München, den 30. November (autaro) Bislang konnten sich Autos, die mit Flüssiggas (LPG) befeuert werden, kaum gegen ihre etablierte Konkurrenz mit herkömmlichem Benziner oder Selbstzünder durchsetzen. Und das obwohl der Staat noch bis ins Jahr 2018 satte Steuervergünstigungen garantiert und der Liter LPG derart subventioniert nur rund 60 Cent kostet. Selbst Diesel, wenngleich billiger als Benzin, kostet noch gut das Doppelte. Auch Gegenargumente wie ein zu kleines Tankstellennetz oder Bedenken hinsichtlich der Betriebssicherheit konnten in den letzten Jahren zerstreut werden. Bleibt als gewichtigstes Gegenargument der Preis, denn eine Nachrüstung kostet in der Regel mehrere Tausend Euro, während werksseitig kaum Fahrzeuge mit der Spartechnik ausgerüstet werden.
Die Werkslösung wirkt unausgegoren
Eine Ausnahme bildet der Ford Fiesta LPG, mit dem Ford seine Gas-Flotte jüngst nach unten erweiterte. Ebenfalls mit LPG-Anlage lieferbar sind der Ford Mondeo, Ford C-Max, und der Ford Focus. Im Fiesta befindet sich ein Gastank mit bis zu 33 Liter Fassungsvermögen, der crashgünstig in der Mulde für das Reserverad untergebracht wurde, das daraufhin einem Reifenreparaturset weichen musste. Dies ist jedoch nicht das einzige Provisorium: betankt werden nämlich beide Kraftstofftanks, also auch der für Benzin, über denselben Einfüllstutzen. Tankt man, wie es die Regel ja eigentlich vorsieht, Gas, muss man stets einen Adapter auf den Tank fitzeln. Liegt dieses Ärgernis hinter dem Fahrer, ist die gute Laune erneut in Gefahr. Denn die Tankanzeige berücksichtigt lediglich den Inhalt des Benzintanks, während der Inhalt des Gastanks lediglich über vier mickrige Leuchtdioden mitgeteilt wird. Außerdem liegen diese außerhalb des Blickfeldes zwischen Schaltknauf und Handbremse – wo übrigens auch von Benzin- auf Gasbetrieb umgeschaltet wird. Lässt man seine Finger vom Schalter, erledigt der Fiesta das Umschalten auf Benzinbetrieb selbst, sobald der Gastank leergefahren wurde. Das geschieht mitunter schneller als erwartet, denn LPG weist eine geringere Energiedichte auf, als konventionelles Benzin. Im Gasbetrieb ermittelten wir einen Durchschnittsverbrauch, der mit knapp 9,5 Litern mehr als zwei Liter über dem Benzinverbrauch lag, der mit 7,1 Litern für einen Kleinwagen bereits nicht als bescheiden gelten darf. Ein Glück, dass der Leistungsabfall kaum zu spüren ist, Ford gibt 92 PS für den Gas- und 96 PS für den Benzinbetrieb an.
Der Motor: Fahrspaß geht anders
Der 1,4-Liter-Vierzylinder arbeitet eigentlich in beiden Modi eher zäh, wer zügig fortkommen möchte, muss oft zum Schaltknüppel greifen. Das ist zwar dank der sauberen Führung der Fünfgang-Box keine Strafe, treibt aber das Geräuschniveau des brummigen Motors und zudem den Verbrauch in die Höhe. Den Rest kennen und schätzen wir bereits aus anderen Modellen der Baureihe: ein ungewöhnlich agiles Fahrverhalten, bei dem auch der Komfort nicht auf der Strecke bleibt. Ordentliche Sitze für alle vier Personen, auch wenn der Platz im Fond naturgemäß ein wenig eng ausfällt. Den größten Sprung hat Ford aber sicherlich in Sachen Verarbeitungsqualität und Materialauswahl gemacht. Sicher, verglichen mit einem VW Polo kommt auch der Fiesta eher grobschlächtig daher, aber Klappergeräusche oder unsaubere Spaltmaße scheinen in Köln der Vergangenheit anzugehören. Ebenfalls weniger gewöhnungsbedürftig als erwartet: das Cockpit, in dem auf den ersten Blick eher die Funktion der Form folge, als umgekehrt.
Der Mehrpreis rechnet sich bereits nach 60.000 km
Bei den Kosten schlägt schließlich die Stunde des Ford Fiesta 1.4 LPG. Zwar ist der Wagen mit einem Grundpreis von 15.490 Euro knapp 2.000 Euro teurer als sein Benzinbetriebener Bruder (ab 13.500 Euro). Doch rechnet man die Ersparnis an der Tankstelle mit ein, hat sich dieser Mehrpreis bereits nach knapp 60.000 Kilometern relativiert. Und ab diesem Zeitpunkt spart man Kilometer für Kilometer bares Geld. Bei einem Diesel rechnet sich der ganze Spaß für gewöhnlich erst deutlich später. Hinzu kommt, dass Sowohl Steuern als auch die Versicherung nicht höher ausfallen, als bei einem vergleichbaren Benziner – auch dies ist wieder ein Vorteil im direkten Vergleich mit dem Diesel. Wer also das eine oder andere Provisorium in Kauf nimmt, kann mit dem Fiesta 1.4 LPG durchaus glücklich werden. (autaro)

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