
München, den 20. September (autaro) Mit dem neuen Audi A1 war von Anfang an eine gewisse Ambivalenz verbunden. Ist er sein Geld wert, oder tut es für ein paar Tausender weniger nicht auch ein VW Polo, mit dem sich der Audi die Plattform teilt? Schließlich ist der Polo ein Meilenstein seiner Klasse, räumt seit seinem Erscheinen einen Preis nach dem anderen ab – und macht sogar dem großen Bruder Golf den einen oder anderen Käufer abspenstig.
Etablierte Gegner
Eines ist jedoch klar: so gut und funktional der Polo auch gelungen sein mag, so emotionslos kommt er auch daher. Zumindest im Vergleich zum Mini, gegen den der Audi 1 maßgeblich in Konkurrenz treten soll. Der Audi ist wesentlich dynamischer gestaltet, besticht mit einer Vielzahl an Individualisierungsmöglichkeiten und hat eindeutig mehr die Lifestyle-Generation im Auge, die nicht alles Augenmerk auf Praxiswerte richtet und sich Premium auch leisten kann.
Innen eine Klasse für sich
Nun ist die Konkurrenz aus dem Hause BMW sicher nicht eben liederlich verarbeitet oder muss sich mit wertlosen Materialien zufrieden geben. Doch was die Ingolstädter in ihren neuesten Entwurf gepackt haben, ist abermals eine Klasse für sich. Eine gewisse Ähnlichkeit zum Audi TT fällt auf, feine Details vermitteln allerdings wieder einen eigenständigen Charakter. Das beginnt bei den vier Lüftungsdüsen, die ein wenig aussehen wie Turbinen. Ihre Manschetten lassen sich, je nach Ausstattungslinie, in verschiedenen Materialien fassen, ebenso wie zahlreiche andere Elemente. So sind in der Ausstattungslinie „Ambition“ neben den genannten Manschetten auch die Einstiegsleisten, der Lichtschalter sowie sämtliche anderen Drehregler aus Aluminium, während Lenkrad, Schalthebel und Handbrems-Knauf den Händen des Fahrers mit Leder Schmeicheln. Auch sämtliche Oberflächen im kleinen Audi sind frei von Hartplastik, selbst unterhalb der üblichen Sichtlinie, unter der die Konkurrenz dann doch jede Menge Hartplastik verbaut, gefällt durch softe, geschäumte Oberflächen. Dazu rasten alle Schalter satt, vermitteln das Gefühl von Solidität und Unvergänglichkeit. Ein leicht anderes Bild zeichnet hingegen das Raumangebot: während Fahrer und Beifahrer, je nachdem wie viel Rücksicht sie auf die Fondpassagiere nehmen, recht kommod sitzen und sich auch auf längere Autobahnetappen freuen dürfen, zeichnet der Platz im Fond ein anderes Bild: hier sitzt man tatsächlich viel zu beengt, zumindest bei einer Körpergröße oberhalb der 180 cm. Unerfreulicherweise beschränkt sich die Beengtheit nicht nur auf die recht schmal geratene Rücksitzbank, bei schnell gefahrenen Bodenwellen machen großgewachsene Köpfe auch regelmäßig Bekanntschaft mit dem Dachhimmel.
Gefällige Karosserie
Auch äußerlich macht der Audi A1 seinen Premium-Anspruch deutlich sichtbar. Konsequent wurde das Familiengesicht aufgegriffen, die Radhäuser werden ab „Ambition“ üppige 17-Zoll-Alus ausgefüllt. Dazu kommen designerische Feinheiten wie die farblich abgesetzten Dachbögen und Spiegelgehäuse. Insgesamt sollen über 800 verschiedene Kombinationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Das Sportfahrwerk kann man sich sparen
Das sportlich-knackige Fahrwerk des Audi A1 wird Freunden des sportiven Fahrstils und Querbeschleunigungs-Junkies sicherlich gefallen. Im Alltag missfällt es allerdings auch durch übertriebene Härte auf kurzen Querfugen. Dies mag wohl auch teilweise den optionalen 18-Zöllern zuzuschreiben sein, die auf unserem Testwagen montiert waren. Ein wenig mehr Feinabstimmung wäre aber sicherlich hilfreich. Ansonsten gibt es weder am Fahrverhalten noch am Langstreckenkomfort viel zu kritisieren. Das Handling ist nahezu perfekt und die Geräuschdämmung, auch der durch die breiten Reifen erwarteten Abrollgeräusche, sehr gelungen. Dazu kommen die aus dem VW-Konzern bekannten Turbo-Diesel- und Benziner, die mit dem Kompakten leichtes Spiel haben und verhältnismäßig geizig mit dem kostbaren Treibstoff umgehen.
Der 1,4-Liter TSI hat richtig Biss
Der von uns gefahrene 1,4-Liter-Benziner mit Turbolader und Direkteinspritzung leistet auf dem Papier 122 PS, fühlt sich aber nach deutlich mehr Pferdchen an. Das maximale Drehmoment von 200 Newtonmetern drückt gleichmäßig auf die Antriebswelle, akustisch hält sich das Triebwerk angenehm zurück. Außerdem reichen die 122 PS Leistung für einen Sprint von Null auf Tempo 100 in knapp neun Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 203 Sachen. Dabei ist der sechste Gang derart lang übersetzt, dass man bei Höchstgeschwindigkeit gerade einmal 4.000 Touren vom Drehzahlmesser abliest. Daher lässt sich der A1 auch auf langen Autobahnetappen bequem einsetzen.
Preislich ist man schnell in der Kompaktklasse
Wie bei Audi üblich, lässt sich auch in den A1 nahezu alles an Extras hineinstopfen, was in dieser Klasse, aber auch in höheren Klassen, existiert. Da wäre zunächst die famose Bose-Soundanlage, Diverses Leder, Bi-Xenon-Scheinwerfer und so fort. Es geht allerdings auch anders und hier sollte die Konkurrenz genau zuhören! So kostet der Audi A1 1.2 TFSI genau 15.800 Euro und damit rund 500 Euro mehr als ein 85 PS starker Polo Trendline. Auch mit dem Mini liegt er preislich in etwa auf Augenhöhe. Außerdem lässt sich der von uns getestete TSI bei vorsichtiger Fahrweise mit guten fünf Litern Benzin bewegen, der Bremsenergie-Rückgewinnung und dem Start-Stopp-System sei Dank. Außerdem hat der A1 im Vergleich zur Konkurrenz erwartungsgemäß einen niedrigen Wertverlust und lässt sich damit besser wieder verkaufen. Der Preis ist damit in erster Linie Sache eines kühlen Kopfes. (autaro)




