
München, den 08. August (autaro) Gut 47 Prozent Marktanteil hat der VW Touran in Deutschland in seinem Segment. Das ist ein bisschen so wie beim VW Golf, nur eben noch deutlicher: die Deutschen lieben ihn. Sicher nicht wegen seines Designs, wohl aber wegen seiner Praxistauglichkeit und dem hohen Maß an Solidität. Dass sich auch für das neue Modell, das ab sofort im Handel steht, kaum einer wegen der überragenden Optik entscheiden wird, dürfte sich auch in Zukunft kaum ändern. Zu würfelartig und langweilig ist die Form aufgrund der Anforderungen des Alltagsgeschehens geraten. Im Vergleich zum Vorgänger ist der Neue dann aber doch einen Tick frischer und edler ausgefallen, ohne dabei seine praktischen Seiten zu vernachlässigen. Das Konzept ist also gleich geblieben: vorn angeschlagene Türen für die Sitzreihen zwei und drei, keine Experimente mit Schiebetüren wie beim großen Bruder, dem Sharan. Dazu die von den anderen Volkswagen-Modellen bekannten Benzin- und Dieselmotoren, allesamt durch Downsizing auf niedrigen Verbrauch getrimmt.
Innen durchaus edel
Während der Touran äußerlich durch das neue VW-Gesicht und einen feineren Abschluss mit geschwungener Heckklappe auffällt, sind die Änderungen im Innenraum noch deutlicher spürbar. Die Verarbeitung, auch beim Vorgänger nahezu mustergültig, ist wohl die beste in diesem Segment, ebenso die Auswahl der Oberflächen-Materialien und das optische Finish. Das Bedienkonzept orientiert sich an dem bewährten VW-Konzept, schlüssig und ohne Schnick-Schnack. Wer im Touran sitzt, findet sich auf Anhieb zurecht, die dicke Bedienungsanleitung kann zunächst im Handschuhfach bleiben. Ähnlich schlicht aber ausgereift gibt sich das Konzept der Bestuhlung. Die beiden letzten Plätze, die optional im Kofferraum Platz finden, reichen Kindern völlig aus, allein für große Erwachsene dürften sie eher Notsitz sein. Die übrigen fünf Plätze sind vollwertig, bieten ordentlichen Seitenhalt und ausreichend Schenkelauflage. Besonders in der ersten Reihe sitzt man prinzipiell wie in der Oberklasse. Daher sind die Sitze drei bis sieben allerdings nicht im Wagenboden zu versenken, wie man das von einigen Konkurrenten kennt – sie müssen ausgebaut und in der Garage verstaut werden, wenn man sie nicht braucht. Dies geht allerdings leicht von der Hand und erspart den Passagieren den Notsitzcharakter manches Konkurrenten mit faltbarem Gestühl.
Der Touran fährt sich wie ein Kompakter
Bereits nach den ersten Kilometern überrascht der kleine Van mit einem außerordentlich leichtfüßigen und unproblematischen Fahrverhalten. Wer es nicht besser weiß wird denken, er säße in einem Golf. Dank der präzisen elektrohydraulischen Servolenkung und dem gut abgestimmten Fahrwerk lässt sich die Fuhre zielgenau in jede Parklücke bugsieren, zirkelt wieselflink auch um enge kehren und wetzt behände auch durch kurvige Passstraßen. Die optionale Fahrwerksregelung DCC macht ihre Arbeit nochmals besser als das gute Serienfahrwerk und lässt dem Fahrer überdies die Wahl zwischen drei Modi: Komfort, Normal und Sport. Letzterer verschärft die Manieren des Touran tatsächlich, ohne dabei jedoch wirklich einen Vorteil mitzubringen, während der Modus Komfort seinem Namen alle Ehre macht. Überhaupt gefällt der Touran durch hohen Fahrkomfort, wozu auch eine besonders effektive Geräuschdämmung beiträgt. Ärgerte die Fahrer des Vorgängers noch regelmäßig das laute Abrollgeräusch und gelegentliches Poltern von der Vorderachse, herrscht im Neuen himmlische Ruhe. Selbst die Diesel sind mittlerweile so gut gekapselt, dass Laien sie vom Benziner kaum noch unterscheiden können.
Klare Empfehlung: der 1,4-Liter TSI
Bei den Motoren haben Käufer die Wahl zwischen den üblichen VW-Maschinen, zunächst allerdings mit gewissen Einschränkungen. Die Benziner kommen in Form von 1,2- und 1,4-Liter-TSI mit 105 und 140 PS daher. Beide in Kombination mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe, der stärkere lässt sich optional mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) kombinieren. Die selbstzünder-Fraktion wartet mit 90 oder 105 PS auf, bei den Getrieben ebenfalls mit Sechsgang-Schalter oder Siebengang-DSG. Schließlich beitet VW noch einen 150 starken Erdgasantrieb an und freilich zu allen Varianten eine besonder sparsame BlueMotion-Version. Ob und wann noch weitere Motorisierungen hinzukommen, darf mit Spannung erwartet werden. Im Test gefiel besonders der größere Benziner mit 140 PS. Er reicht für praktisch alle Situationen des Alltages völlig aus, läuft ausgesprichen leise und kultiviert. Dass er die Werksangabe von 6,6 Litern Durchschnittsverbrauch deutlich überbietet, wundert keinen, die auf dem Prüfstand ermittelten Werte lassen sich bei praktisch keinem Auto im Alltag realisieren. Die durchschnittlichen acht Liter, die er tatsächlich konsumiert, sind für seine Klasse aber ein respektabler Wert und angesichts des harmonischen Gesamteindruckes durchaus akzeptabel.
Nicht billig aber preiswert
Wenigstens 21.740 Euro müssen Fahrer eine Touran berappen, dafür gibt es den kleinen Benziner mit 105 PS in der Ausstattungslinie Trendline. Wer den Erdgas-Motor mit DSG wählt, hat bereits 29.700 Euro auf dem Zettel stehen, mit reichlich Platz für teure Extras. Dafür hat der Touran in seiner Klasse den durchschnittlich geringsten Wertverlust und kostet bei Steuer und Versicherung (hier geht’s zum Vergleich) nicht die Welt. Schließlich gewährt Volkswagen verschiedene, günstige Wartungs- und Garantie-Pakete – und kaum ein Händler ist heutzutage nicht zu satten Preisnachlässen und langen Verhandlungsrunden bereit. (autaro)

