München, den 16. Oktober (autaro) Zugegeben: es gibt gefälligere Kreationen aus dem Hause BMW. Erst recht jetzt, da die Zeiten des Chefdesigners Chris Bangle, der uns den letzten Siebener mit den Tränensäcken á la Host Tappert bescherte, unwiederbringlich vorüber sind. Und dann noch der Name. GT, also Gran Turismo, da denken wir an die Silhouette eines Maserati GT oder wenigstens an das gleichnamige Computerspiel. Aber an einen Kombi? Oder ist es ein Van? Ein SUV ist es jedenfalls nicht, aber das ist der X6 – übrigens ein echter Kassenschlager – ja auch nicht. Anscheinend müssen wir uns an ausgefallene Konzepte mit blau-weißem Propeller auf der Motorhaube gewöhnen.
Das Raumgebot dürfte so manchen Van beschämen
Doch geben wir der eigenwilligen Kreatur eine Chance, es muss ja nicht immer Liebe auf den ersten Blick sein. Wir nehmen also Platz auf den üppigen Fauteuils der ersten Reihe, in diesem Falle auf den optionalen Komfortsitzen für 2260 Euro extra. Von Massagefunktion und Belüftung einmal abgesehen sind diese wohl das Beste, was es derzeit für Geld zu kaufen gibt. Und die gute Nachricht für Hinterbänkler: auch in der zweiten Reihe lassen sich diese ordern, für einen Aufschlag von 1960 Euro. Überhaupt ist dieser Innenraum, den wir in Teilen schon vom aktuellen 7er kennen, eine Klasse für sich. Edelste Materialien und ein perfektes Finish garantieren Wohlfühlatmosphäre, üppige Bein- und Kopffreiheit entspanntes Reisen auch auf langen Strecken. Selbst in der Oberklasse gibt es nichts, was wir in diesem GT vermissen würden. Was allerdings unverständlich ist, ist die Trennung des Gepäckabteils vom Innenraum. Sicher, so ergibt sich nochmals eine Extraportion Wohlfühlatmosphäre, aber der Raum zwischen den Rücksitzen und der Vorderwand des Kofferraums bleibt ungenutzt. Schließlich dürften die Rücksitze, auch wenn sich diese schon in eine fast liegende Position bringen lassen, hauptsächlich aufrecht besetzt. Der ansonsten riesige Laderaum wartet außerdem mit einer weiteren Besonderheit, nämlich einer doppelt öffnenden Heckklappe. Wird nur eine Kleinigkeit aus- oder eingeladen, klappt man nur den unteren Teil der Klappe hoch und der Innenraum bleibt frei von Zugluft, wie bei jeder Limousine. Für Sperrige Güter schwingt schließlich auch die komplette Luge nach oben und, auf Wunsch auch elektrisch angetrieben, wieder herab.
Mit dem Antrieb schlägt die große Stunde des GT
Doch nun zu Motor und Fahrwerk – ein BMW will bewegt werden. Und wie zu erwarten, schlägt hier die große Stunde des Bayern. Der von uns gestestete 530d GT wird von einem Dreiliter-Reihensechszylinder angetrieben, der 245 PS leistet und maximal 540 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle stemmt. Doch was auf dem Papier angesichts des hohen Leergewichts von 2100 Kilogramm (mit Serienausstattung sind es laut BMW nur 1960 kg) nach ordentlichen, keineswegs aber sportlichen Fahrleistungen ausschaut, täuscht. Mit überragender Laufkultur und nach Drehzahlen gierend zeigt dieses Triebwerk wieder einmal, wie perfekt die Bayern ihr Thema beherrschen. Dies spiegelt sich auch in den Fahrleistungen wieder, die mit einer Höchstgeschwindigkeit von 240 Stundenkilometern und dem Stammtisch-Sprint auf 100 km/h in nur 6,8 Sekunden fast Sportwagen-Niveau erreichen. Und angesichts dieser ist der Durchschnitts-Normverbrauch von 6,5 Litern Diesel (im Test war es ein guter Liter mehr) schon eine kleine Sensation. Einen Gutteil zum geringen Verbrauch dürfte auch die Achtstufenautomatik beitragen. Diese schaltet übrigens derart weich und unauffällig, dass die aktuelle Fahrstufe allein anhand des Drehzahlmessers erahnt werden kann, eine Zugkraftunterbrechung ist praktisch nicht zu spüren. Auch das Fahrwerk ist, wie wir es von BMW erwarten. Sensibel spricht es auch auf feinste Fahrbahnunebenheiten während es grobe Unebenheiten aller Art bis zur Unmerklichkeit ausbügelt. Allein der Geradeauslauf bei schnell gefahrenen Autobahnetappen könnte besser sein, was aber sicherlich auch der Bereifung unseres Testwagens (245er vorn und 275er hinten, 19 Zoll) geschuldet ist.
Beim GT ist es Liebe auf den zweiten Blick
Fazit: wie so oft im Leben, werden sich die Meisten erst auf den zweiten Blick in dieses Auto verlieben. Hat man sich aber erst einmal an die üppigen Abmessungen des 5er GT gewöhnt, bietet er praktisch alles, was wir von einem BMW erwarten – und dazu Platz im Überfluss. Das Dickschiff leistet sich auch hinsichtlich der Fahrleistungen keinerlei Schwächen, wetzt um die Ecken wie ein Kleiner und verbraucht angesichts des hohen Leergewichtes sensationell wenig Sprit. Trifft er nun noch den Geschmack der Massen, ist eine weitere Erfolgsgeschichte aus München vorprogrammiert. (autaro)