
München, den 18. Juli (autaro) Als Audi 1988 mit dem Audi V8 in die automobile Oberklasse einzog, wurden die Ingolstädter noch belächelt. Der Audi V8 war zwar weitgehend eine Neukonstruktion, sah aber einfach aus wie ein aufgeblasener Audi 100, auf dem er schließlich auch basierte. Nach sechs Produktionsjahren und rund 20.000 verkauften Exemplaren wurde die Produktion der technisch ambitionierten und weltweit einzigen Luxuslimousine mit permanentem Allradantrieb wieder eingestellt. Doch mit dem Nachfolger, dem ersten Audi mit der Modellbezeichnung A8 begann eine furiose Erfolgsgeschichte, die sich seither ununterbrochen fortsetzt. Mittlerweile ist der Audi A8 eine feste Größe in der Oberklasse und wird selbstverständlich mit der S-Klasse von Mercedes und dem BMW 7er in einem Zuge genannt.
Die Langversion kommt im Herbst
Bereits der „kurze“ A8 misst in der Länge 5,14 Meter und macht damit klar, dass er sich für den Platzhirsch in seiner Liga hält. Wer aber den ultimativen Luxus und noch mehr Beinfreiheit im Fond möchte, wird zum A8 L W12 greifen, der ganze 5,27 Meter lang ist und damit sowohl den 7er als auch die S-Klasse um ganze sechs Zentimeter überbietet. Vorerst gibt es den Zwölfzylinder nur als Langversion, ab nächstem Jahr wird es den W12 auch mit kurzem Radstand geben. Im Blick haben die Marketingstrategen vor allem den stetig wachsenden chinesischen Markt, aber auch in Russland und im mittleren Osten wird das Flaggschiff Käufer finden. Im umweltbewussten Europa wird der Zwölfzylinder eher die Rolle des Exoten spielen, gerade die Deutschen greifen vorwiegend zu den Benzinern und Dieselmotoren mit sechs oder acht Zylindern.
Eine elegante Erscheinung
Nüchtern betrachtet ähnelt der neue A8 deutlich seinem Vorgänger. Man bemerkt zwar, dass man den neuen vor sich hat, muss jedoch unweigerlich zweimal hinschauen. Seine schiere Größe sieht man dem Ingolstädter derweil nicht an, die Proportionen mit kurzen Karosserieüberhängen und der schlichten, geraden Linienführung versprühen gar einen Hauch Sportlichkeit. Derweil sieht man sofort: der A8 ist mit seiner Aluminiumkarosserie gebaut für die Ewigkeit. Penibel gleichmäßige Spaltmaße tun ein Übriges, der A8 sieht aus, als wäre er aus einem Klotz gehauen.
Unerreicht: der Innenraum
Ein Eindruck, der sich im Innenraum fortsetzt. Wer die Tür hinter sich schließt, befindet sich in einer anderen Welt. Feinste Materialien soweit das Auge reicht, dazu eine Verarbeitungsqualität, die eindeutig den Maßstab in dieser Klasse setzt. Jeder noch so kleine Schalter verbreitet den Eindruck einer Präzision, wie man sie nur von Audi kennt. Derweil fahren die Hände über glattes Edelholz, mattes Aluminium und handschuhweiches Leder. Wer den Chauffeur ans Volant setzt, kann sich übrigens auf dem rechten hinteren Einzelsitz richtig ausbreiten. Auf Knopfdruck fährt der Beifahrersitz nach vorn, die Kopfstütze klappt um und die Rücklehne offeriert ein Fußbänkchen. Entspannter reist es sich wohl nur noch in einem Maybach 62 mit Liegesitzen. Hinzu kommt ein Arsenal an technischen Raffinessen, das die Passagiere völlig vergessen lässt, dass sie in einem Automobil unterwegs sind. Von den großen Bildschirmen für die hinteren Plätze und dem feinen Sound aus dem Bang&Olufsen-Soundsystem abgesehen sorgen ein TV-Tuner und eine 20-Gigabyte-Festplatte für beinah grenzenlose Unterhaltung. Und ebenfalls ein Novum: über ein kleines Touchpad, das die Bedienung des zentralen Dreh-Drück-Reglers clever ergänzt, kann der Fahrer das Navigationsziel auswählen – die Software erkennt die vom Finger „gemalten“ Buchstaben.
Das Fahrwerk beherrscht den Spagat zwischen Sport und Komfort
Kritiker warfen dem Vorgänger unangebrachte Härte vor. Die Ingenieure hatten ihr Hauptaugenmerk eindeutig auf Sportlichkeit gerichtet und dabei den Komfort ein wenig vernachlässigt. Ein Lapsus, der im neuen Modell nicht wiederzufinden ist. Davon einmal abgesehen, dass der Fahrer die Kennlinie von Federung, Lenkung, Gasannahme usw. selbst einstellen kann, regelt der Computer im Automatikmodus sehr feinfühlig. Dabei besticht der A8 mit perfektem Federungskomfort, gleich auf welchem Untergrund man unterwegs ist. Von dem famosen 500-PS-Zwölfzylinder vernimmt man lediglich unter Volllast ein sonores Grollen, ansonsten geht es im A8 derart leise zu, als würde man sich von Ort zu Ort beamen. Dabei macht die schwere Limousine auch auf engen Gebirgsstraßen durchaus Spaß und lässt sich behände wie ein Sportwagen auch um enge Kehren zirkeln. Wer will, erreicht Tempo 100 aus dem Stand in 4,7 Sekunden, das ist ebenfalls schneller, als es so mancher Sportwagen schafft. Schluss ist vernünftiger Weise bei 250 Sachen, elektronisch abgeregelt. Dabei soll sich der auf 6,3 Liter Hubraum vergrößerte Zwölfzylinder angeblich mit dem Durst zurückhalten. Audi gibt einen Durchschnittsverbrauch von 12,4 Litern an, in der Praxis sind es freilich selten weniger als 14 Liter.
Fazit
Vernünftig ist dieser Audi nicht, kühle Rechner und umweltbewusste Fahrer werden eher zu Sechs- und Achtzylindern greifen, insbesondere zu den Selbstzündern. Einen Hybriden bietet Audi voraussichtlich ab Mitte 2011 an. Wer den ultimativen Luxus und richtig viel Platz im Fond will, ist mit dem A8 L W12 hingegen richtig beraten, auch wenn zu dem Grundpreis von immerhin 137.000 Euro horrende Unterhaltskosten hinzukommen. Steuern und Versicherung (hier können Sie vergleichen) kosten ein Vielfaches eines Kleinwagens, außerdem ist der Wertverlust immens und die Vertragswerkstatt arbeitet auch nicht gratis. Doch alles hat eben seinen Preis, erst recht ein Audi. (autaro)


