München, den 28. April (autaro) Tuning ist heutzutage ein Begriff in der Automobilindustrie, der sich am dynamischsten und dramatischsten ändert. Vor zehn Jahren verband man damit vor allem die Vorstellung jagender Polizeiwagen oder schmutziger, dunkler und illegaler Werkstätten in kleinen verrauchten Garagen. Nur einige Jahre brauchten die großen Anbieter in diesem Segment, um sich endgültig von diesem unangenehmen Beigeschmack zu trennen. Getunt wird heute alles, von jedem und zwar auf einem sehr hohen technischen Niveau, von dem Automobil, Fahrer und unter anderem auch die Umwelt profitieren.
Wenn man die zwei wichtigsten Namen im Tuning-Geschäft in Deutschland nennen sollte, kommt man weder an der Veranstaltung Tuning-World Bodensee noch am edlen Anbieter Carlsson vorbei. Ausgerechnet Carlsson hat sehr viel für das positive Image des Auto-Aufmotzens beigetragen – mit geschmackvollen Änderungen am Design und immer legalen Maßnahmen am Motor brachte er die upgegradeten Karossen vor einigen Jahren ans Tageslicht. Deshalb widmen wir uns diese Woche einer der jüngsten Entwicklungen des namhaften Tuners.
Vor-/Nachteile
Als Basis der neuen Entwicklung dient die aktuelle C-Klasse. Von Carlsson darf man auch eigentlich nichts anderes erwarten, denn der Hersteller ist ausschließlich auf’s Aufmotzen der Stuttgarter Meisterwerke spezialisiert. Die Wahl des Herstellers ist keinesfalls bedeutungslos – die C-Klasse ist jedoch an sich kein absoluter Liebling und muss immer noch harte Kritik runterschlucken. Es gibt Bereiche, in denen kein Tuning helfen kann. So zum Beispiel bei den Platzverhältnissen. Diese sind in der originalen C-Klasse nicht gerade üppig und in der Carlsson-Variante können sie auch keine Optimierung erfahren. Warum sich der Tuner nicht um bequemere Sitze gekümmert hat, bleibt dahingestellt. Anscheinend plädieren hier beide Anbieter für eine fast masochistische Rückengymnastik, denn unbequemer fühlen sich nur wenige Sitze in der heutigen Automobilbranche an.
Warum sich Carlsson mit der weit und breit dominierenden Hartplastik nicht befasst hat, bleibt auch ein Rätsel. Hier sind dringende und umfassende Lösungen gefragt, die man von Carlsson anscheinend nicht bekommen würde. Womit sich der Tuner allerdings befasst, ist das Lenkrad. Dieses wirkt nun sportlicher und sitzt fester in der Hand. Das Alcantra-Leder vermittelt ein edles Feeling und noble Klasse.
Von draußen
Bemängeln kann man an der C-Klasse zwar einiges, doch nichts am Außendesign. Die Limousine wurde von den führenden Designern der Automobilindustrie entwickelt – von der Mercedes-Design-Werkstatt – und das macht sich sofort bemerkbar. Carlsson weiß das zu schätzen und fügt nur kleine Details hinzu, die dezente Akzente setzen. So wirken zum Beispiel die geänderten Schürzen und Schweller samt poliertem Kühlergrill-Einsatz sportlicher, ohne dabei den Gesamteindruck zu trüben. Sportlich und gleichermaßen unprätentiös. Das beweist einmal mehr, dass die Carlsson-Spezialisten sehr wohl wissen, wann man „Stop!“ sagen sollte.
Unter der Haube
Tuning verbindet man vor allem mit Motorpower und diese darf man beim Carlsson CD22 nicht vermissen. 204 PS stehen dem Fahrer zur Verfügung. Nicht gerade üppig, würden Sie meinen, und vor allem wenn man bedenkt, dass diese Kraft ein Ergebnis aus aufwendigem Chip-Tuning ist. Doch Fahrspaß wird man auf jeden Fall erleben. Das Triebwerk zeigt sich durchaus drehfreudig und die Kraftentfaltung ist sogar explosiv. Die Motorgeräusche tragen zum Power-Feeling bei. Unterstützt wird die Arbeit der Maschine von Sportfedern, Tieferlegung und Spezialbereifung. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 239 km/h und den Sprint von 0 auf 100 schafft der CD22 in etwas langweiligen 7,4 Sekunden. Doch aufgepasst: Sein richtiges Potenzial entfaltet der Carlsson-Motor erst im höheren Drehzahlbereich. Deshalb braucht er für den Sprint von 80 auf 180 km/h etwas weniger als 7 Sekunden.
Unter’m Strich
Der edle Tuner hat etwas von der Motorkraft geopfert, um den Spritverbrauch reduzieren zu können. So entpuppt sich das Meisterwerk als eine durchaus umweltfreundliche Maschine, denn 6,1 Liter auf 100 km sind bei der Leistung wirklich respektabel. Dabei ist das Chip-Tuning gar nicht so teuer und kostet nur 1452 Euro. Teuer wird es allerdings, wenn man sich vom Katalog mit Zusatzausstattung verführen lässt. Schürzen, Schweller, Sitze, Felgen, Spoiler – die Summe kann leicht 10.000 Euro übersteigen, wenn alles in die Tüte kommen soll. (autaro)
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