München, den 18. November (autaro) Eines wird mittlerweile beim Blick auf koreanische Fabrikate a la Kia oder Hyundai deutlich: sie werden erwachsen, sind teilweise sogar schon fast ausgereift. Die Zeiten, als man nach dem Einsteigen in einen Koreaner vor lauter Plastikduft zu ersticken fürchtete, sind vorbei. Auch die Peinlichkeit, bei der Flucht an die frische Luft den Türgriff der billigen Blechdose abzureißen, wird man sich künftig nicht mehr ausmalen müssen. Das Vertrauen, das man seit langem schon in japanische Autos hat, kann man offenbar getrost auf Korea ausweiten. Kia untermauert diesen Eindruck außerdem durch eine siebenjährige Garantie auf alle neuen Modelle – und wie erste Erfahrungen beweisen: zu Recht.
Stimmiges Design
Der neueste Coup aus dem Hause Kia hört auf den Namen Venga, was zu Deutsch soviel bedeutet wie „los geht’s!“. Und tatsächlich, die Formensprache setzt den Namen konsequent um. Im Segment der ganz kleinen Familien-Vans kommt bislang keiner so sportiv daher, wie der Venga. Zwar darf auch bei der in Bälde erscheinenden Neuauflage des Opel Meriva mit einem deutlich frischeren Design gerechnet werden. Doch wird der Vergleich im Verhältnis nicht mehr aussehen, als habe man eine Tupperbox neben einen Römertopf gestellt. Rein optisch ist der Venga durchaus gelungen.
Überdurchschnittliches Platzangebot
Der positive Eindruck setzt sich nach dem Platznehmen im Innenraum fort. Obwohl der Kia sich mit den Außenmaßen in der Länge mit denen eines VW Golf zufrieden geben muss, herrscht innen Raum nahezu im Überfluss. Vorn erleben zwei Erwachsene ein überaus luftiges Raumgefühl, während sich in der zweiten Reihe drei Kinder ebenso großzügig unterbringen lassen. Selbst vier Erwachsene müssen hinsichtlich des Sitzkomforts auch längere Reisen nicht scheuen, reisen drei Erwachsene im Fond, wird es freilich etwas eng. Dass offensichtlich Anleihen beim Hauptkonkurrenten Opel Meriva genommen wurden, zeigt sich auch in der Variabilität. Die Rücksitzbank lässt sich stufenlos verstellen, verschieben oder sogar zu einer ebenen Ladefläche zusammenlegen. Hinsichtlich der Materialauswahl muss festgehalten werden, dass diese zwar nicht ganz auf dem Niveau der europäischen Konkurrenz liegt, angesichts des Kaufpreises aber völlig in Ordnung geht. Die Verarbeitungsqualität stimmt. Außerdem gibt die Bedienung, wenngleich das Armaturenbrett ein wenig verspielt geriet, keinerlei Rätsel auf.
Die Motorisierung reicht aus
Zum Marktstart bietet Kia den Venga mit zwei neu entwickelten Motoren an. Für 13.990 Euro bekommt man einen 1,4-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 90 PS Leistung. 1.100 Euro mehr und damit genau 15.090 Euro muss auf den Tisch legen, wer den sparsamen, ebenfalls 90 PS leistenden, 1,4-Liter-Diesel fahren möchte. Dieser ist zwar ebenfalls keine Spaßkanone, kann den Venga aber dank seines maximalen Drehmomentes von 220 Newtonmetern bei 1.750 Touren bequem durch die Stadt oder über Land bewegen. Das Geräuschniveau passt dank des gut gestuften Sechsganggetriebes recht gut zum komfortablen Verhalten der Federung, lediglich ab 3.500 Touren neigt der Selbstzünder zum Brummen und vibriert dann deutlich vernehmbar. Dabei ist der Diesel übrigens die deutlich komfortablere Wahl, die Benziner wirken in nahezu jeder Lebenslage zäh und ungehobelt. Die übrigen angebotenen Motoren kennen wir bereits von Kia cee’d und Soul. Das Fahrverhalten ist, trotz der deutlich spür- und sichtbaren Seitenneigung problemlos – diese ist natürlich auch der großen Höhe des Aufbaus von 1,60 geschuldet.
Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Der Preis ist eine Kampfansage. Ein vergleichbarer Opel Meriva kostet mindestens 1.200 Euro mehr, bei schlechterer Garantieleistung und in der Regel höheren laufenden Kosten. Hinzu kommt, dass der Basisdiesel ein kleines Sparwunder ist und dass sich alle Motoren für einen Aufpreis von 300 Euro mit einer tadellos funktionierenden Start-Stopp-Automatik kombinieren lassen. Der von uns gestestete Diesel konnte den von Kia versprochenen Wert von 4,7 Litern Diesel auf 100 Kilometer zwar nicht ganz einhalten, bewegte sich aber nicht deutlich über fünf Litern. Und erwartungsgemäß gestaltet sich auch die Aufpreisliste übersichtlich und in klare Pakete gegliedert. Das Soundpaket sorgt mit 650 Euro Aufpreis für Kurzweile, die Klimaanlage schlägt mit 800 Euro zu Buche. Gute Reise! (autaro)