München, den 30. Juli (autaro) Es ist der Dinosaurier unter den Fahrzeugen, kaum ein Serienmodell wurde bzw. wird schon so lange gebaut, wie die G-Klasse von Mercedes. Rein äußerlich ist zwar die kantige, urige Form dieses unglaublich geländegängigen Vehikels geblieben, doch gibt es mittlerweile kaum ein Feature, das nicht auch in modernen Pseudo-Geländewagen, genannt SUV (Sports Utility Vehicle) das Leben versüßt.
Näher am Ur-Modell, als je zuvor
Grund genug für Mercedes, der G-Familie zum Jubiläum ein besonders puristisches Sondermodell zu spendieren, das sich auf die Kerntugenden der G-Klasse konzentriert. Nämlich Schlichtheit, Robustheit und Funktionalität. In der Basis kommt das kantige Urgestein ohne all die Finessen seiner noblen Verwandtschaft, daher. Und wer in der Aufpreisliste jedes Kreuzchen auslässt, muss aufpassen, dass er sein Fahrzeug von außen nicht mit einem gut erhaltenen Modell der ersten Generation verwechselt225. Bereits dieses stand auf Sechzehnzöllern der Breite, lediglich über die seitlichen Einlässe für die Beatmung des Turboladers verfügte der Familienvater der G-Familie noch nicht. Im Innenraum dagegen zeigt sich der Nerv der Zeit, hier kommen die modernen Instrumente und Armaturen der neuesten Generation zum Einsatz. Dafür kuscheln sich die Insassen nicht in weiche, duftende Leder-Fauteuils, oder schmeicheln ihrem Schuhwerk durch weichen Flor. Nein, ganz wie ursprünglich gedacht, kommen hier pflegeleichte Oberflächen und Gummi-Fußmatten zum Einsatz.
Übersichtliche Aufpreisgestaltung
Freilich lässt sich auch das Sondermodell weiter aufrüsten: zwei Offroadpakete lassen sich ordern, zum Preis von 8.330 Euro (Paket 1) oder 14.280 Euro (Paket 2). Ersteres beinhaltet mit schwarzen Alus der Dimension 265/75-16 mit geländegängiger Bereifung auch die kürzere 4,86er Achsübersetzug. Außerdem Kommt eine steifere, begehbare Motorhaube hinzu, Ösen für die Gepäcksicherung im Kofferraum, die klassische Maulkupplung an der vorderen Stoßstange, Schutzgitter für Scheinwerfer und die aufgesetzten Blinker und – wer hätte das in dieser Kombination vermutet: eine Zentralverriegelung. Wer das Offroad-Paket 2 ordert, kommt obendrein noch in den Genuss einer Standheizung und einer Klimaanlage, kann die Außenspiegel elektrisch verstellen und sich die Zeit durch das CD-Radio vertreiben.
Die Motorisierung ist ausreichend
Ein Blick in das Datenblatt lässt gleich zu Beginn Skepsis aufkommen. Hier stehen 2,5 Tonnen Leergewicht dem 183 PS begrenzten Common-Rail-Diesel gegenüber, außerdem ist das maximale Drehmoment ebenfalls auf 400 Newtonmeter begrenzt (zum Vergleich: der G 350 CGI in Serienversion leistet 224 PS und drückt 540 Nm auf die Kurbelwelle). Doch die erste Ausfahrt zeigt, dass der Motor zwar nicht die richtige Wahl für die Bleifuß-Fraktion darstellt, für angemessene Fahrleistungen, insbesondere im Gelände jedoch vollkommen ausreicht. Das Fahrgefühl unterscheidet sich indes deutlich von den eher für die Straße konzipierten serienmäßigen Brüdern. Das Motorgeräusch dringt deutlicher vernehmbar in den Fahrgastraum vor, die Lenkung wirkt weniger Synthetisch, man fühlt sich einfach deutlich näher an der Außenwelt. Außerdem kommt wegen der geänderten Achsübersetzung nicht die aktuelle Siebenstufenautomatik zum Einsatz, was dem Fahrer spürbar längere Schaltpausen beschert. Außerdem entbehrt die Edition Pur ein ESP, was der Fahrer besonders bei zügiger Fahrt durch kurvenreiches Terrain nicht vergessen sollte. Zwar kündigt das Fahrwerk den Grenzbereich gleichmäßig und gutmütig an, doch bereits in schnell durchfahrenen Landstraßen-Kurven ist ein deutliches Reifenquietschen hörbar.
Die G-Klasse hatte schon immer ihren Preis
Wer nun aber denkt, die Edition G 30 Pur sei wegen des Fehlens all der Annehmlichkeiten seiner zivilen Geschwister ein Billigheimer, der Irrt. Schon in der Basis, mit schmalen Reifen und ohne eines der Offroad-Pakete schlägt der Geländewagen mit 59.381 Euro zu Buche. Wer das Offroad-Paket 2 ordert und sich zusätzlich noch für die Hecktür mit zwei Flügeln und eine Metallic-Lackierung entscheidet, muss 75.755 Euro auf den Tisch des Händlers legen. Bedenkt man, dass man für nicht einmal 1.000 Euro mehr auch den wesentliche komfortableren G 350 CDI in Langversion bestellen kann wird eines schnell klar: die Mercedes G-Klasse 30 Pur ist nur selbst ein Purist, sie wurde auch für Puristen aufgelegt. (autaro)