München, den 6. April (autaro) Langsam, viel zu langsam entwickeln sich die Dinge im Bereich des Elektroantriebs. Trotz der schier unzähligen, begeisterten Presseberichte, so manch ermüdender Pressekonferenz und erschöpfenden Werbekampagnen, kann bis jetzt keiner der weltweit großen Automobilhersteller von einer gelungenen Elektrobatterie berichten. Das bewies auch der diesjährige Genfer Automobilsalon. „Zurück zu den Wurzeln“ oder ein Schritt zurück zu den protzigen Spritschluckern, großen Limousinen, die sogar Mühe haben, die Euro-5-Norm zu erfüllen – darauf lagen die Akzente bei der großen Ausstellung.
Anders sieht es aber bei kleineren Autoproduzenten aus. Vor etwa zwei Jahren präsentierte der bis dahin unbekannte Hersteller Tesla seine Projekte im Bereich des Elektroantriebs. Man fängt in Amerika anscheinend ganz groß an – es ging um keinen Stadtflitzer, sondern um ein vollblutiges Sportautomobil, das zugleich viel Fahrspaß und Zero-Emission anbieten sollte. So mancher Automanager dieses Segments lachte damals, doch wer zuletzt lacht … wie es weitergeht, weiß doch jeder. Der Tesla Roadster steht vor der Serienproduktion – „wir sind die, die das Autofahren verändern werden“, erklärt der Tesla-Firmenchef Martin Eberhard und das ist keine phantastische Illusion, sondern durchaus Realität.
Cool, oder?
Mit nur 60 Millionen Dollar starteten die Tesla-Geschäftsführer das Projekt „Tesla Roadster“; eine Investition, die sich auf jeden Fall auszahlen wird. Die Bestellungen laufen besser als erwartet und das ist natürlich nicht verwunderlich. Der Tesla Roadster schafft irgendwie das Unmögliche und vereint Fahrspaß mit 0 g/km CO2-Ausstoß. Inspiriert wurde das Außendesign von den Sport-Giganten des Automobilmarktes. Die Form der Karosserie erinnert an den Porsche Carrera und an den Audi TT zugleich. Dass es diesem Punkt an Individualismus fehlt, ist durchaus verzeihlich – individueller als im neuen Roadster unter der Haube, geht es bei keinem anderen Hersteller.
Der Tesla Roadster ist ein Zweisitzer. Auffallend sind die kompakten Massen – 1,13 Meter Höhe und 3,95 Meter Länge – und die etwas seltsamen Seitenlinien, die nicht unbedingt Aerodynamik-freundlich sind. Gerade in diesem Punkt ist mehr Arbeit gefragt – ein Elektromotor muss schließlich von allen möglichen Windkräften profitieren können. Im Innenraum wirkt alles schlicht, konservativ, doch auf keinen Fall langweilig. Die Tesla-Entwickler verzichten auf modernen und ausgefallenen Schick-Schnack, was für Öko-Limousinen, wie zum Beispiel den Prius, eigentlich Gang und Gebe ist.
Fahrspaß pur
Setzen Sie sich bequem in dem Sportcoupé und drehen Sie den Zündschlüssel – gleich ertönt eine Motormusik, die für unsere viel zu belasteten Ohren gar nicht normal zu sein scheint. Man hört eigentlich nur ein leichtes Summen – keine bohrenden Auspuffe, keine furchterweckenden Motorgeräusche. Das ist die Elektrobatterie. Auf der Straße macht der Tesla Roadster eine gute Figur. Die Kurven werden mit Bravour gemeistert und der Fahrer verliert zu keinem Augenblick das Sicherheitsgefühl.
Das Triebwerk ist ein Dreiphasen-Wechselstrom-Elektromotor mit ganzen 300 PS. In diesem steckt eine Lithium-Ionen-Batterie, mit einer Lebensdauer von insgesamt 160.000 Kilometer. Noch beeindruckender lesen sich die weiteren technischen Daten. So liegt die maximale Geschwindigkeit etwa bei 200 km/h. Ja, klar ist das nicht die Leistung eines durchschnittlichen Porsches, aber denken wir nun mal für eine Sekunde an die Umwelt und was die über-300km/h-maximale Geschwindigkeit in den Stuttgarter Meisterwerken an Schäden anrichtet. Aufgeladen werden muss die Batterie des Tesla Roadsters erst nach 365 Km, der Ladezyklus liegt bei 3,5 Stunden; alles Parameter, die sich nicht nur gut lesen, sondern auch großartig fahren lassen.
Fazit
Eines der größten Probleme vor der Elektro-Batterie waren bis jetzt die Produktionskosten. Den großen Herstellern zufolge soll der Basispreis für ein Elektrofahrzeug so hoch sein, dass es sich niemand, außer Bill Gates, leisten kann. Doch auch hier zeigt Tesla, dass es enormes Potenzial gibt. Ab 99.000 Euro ist der Tesla Roadster zu haben – für ein Sport-Coupé der Extra-Klasse durchaus erschwinglich. Zum jetzigen Zeitpunkt kann der Tesla Roadster nur über die amerikanische Zentrale bestellt werden. Doch der Erfolg des Elektro-Meisterwerks macht Hoffnungen, dass es bald auch international Zentralen geben wird. (autaro)