
(Fotos: Mini)
München, den 05. September 2011 (autaro) Hätte Sir Alec Issigonis, der Erfinder und Konstrukteur des legendären Mini, gewusst, wo die Reise einmal hingeht? Jedenfalls hätte er sich gefreut, da kann man sich eigentlich sicher sein. Denn aus dem revolutionären Fahrzeugkonzept, das zwischen 1959 und 2000 vier Personen auf engstem Raum Platz bot, ist mittlerweile eine Lifestyle-Marke geworden, die ihresgleichen sucht. Unter der Führung von BMW sind nach und nach Modellvarianten entstanden, die mit dem Ur-Mini allenfalls noch das knuffige Design und die radikale Straßenlage gemein haben. Vom Countryman über den Clubman bis hin zum Cabriolet. Und nun kommt ab Oktober auch noch das Coupé, aus dem im Frühjahr 2012 durch Verlust des Dachs schließlich auch noch ein Roadster wird.
Einzigartiges Design
Ein vergleichbar gestaltetes Auto findet man derzeit nicht auf dem Markt. Die Marketingstrategen sprechen von „Drei-Box-Design mit markant abgesetztem Gepäckraum“ und von einem „ausdrucksstark gestalteten Helmdach“. Insgesamt wirkt das Coupé schon optisch wie eine Fahrmaschine, der flachen Silhouette sei Dank. Auf eine hintere Sitzbank in Form zweier Notsitze wurde bewusst verzichtet, stattdessen haben Fahrer und Beifahrer durch eine weit nach oben schwingende Heckklappe Zugriff auf immerhin 280 Liter Kofferraumvolumen. Außerdem In der Länge misst der Zweisitzer 3,73 Meter, das Mini Cooper Coupé ist wenige Millimeter kürzer. Bei einer Breite von 1,68 Meter und einer Höhe von 1,38 Meter wird klar, wie viel Wert die Ingenieure auf eine ausgewogene Gewichtsverteilung und das damit verbundene Handling gelegt haben. Denn die Flächenmaße entsprechen im Wesentlichen denen des Mini, allerdings ist das Mini Coupé deutlich flacher. Optisch nochmals unterstützt werden die Proportionen durch ein serienmäßig farblich abgesetztes Dach.
Innen echtes Cockpit-Ambiente
Wer sich bislang über den Begriff „Cockpit“ keine Gedanken machte, könnte im Mini Coupé schlagartig eine Etymologie empfinden. Zwar wird die „Hahnengrube“, die sinngemäß wohl besser mit Kampfplatz oder Arbeitsplatz übersetzt wird, nicht als unangenehm empfunden. Im Gegenteil, Sportwagenfans schlägt das Herz unwillkürlich höher. Im Vergleich zum herkömmlichen Mini sitzt man unter dem Helmdach aber tatsächlich wie unter einem Helm. Zwar ist die Sicht nach vorn und vorn oben – beispielsweise beim Blick auf die Ampel – besser als erwartet und echten Platzmangel muss keiner der beiden Insassen leiden. Das Mini Coupé sitzt aber eher wie ein enger Neoprenanzug, der ausgebeulte und gemütliche Jogginganzug fühlt sich anders an.
Tadelloser Qualitätseindruck
Die verwendeten Materialien hinterlassen das typische, zwiespältige Gefühl, das einen nach dem Einsteigen in jeden Mini beschleicht. Die Oberflächen setzen sich von den in dieser Klasse mittlerweile üblichen Softtouch-Materialien ab, ein VW Scirocco wirkt hier erwachsener. Irgendwie kann man die beiden aber auch nicht vergleichen, der Mini kommt mit glänzenden Oberflächen und verspielten Schaltern sowie einer komplett anderen Anordnung der Instrumente und Bedienelemente daher. Und an der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen, alles wirkt sorgfältig montiert, nichts klappert oder knistert. Nach anfänglicher Gewöhnung gibt auch die Bedienung keine Rätsel mehr auf, alles ist logisch platziert und bereitet irgendwie Freude. Selbst der riesige, mittig platzierte Tacho rückt irgendwann in den Hintergrund, die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit erlebt man im Mini, ohne sie abzulesen.
Auto oder Gokart?
Es ist dieses Kart-ähnliche Fahrgefühl, das einen Mini seit Bestehen so außergewöhnlich macht. In dieser Klasse wetzt keiner so behände um Kurven und enge Kehren und ermöglicht Manöver, bei denen anderen längst den Abflug in die Botanik genommen hätten. Die Kombination aus McPherson-Federbeine an der Vorderachse und Multilenker-Hinterachse macht ihre Sache verdammt gut, dazu kommen die hervorragend dosierbaren und fest zupackenden Bremsen und eine feinfühlige, elektromechanische Servolenkung. Wer es nochmals radikaler mag, bekommt auf Wunsch ein Sportfahrwerk mit strafferer Kennlinie und stärkeren Stabilisatoren und für Freunde des Rennsports offeriert Mini schließlich das MINI John Cooper Works Coupé. Den Rennsportcharakter dürfte man sich allerdings im letzten Fall auch durch eine gehörige Portion Härte erkaufen, zumindest kennen wir das so von den bisherigen Modellen. Erstmals kommt beim Mini Coupé ein automatischer Heckspoiler zum Einsatz, der bei Geschwindigkeiten ab 80 km/h automatisch aus dem Heckdeckel fährt. Neben einer optimierten Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse sorgt dieser bei Höchstgeschwindigkeit für einen Abtrieb in der Größenordnung von 40 Kilogramm, verspricht Mini. Die Gassen des serienmäßigen Sechsganggetriebes sind kurz und präzis, das Schalten ist im Mini die reinste Freude. Und wer doch lieber schalten lässt, für den halten die Engländer eine sechsstufige Automatik bereit.
Top-Motoren für das Coupé
Die Motorenpalette für den Zweisitzer umfassen die stärkeren Aggregate aus dem Mini-Portfolio, die Brot-und-Butter-Maschinen wie beispielsweise die des Mini One sind nicht lieferbar. Los geht es mit dem Mini Cooper Coupé mit 122 PS, dann kommt schon der Selbstzünder, bekannt aus dem Cooper SD. Dieser leistet 143 PS und lockt mit Minimalverbrauch. Stattliche 184 PS leistet das Mini Cooper S Coupé und der Topmotor mobilisiert schließlich ganze 211 Pferdchen. Insbesondere dieser, also das Mini Coupé John Cooper Works beeindruckt mit brachialer Kraftentfaltung und herrlichem Pfeifen, sobald der Turbolader genug Druck aufgebaut hat. Dass die Kraft dabei aus nur 1,6 Liter Hubraum kommt, möchte man angesichts des Durchzugsvermögens auch im unteren Drehzahlbereich kaum glauben. Dabei macht der Vierzylinder süchtig, bollert bei Lastwechseln herrlich aus dem Auspuff und dreht mit einer Freude hoch, die man sonst nur von Modellen der Konzernmutter BMW kennt.
Umfangreiche Ausstattung
Schon die Serienausstattung umfasst im Mini Coupé das Wesentliche. Von der geschwindigkeitsabhängigen Servolenkung bis zur wirklich sinnvollen Park Distance Control ist alles ohne Aufpreis mit an Bord, außerdem ein Audiosystem mit MP3-fährigem CD-Player und AUX-In-Anschluss – die Generation iPod kann also bequem ihre Flash-Speicher anschließen. Gegen Aufpreis sind außerdem Zutaten wie das Navigationssystem oder adaptive Xenon-Scheinwerfer erhältlich, ganz zu schweigen von den nicht enden wollenden Kombinationsmöglichkeiten an Außen- und Innenfarben über unterschiedliche Renn-Streifen bis zu individuellen Spiegelkappen. Wer es darauf anlegt, bekommt einen nahezu einzigartigen Mini – das nötige Kleingeld vorausgesetzt.
Alles hat seinen Preis
Das Mini Cooper Coupé steht mit einem Einstiegspreis von 21.200 Euro in der Liste. Hinzu kommt eine nicht zu übersehende Einstufung bei der Kfz-Versicherung (hier können Sie vergleichen), die Kfz-Steuer wiederum fällt dank des kleinen Hubraums nicht allzu stark ins Gewicht. Hinzu kommt, dass der Mini dank serienmäßiger Start-Stopp-Automatik und Bremsenergie-Rückgewinnung mit durchschnittlich 5,4 Litern pro 100 Kilometer hinkommt, angesichts der Fahrleistungen und der Höchstgeschwindigkeit von 204 Sachen ein hervorragender Wert. Und schließlich ist kaum eine andere Marke derart wertstabil, wie der traditionsreiche, drittgrößte Hersteller Großbritanniens. Damit ist der Mini zwar alles andere als ein Schnäppchen. Sein Geld wert ist er aber allemal. (autaro)

Das Design signalisiert Sprintbereitschaft

Die Abmessungen sind typisch Mini

…ebenso die Front

…und das Heck

Auch innen dominiert die Mini-Designlinie

Die Sitze sind üppig dimensioniert und bieten perfekten Seitenhalt

Ein Dach wie ein Schutzhelm

Gut nutzbares Gepäckabteil mit Durchreiche

Ein Motor wie aus dem Bilderbuch