München, den 19. Juni (autaro) Ab Herbst wird man den VW Amarok auch in Deutschland bestellen können, zunächst nur mit Doppelkabine und Zweiliter-Biturbo-TDI. Allerdings bietet sich nun erstmals die Gelegenheit, die für den europäischen Markt bestimmte Variante zu fahren, bisher musste unsere Redaktion mit der Südamerika-Version Vorlieb nehmen, wo Pickups einen wesentlich größeren Marktanteil haben. In Deutschland wird der Amarok TDI mit 163 PS und bulligem Drehmoment von 400 Newtonmetern ab 28.940 Euro erhältlich sein, dann in seiner Basisausführung mit reinem Heckantrieb. Wer den Allradantrieb dazu ordert, hat wenigstens 30.844 Euro auf dem Deckel stehen, wohlgemerkt in der nahezu spartanischen Grundausstattung. Die meisten Kunden werden wohl wenigstens zur Ausstattungslinie Trendline greifen, die das Nötigste an Annehmlichkeiten offeriert und mit Allradantrieb 34.629 kostet. Wer es krachen lassen will und auch bei einem kernigen Pickup Wert auf Chromschmuck legt, macht das Kreuzchen neben der Ausstattungslinie Highline, die als 4motion allerdings schon mit 37.169 bezahlt werden will – ein Wolkswagen ist eben kein billiges Vergnügen.
Alles passt, nichts wackelt oder hat Luft
In der Basisversion muss der Fahrer zwar auf Luxus verzichten, nicht aber auf Solidität und passgenaue Verarbeitung. Im Innenraum finden sich robuste aber angenehme Stoffoberflächen und langstreckentaugliche, in dieser Klasse selten bequeme Sitze. Das Cockpit und alle weiteren Verkleidungen versprühen zwar den spröden Charme, den Hartplastik nun einmal sein Eigen nennt, aber unverkleidete Blechteile ersparen die Wolfsburger ihren Kunden ebenso wie Klapper- oder Knistergeräusche. Die Verarbeitung ist eben typisch Volkswagen. Wer Wert auf geschäumte Oberflächen und feinere Armaturen legt, sollte über die Highline-Ausstattung zumindest einmal nachdenken.

Pickup mit zwei Gesichtern
Schon auf den ersten Metern offenbart der Amarok eine in dieser Klasse bislang unbekannte Langstreckentauglichkeit. Das Geräuschniveau bewegt sich auf PKW-Niveau und dank des gut gestuften Sechsganggetriebes, das sich überdies auch noch federleicht schalten lässt, kann der bullige Diesel immer im niedrigen Drehzahlbereich bewegt werden. Das kommt nicht nur dem Geräuschniveau auf längeren Strecken zugute, sondern auch dem Durchschnittsverbrauch. Die von VW angegebenen 7,8 Liter Diesel je 100 Kilometer lassen sich in der Praxis tatsächlich realisieren, reine Autobahnetappen bewältigt der Lademeister sogar mit deutlich weniger Kraftstoff. Apropos Lademeister: bereits die „zivile“ Version mit wirklich ordentlichem Federungskomfort darf stolze 862 Kilo Zuladung einpacken. Wem das nicht reicht, der kann ohne Aufpreis das HD-Fahrwerk ordern. HD steht für „Heavy Duty“ und ist für eine Tonne Nutzlast ausgelegt. Dieses Mehr an Kapazität erkauft man sich allerdings mit einem deutlichen Weniger an Fahrkomfort – das HD-Fahrwerk reicht jede Unebenheit an die Passagiere weiter und wird auf schnell befahrenen, unebenen Straßen unangenehm nervös. Das Fahrverhalten selbst ist allerdings narrensicher und das ESP ist zuverlässig und fein abgestimmt.
Der Amarok ist eine echte Wühlmaus
Seine Stärke sind allerdings nicht allein befestigte Straßen, auch im Gelände zeigt der Amarok, wo der Hämmer hängt. Unser Testwagen war zusätzlich mit hinterem Sperrdifferential Ausgerüstet, das noch mehr Traktion bietet, jedoch mit 672 Euro Aufpreis auch extra erkauft werden muss. In Verbindung mit dem Allradantrieb und der Getriebeuntersetzung (Untersetzung 2,7:1) wird der Pickup zur echten Wühlmaus. Schon im Standgas kann man ihn problemlos durchs Unterholz pflügen lassen, dank ordentlicher Bodenfreiheit und relativ kurzer Karosserieüberhänge sind auch harte Steigungen oder Senkungen kein Problem. Dazu kommen zwei zuverlässig arbeitenden Helferlein in Form einer Berganfahrkontrolle sowie einer Bergabfahrunterstützung. Ein Manko offenbart jedoch die Kombination aus einfachem Zuschaltallradantrieb und der kompromisslosen Untersetzung: auf festem Untergrund sind die Verspannungen zu extrem, der Allradantrieb kann hier nicht verwendet werden – für das Ziehen eines schweren Hängers ein echter Nachteil. Möglich allerdings, dass VW hier noch einen permanenten Allradantrieb mit Untersetzung nachreichen wird.
Fazit
Der VW Amarok schafft den schweren Spagat zwischen mustergültigem Fahrkomfort und kompromissloser Geländegängigkeit. Wer auf eine zulässige Nutzlast von 1.000 Kilo verzichten kann und das Kreuzchen neben dem HD-Fahrwerk auslässt, kann bequem und ohne Ermüdung auch weite Reisen bewältigen und genießt einen Fahrkomfort ähnlich wie im PKW. Abseits des Asphalts zeigt der Amarok dann sein zweites Gesicht, wühlt sich problemlos auch durch hartes Gelände und muss sich nicht vor Urgesteinen a la Jeep Wrangler oder Land Rover verstecken. (autaro)

