München, den 10. November (autaro) Schwierig für manche, für andere ganz leicht ist es, Schlagzeilen als Automobilproduzente zu machen. Die großen Haie kämpfen verzweifelt um jeden Blitz PR-Aufmerksamkeit, ganz unbekannte, kleine Garagen-Amateure schaffen es über Nacht, einen fabulosen Spazierganz durch die Titelseiten der führenden Medien zu machen. Und gleich etwas vorwegnehmen: im folgenden Artikel geht es um die jüngste Entwicklung von Alois Ruf. Alois Ruf ist kein Unbekannter – seit Jahren arbeitet er im Tuning-Bereich und spezialisiert in der Umwandlung von Porsches. Der Erfolg lässt sich bis jetzt sehen – die Ambitionen allerdings auch. Innerhalb von 12 Stunden war Ruf in aller Munde. Vor zehn Tagen kündigte die Firma an, dass sie mit dem Projekt ihres Elektro-Porsches fertig ist. Von der Süddeutschen und Stern bis Auto Bild berichteten alle von der Sensation. Den bemerkenswerten Charakter der neuen Entwicklung wollten wir genau austesten.
Ein Porsche mit Elektro-Triebwerk ist eine sehr mutige Herausforderung. Man denkt, dass ein Elektrotriebwerk, das imstande ist, die sportlichen Parameter zu erfüllen (Spitzengeschwindigkeit, Beschleunigung, Traktion usw.), nur von einem großen Unternehmen entwickelt werden kann. Dafür sind Investitionen in Millionenhöhe notwendig, Testtechnik, die sich kleinere Unternehmen einfach nicht leisten können. Und dann kommt Alois Ruf.
Das von ihm entwickelte Triebwerk hat seine absoluten Vorteile. Zum einen ist es sehr kompakt – die Dimensionen sind kaum größer als eine Wäschetrommel und das Gewicht ist mit 91 Kilogramm absolut akzeptabel. Die Kraft, die daraus kommt, ist erstmals … Ok. Vielleicht etwas mehr als nur Ok, aber viel ist es auch nicht drin. Umgerechnet entspricht die Leistung 205 PS und 650 Nm, das ist auch völlig Ok, doch fühlen sich diese Zahlen nicht so auf der Straße. Typisch für den Elektromotor ist es, dass er besser beschleunigen kann, als der Verbrennungsmotor. Das liegt einfach daran, dass das maximale Drehmoment bei der elektrischen Kraft noch beim Anschalten zur Verfügung steht. Katapult-Effekt gibt es bei dem elektro-Porsche allerdings nicht. Beschleunigt wird hier, gelassen und für einen Sportwagen etwas langatmig. Der Standardsprint von 0 auf 100 km/h klappt in durchschnittlichen 7 Sekunden. Zum Ausgleich müsste man allerdings wiederholen, dass man ein Elektromobil fährt. Und das ist nicht wenig und sogar eine Revolution – im Bereich des sportlichen Fahrens nicht, im Bereich der Umwelttechnik – mit Sicherheit.
Ein großes Problem bei der Entwicklung von E-Triebwerken sind Speicherkapazitäten für die elektrische Kraft. Im Ruf-Porsche stehen gleich fünf Lithium-Ionen-Batterien, die diese Aufgabe erfüllen sollen. Jede schleppt fast 6 Kg mit sich, woher auch wahrscheinlich das etwas beeindruckende Gesamtgewicht des Coupés kommt.
Ruf macht aber ausdrücklich klar, dass es sich bei diesem Modell um eine vorläufige Version des Endprodukts handelt. Für 2009 ist die offizielle Premiere geplant. Und das ist vielleicht auch unser größtes Anliegen – warum dann jetzt vorstellen? Andere Hersteller verstecken lieber solche „unreife“ Prototypen und schaffen den großen Boom mit einer grandiosen Premiere. Der Sinn, der hinter dieser ganzen PR-Aktion steckt, bleibt uns unklar. „Wir wollen die Reaktion der Öffentlichkeit testen“, war die Erklärung eines Pressesprechers, die uns allerdings nichts erklärt. Wie soll denn die Reaktion der Öffentlichkeit auf den ersten Elektro-Sportwagen der Welt sein?
Ruf möchte auf jeden Fall weiter an seinem E-Porsche arbeiten. Optimistisch klang er, wenn es um die Optimierung der Lithium-Ionen-Batterien ging: „Bereits heute steht eine modernere Batteriegeneration zur Verfügung, die bei 15 Prozent geringerem Gewicht rund 30 Prozent mehr Energie speichern kann.“ Die jetzige Reichweite der Speicher ist auch nicht schlecht – erst nach rund 300 Kilometern wollen sie wieder aufgeladen werden. Zum jetzigen Zeitpunkt ist ein Urteil über die Entwicklung einfach nicht möglich – in einem Jahr wird es hoffentlich anders aussehen. Die PR-Aktion ist allerdings gut gelungen.
(autaro)
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