicht, zu wenig direkt ist gerade bei niedrigen Tempi die Lenkung und zu synthetisch der Fahrbahnkontakt. Immerhin lässt sich das serienmäßige Sechsganggetriebe gut bedienen und die Bremsen reagieren feinfühlig und wohldosierbar. Ein wenig an Biss fehlt es auch dem von uns getesteten Diesel. Der D3 ist eine kurzhubige Version des größeren D5. Letzterer verfügt über 2,4 Liter Hubraum und Registeraufladung und leistet dank dieser 205 PS. Der kleinere Zweiliter leistet nur 163 PS, bietet aber mit 400 Newtonmeter nahezu das gleiche maximale Drehmoment wie der Große (420 Newtonmeter). Zwar hat der D3 keine Schwierigkeiten, den 1688 kg schweren Wagen adäquat zu beschleunigen. Wirklich sportlich sind die Fahrleistungen hingegen nicht, für den Sprint von Null auf Tempo 100 vergehen 9,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 220 Sachen. Fällt die Wahl auf die optionale Sechsgangautomatik, müssen hiervon nochmals fünf Sekunden abgezogen werden.
Länge läuft
Insgesamt ist der Kombi mit einer Länge von 4628 Millimetern und einem Radstand von 2776 Millimetern gewachsen. Besonders der längere Radstand kommt dabei dem Fahrverhalten zugute, auf der Autobahn wie auf Landstraßen fährt sich der V60 überraschend komfortabel. Hierzu trägt auch das angenehm sonore und brabbelnde Laufgeräusch des Fünfzylinders bei, auch wenn bei einem Haubraum von zwei Litern mit nur vier Zylindern gut auszukommen wäre. Damit eignet sich der D3 besonders gut als Reisewagen, zumal der Durchschnittsverbrauch des nach Abgasnorm Euro 5 eingestuften Diesels ähnlich niedrig liegen dürfte, wie der der Limousine S60 D3 (5,2 Liter auf 100 Kilometer). Sicher die nach ECE-Norm ermittelten Werte sind auch bei Volvo für die Tonne. In der Praxis kommt man aber mit einer schweren Sechs oder einer leichten Sieben vor dem Komma ganz gut zurecht. Da die ECE-Norm aber maßgeblich für die Einstufung der deutschen Kfz-Steuer ist und sich daraus eine CO2-Emission von 137 Gramm pro Kilometer ergibt (Limousine), fällt die Einstufung recht gering aus. Dazu macht dich die Eigenheit vieler Volvo-Fahrer, nämlich umsichtig und vorausschauend zu fahren, in der Einstufung bei den Versicherern bemerkbar (hier geht’s zum Tarifcheck). Bei den laufenden Kosten hält sich der Volvo V60 D3 also vornehm zurück, lediglich der relativ hohe Wertverlust in den ersten drei Jahren schlägt sich im Vergleich zur deutschen Konkurrenz negativ nieder.
Sicherheit steht ganz oben links
Auch Volvo lockt Sicherheitsfreaks mittlerweile mit jeder Menge High Tech. So kommt zu der üblichen Schar von Airbags, zum ESP und den anderen Assistenzsystemen (Totwinkel-Assistent, Spurhalte-System usw.) das sogenannte City Safety mit optionaler Fußgänger-Erkennung hinzu. Droht ein Zusammenstoß mit einem Fußgänger oder einem sonstigen größeren Objekt, bremst der Volvo automatisch um bis zu 35 km/h also auch bis zum Stillstand ab und hilft so, schlimmeres zu verhindern.
Kein Sonderangebot
Mit 28.000 Euro steht der günstigste V60 in der Liste, der von uns gefahrene, kleine Diesel kostet bereits 32.650 Euro. Damit ist der Volvo kein Sonderangebot, auch nicht im Vergleich zur noch teureren deutschen Konkurrenz. Ob es europäische Käufer abschrecken wird, dass das Geld für einen Volvo fortan im Reich der Mitte versickert, bleibt abzuwarten. China hat sich jedenfalls durch seine aggressive Spionage-Politik und den unverhohlenen Klau westlichen Know-hows in unseren Breiten keine Freunde gemacht. (autaro)






















































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