München, den 20. April (autaro) Meine erste Reise in den ehemaligen Ostblock führte mich in die damalige USSR, genauer gesagt nach Kiev, der heutigen Ukraine. Die Bilder, die sich damals vor meinen Augen enthüllten, waren prägend – riesige Autobahnen und Gebäude aus Stein wohin das Auge reicht. Alles weiß und sauber – enorme Kaufhäuser mit leeren Schaufenstern und nur sehr wenige Autos, die auf den breiten Straßen recht unbemerkt bleiben konnten. Hier regierten andere Marken als im Westen – Volga war die Luxuslimousine, Lada die gute Mittelklasse und Moskvich ein Auto für Jedermann. Von Opel und Volkswagen hatten nur wenige gehört, doch alle kannten den Namen des Symbols der Automobilindustrie, der im Osten einen absolut kultisch-mythischen Status genoss – Mercedes. Nur wenige haben einen live gesehen und nur Auserwählte haben einen gefahren. Diese Glücklichen schwärmten von der Perfektion der Stuttgarter Kreationen, von der unvergleichbar milden Traktion und dem zeitlos geschmackvollem Design.
30 Jahre später sieht es im Osten ganz anders aus – Staus blockieren alle großen Straßen in überaus westlicher Manier, die Kaufhäuser sind voll mit teurer Ware und Mercedes ist kein Mythos mehr, sondern ein fester Bestandteil der Realität. Der Lebensstandard hat sich erhöht und zum hohen Standard gehört eben auch die automobile Perfektion mit dem markanten Emblem aus Stuttgart. Diese bleibt nämlich ein Markenzeichen des Unternehmens – anscheinend für immer.
Sportlichkeit in Zeiten der Krise
Mercedes ist ein Synonym für Exklusivität. Die Verkaufszahlen des Stuttgarter Unternehmens unterliegen nicht den traditionellen Kalkulationen, sondern individuellen Regeln. Das, was in Frankreich oder Italien absolut keinen Sinn ergibt, ist in Stuttgart der einzige Weg zum Erfolg. Das beweist auch das neue Modell. Nur Tage nach der Premiere der neuen E-Klasse wurde auch die sportliche Version E63 AMG vorgestellt. Das macht aber nichts – die zwei Modelle setzen sich deutlich voneinander ab.
Der E63 AMG wird als Sportlimousine verkauft und das ist er auf jeden Fall. Auffallend ist unter anderem das Design. Dieses wird in Stuttgart anscheinend groß geschrieben, denn jede Kreation der Ingenieure ist ein zeitloses Meisterwerk. Auch hier macht sich diese Tendenz bemerkbar. Ein für Mercedes fast skandalöses Merkmal sind die im Vergleich zum Vorgänger etwas schärferen Seitenlinien. Diese wirken jedoch nicht irritierend und harmonieren auf eine fast exzentrische Art mit dem klassischen Kühlergrill nebst Mercedes-Stern. Ungewöhnlich sieht die hintere Partie aus, die ziemlich hoch angelegt ist. Doch auch sie ist im Einklang mit dem insgesamt klassischen Gesichtsausdruck der Limousine, denn sie vermittelt gleichwohl stilvolle Sportlichkeit und dynamische Qualität.
Im Innenraum
Nimmt man Platz im Innenraum, so weiß man sofort, dass man sich in einem Mercedes befindet. Im Vergleich zum Vorgänger ist das Modell um nur wenige Zentimeter gewachsen, diese machen sich aber sofort bemerkbar. Fahrer und Beifahrer genießen einen für Sportlimousinen recht untypischen Komfort, aber auch die Passagiere in der zweiten Reihe dürfen sich auf einen Ledersalon mit viel Kopf- und Beinfreiheit freuen. Darüber hinaus erfreut das Automobil mit viel Komfort-Zusatzausstattung – Ablagen, Getränke-Kühler, auf Wunsch sogar Entertainment-Center und vieles mehr. Exzellent ist auch die neue Ausführung des Comand-Systems mit beeindruckender Bildschirmgrafik. Neue Dimensionen eröffnet Mercedes überraschender Weise auch in der Klimaautomatik. Die Klimaanlage lässt sich kinderleicht vom Comand-Centre bedienen. Dabei stehen den Passagieren unzählige Möglichkeiten zum Justieren der passenden Atmosphäre in der Kabine zur Verfügung, zum Beispiel zur Steuerung der Luftintensität – hier darf der Mercedes-Fahrer zwischen diffus, normal oder fokussiert wählen.
Motorpower a lá Mercedes
Unter der Haube der neuen Sportlimousine brummt der aus dem Roadster SL zum großen Teil bekannte 6,3-Liter V8-Benziner. Die Kraft bietet durchaus beeindruckende Sportcharakteristiken an. Dem Fahrer stehen ganze 525 PS und 386 kW zur Verfügung, was einiges an Spaß auf der Autobahn verspricht. Das maximale Drehmoment von 630 Nm sorgt für eine exzellente Performance, die auch von dem perfekten 7-Gang-Automatikgetriebe unterstützt wird. Das letztere bietet statt des gewöhnlichen Drehmomentwandlers eine bahnbrechende nasse Anfahrkupplung an, was für eine bessere Entfaltung der Motorkraft sorgt.
Im neuen E63 AMG regiert der Frontantrieb. Dieser lässt sich in vier verschiedenen Fahrmodi justieren, die durchaus leicht zu bedienen sind. Im Automatikmodus kann der Fahrer entspannen. Hier übernimmt der Bord-Computer alle Befehle und wählt automatisch die besten Programme zur Steuerung des Triebwerks. Den Standardsprint von 0 auf 100 km/h schafft der Stuttgarter in beeindruckenden 4,5 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h.
Fazit
Der neue E63 AMG ist eine Mercedes-Kreation im besten Sinne des Wortes – das Modell besticht nicht nur mit Schein, sondern vor allem auch mit Sein. Er ist nicht nur stärker, sondern vor allem auch effizienter als der ohnehin sehr erfolgreiche Vorgänger. Trotz mehr PS schafft es die Stuttgarter Limousine auf weniger Spritverbrauch. 12,6 Liter SuperPlus schluckt die Sportlimousine auf 100 Kilometer – eine durchaus respektable Zahl für diese Motorleistung und auch für das Segment der Sportwagen. Dafür mussten die Ingenieure allerdings kräftig arbeiten: Um den Spritverbrauch zu senken, wurden eine Bremsenergie-Rekuperation und ein geändertes Generatormanagement betätigt – alles in allem eine revolutionäre Entwicklungen auf Stuttgarter Qualitätsniveau. (autaro)