
(Fotos: Infiniti)
München, den 16. Mai 2011 (autaro) Knapp drei Jahre nach dem Marktstart in Europa sind Autos der japanischen Edelmarke Infiniti auch auf deutschen Straßen noch echte Raritäten. In den USA, wo japanische Fabrikate ein wesentlich höheres Prestige besitzen, ist das anders. Dort rangiert die Tochtermarke von Nissan in der Zulassungsstatistik selbst vor so mancher deutschen Premium-Marke – hierzulande undenkbar. Dabei könnten die feinen Gefährte von Infiniti schnell zur Konkurrenz werden, insbesondere im Segment der gehobenen Mittelklasse. Denn gerade hier haben die Deutschen bislang kein Modell mit Hybridantrieb im Portfolio.
Hybrid ohne Verzicht
Ab sofort kann der Infiniti M35h bestellt werden, ab September beginnt dann die Auslieferung. Dabei versteht sich die große Limousine weniger als puristisches Sparmobil, sondern vielmehr als kraftvolle Business-Limousine, die obendrein auch noch sparsam mit dem teuren Benzin umgeht. Eine Systemleistung von 364 PS und ein maximales Drehmoment von rund 500 Newtonmetern über fast das ganze Drehzahlband lassen denn auch ahnen, dass das Doppelherz kaum Mühe hat, die beinah 1,8 Tonnen schwere Limousine adäquat zu bewegen. Dabei leistet der 3,5-Liter-Sechszylinder bereits von Haus aus stramme 306 PS. Zusätzlich gesellen sich noch einmal 68 elektrische Pferdchen, womit der M35h laut Infiniti über den stärksten Elektromotor im Hybrid-Segment verfügt. Die Fahrleistungen beeindrucken auf den ersten Blick: in nur 5,5 Sekunden schießen die beiden Motoren die Fünfmeter-Yacht auf Tempo 100 und erst bei 250 Sachen greift der elektronische Geschwindigkeitswächter ein. Dazu kommt, dass auch Zwischenspurts, beispielsweise zum Überholen auf Landstraßen, dank des wuchtigen Drehmoments nie ein Thema sind.
Der rein elektrische Modus reicht kaum aus
Solche Zwischenspurts gehören zur Paradedisziplin des Japaners, hier funktioniert die Technik einwandfrei. Wer vorsichtig mit dem Gaspedal umgeht, fährt häufig mit abgekoppeltem und ausgeschaltetem Benziner, die Ingenieure sprechen dann vom sogenannten Segeln. Und wer segelt, spart Sprit. Das alles harmoniert bestens mit dem siebenstufigen Automatikgetriebe, das bisweilen zwar ein wenig träge agiert, ansonsten aber eigentlich immer die passende Fahrstufe parat hält und weich schaltet. Wer auf der Landstraße wissen möchte, welcher der beiden Motoren denn nun den Hauptteil der Arbeit verrichtet, muss schon einen Blick auf das digitale Energie-Diagramm werfen. Der Sechszylinder läuft derart seidig und ist von Karosserie so effektiv abgekapselt, dass man von ihm eigentlich nichts bitbekommt. Die Schattenseit zeigt sich allerdings im Stadtverkehr. Hier haben selbst die 68 PS des Stromers zuviel Mühe, die 1,8 Tonnen in Fahrt zu bringen. Zwar soll die rein elektrische Fahrt selbst bis zu einem Tempo von 100 km/h und bis zu zwei Kilometer weit funktionieren, doch schaltet sich in den meisten Beschleunigungs-Szenarien sofort der Benziner zu. Nur wer das Gaspedal beim Anfahren allenfalls anstupst, kann sich rein durch E-Energie fortbewegen und das auch kaum mit annehmbarer Geschwindigkeit. Immerhin: wer fleißig übt, der kann. Und der Showeffekt auf deutschen Straßen beim lautlosen davon Surren ist immer noch verblüffend.

Ein Soundgenerator warnt Fußgänger
Lautlos? Das denken vielleicht die Insassen, bei geschlossenen Fenstern. Wer sich außerhalb des Infiniti befindet, wird bis zu einer Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern von einem Soundgenerator gewarnt. Insbesondere Sehbehinderte sollen so vor Unfällen geschützt werden. Da sich die europäischen Verkehrsminister bereits auf bestimmte Richtlinien für die Betriebssicherheit von Elektro- und Hybridfahrzeugen geeinigt haben, könnte es hier allerdings noch Modifikationen geben. Bislang imitiert der Generator den Klang einer Rakete bzw. piepst beim Rückwärtsfahren wie eine Müllabfuhr. 
Feines Interieur
Im Innenraum haben sich die Designer sichtlich Mühe gegeben. Handschuhweiches Leder schmeichelt der Haut, glänzendes Wurzelholz den Augen. Zudem ist alles penibel verarbeitet, die vielen Tasten reagieren auf Druck mit einer satten Haptik, die Ergonomie geht nach ein wenig Eingewöhnungszeit auch in Ordnung. Außerdem ist schon in der Serienausstattung das meiste Enthalten, was dem Kunden lieb und in vielen anderen Fällen teuer ist. Vom belüfteten Gestühl in der ersten Reihe über das große Navigationssystem bis zu Premium-Soundanlage und zur zugfrei operierenden Klimaautomatik, alles ist mit an Bord. Auch in der zweiten Reihe sitzt es sich überaus kommod, wobei die Kopffreiheit dank der geschwungenen Dachlinie für Großgewachsene ein wenig Beklemmung mit sich bringt.
Hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis
Dass all die feinen Zutaten bereits serienmäßig mit an Bord sind, relativiert den Einstiegspreis von 56.600 Euro noch einmal deutlich. Denn bereits dieser liegt weit unterhalb der 60.000-Euro-Marke, die in dieser Fahrzeug-Kategorie bei vergleichbarer Ausstattung eigentlich grundsätzlich geknackt wird. Jedenfalls von der deutschen Konkurrenz und das auch ohne Hybridantrieb. Und man bedenke: der Infiniti hat als erster Vollhybride bereits eine 1,4 kWh große Lithium-Ionen-Batterie im Kofferraum, die kompakter und leichter baut, als die bisher verfügbaren Systeme der Konkurrenz. Den Durchschnittsverbrauch, den Infiniti mit exakt sieben Litern Benzin auf 100 Kilometer angibt, erreicht man in der Praxis freilich nur bei extrem schonender Fahrweise. Doch auch hier gilt: er ist möglich. Zum geringen Anschaffungspreis gesellen sich also auch durchaus vertretbare Kraftstoff-Kosten und dank der geringen CO2-Emissionen fällt die Kfz-Steuer erfreulich gering aus. Bleibt abzuwarten, was der Infiniti bei der Kfz-Versicherung berappen muss, ebenso wie die Kasko-Versicherung die Business-Limousine aus Fernost einstufen wird. Dagegen steht ein hoher zu erwartender Wertverlust, den sowohl private Käufer wie auch Flottenmanager einkalkulieren sollten.
Fazit
Mit dem M35h hat Infiniti ein überzeugendes Angebot geschnürt. Elegantes Design, Platz im Überfluss, überzeugender Komfort und ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis sollten die Businiess-Limousine eigentlich auch in Deutschland zu einem Kassenschlager machen. Zumal die etablierte Konkurrenz aus Stuttgart, Ingolstadt oder München noch gar keine Alternative im Programm hat. In dieser Klasse ist allerdings auch Prestige gefragt und hier haben die Japaner noch eindeutig das Nachsehen. Wer beispielsweise nach Lexus, der Edeltochter von Toyota fragt, wird am einen oder anderen deutschen Stammtisch noch auf Reaktionen stoßen. Aber Infiniti? Vielleicht in ein paar Jahren. Wenn das so weitergeht, eigentlich sogar mit Sicherheit. (autaro)





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