München, den 12. September (autaro) Der Vorgänger des aktuellen Audi A4 war zweifelsohne eines der besten und beliebtesten Autos seiner Klasse. War? Naja, zumindest unter anderem Namen wird er weitergebaut und das bereits seit letztem Jahr. In Form des Seat Exeo und Seat Exeo ST (Kombi). Dass man dem Seat seine Ähnlichkeit zum Audi A4 sofort ansieht, von dem er sich lediglich durch leichte stilistische Merkmalsänderungen unterscheidet, muss bei der gefällig gezeichneten Limousine, erst recht aber beim Kombi, keine Schande sein. Und auf der Haben-Seite stehen die schon sprichwörtliche Audi-Qualität und ein vergleichsweise günstiger Anschaffungspreis.
Insgesamt Kein Schnee von gestern
Auch im Innenraum ist der Seat vielleicht nicht mehr auf dem Gipfel des aktuellen Zeitgeschehens, muss sich aber keineswegs verstecken. Die Bedienbarkeit ist, typisch Audi, perfekt und die Materielauswahl war bislang bei keinem anderen Seat so hochwertig.
Die neuen Benziner machen richtig Laune
Allein die leicht angestaubte Motorenpalette bot bislang Anlass zu verhaltener Kritik, weswegen der Volkswagen-Konzern seiner spanischen Tochter nun zwei brandaktuelle Turbo-Benziner aus dem Konzern-Regal beschert. Während der 1,8-Liter-TSI seine 160 Turbo-PS und das maximale Drehmoment von 250 Newtonmetern gleichmäßig und komplett ohne Turboloch auf die Antriebswelle loslässt, gibt sich der größere Zweiliter von einer weniger harmonischen Seite. Er leistet 211 PS und stemmt 320 Newtonmeter aufs Getriebe, gönnt sich allerdings beim Tritt aufs Gaspedal eine kleine Gedenksekunde. Außerdem geht er akustisch weniger zurückhaltend zu Werke, trompetet bisweilen recht sportlich aus dem Endschalldämpfer. Gut gedämmt sind freilich beide, die Insassen bekommen kaum mit, ob sie in einem Vier- oder einem Sechszylinder sitzen.
Harmonie durch High Tech
Hinter dem gefälligen Bild, das die beiden Benziner zeichnen, steckt freilich jede Menge High Tech. Beide Motoren werden längs eingebaut und verfügen über jeweils zwei gegenläufig rotierende Ausgleichswellen, die die Laufruhe spürbar steigern. Das Benzin wird direkt in den Brennraum gespritzt und der Große verfügt neben variablen Steuerzeiten der Einlassventile über einen variablen Hub der auslassseitigen Ventile. Das Ergebnis ist eine spürbar größere Leistungsbereitschaft bei hohen Drehzahlen – so willig und leichtfüßig dreht in dieser Klasse kaum einer hoch. Dazu passt gut das fein abgestufte Sechsgang-Schaltgetriebe, dessen Gänge satt einrasten und durch dessen Schaltkulisse man von Anfang an blind den Weg findet. Dabei sollte der Fahrer sich nicht allzu oft mitreißen lassen, denn unter Volllast können auch die neuen Benziner in Sachen Verbrauch keine Wunder vollbringen. Hält man sich mit dem Gasfuß gelegentlich auch einmal im Zaum, quittiert der Seat dies aber mit einem Durchschnittsverbrauch von runden sieben bis acht Litern, in dieser Klasse ein sehr guter Wert. Außerdem ein schönes Novum: der nach ECE-Norm ermittelte Durchschnittsverbrauch, den Seat im Falle des Zweiliters mit 6,9 Litern je 100 Kilometer angibt, scheint nicht völlig aus dem Wunderland zu stammen, bei besonders sparsamer Fahrt lässt er sich sogar unterbieten.
Der Dritte im Bunde folgt Ende September
Ab Ende September steht außerdem ein weiterer Turbo-Benziner zur Verfügung, der als 1,8-Liter-TSI genau 120 PS leistet und nochmals sparsamer sein soll, als seine beiden Brüder. Ob und wie weit es in diesem Zuge auch eine besonders auf Effizienz getrimmte „Ecomotive“-Version geben wird, steht zwar noch nicht fest, darf aber mit Hinblick auf den Erfolg der kleineren Seat-Modelle mit dieser Technik als sehr wahrscheinlich gelten. In letzteren kommen die üblichen Spar-Zutaten zum Einsatz, darunter ein Start-Stopp-System, geänderte Motor-Elektronik, ein länger gestuftes Schaltgetriebe, Leichtlaufreifen usw.
Allein das Platzangebot ist nicht mehr Klassenstandard
In einem Punkt allerdings muss sich der Seat der Konkurrenz geschlagen geben. In Punkto Raumangebot merkt man ihm an, dass er langsam in die Jahre kommt. Das mag zwar allein daran liegen, dass in jeder Klasse die Autos mit jedem Modellwechsel größer werden, ändert aber nichts an der Tatsache, dass andere Hersteller hier mehr bieten. Vergleicht man allerdings beispielsweise mit dem aktuellen Audi A4, wird man angesichts des deutlich höheren Preises den einen oder anderen Abstrich in Kauf nehmen.
Fazit
Einem echten Erfolgstypen wie dem Audi A4 bzw. Seat Exeo können auch ein paar Jahre nichts anhaben. Bis auf das kleinere Raumangebot insbesondere im Fond kann der Seat Exeo mit beinah jedem aktuellen Konkurrenten mithalten. Dabei werden die famosen neuen Turbomotoren aus dem VW-Regal sicherlich weitere Kunden zu Seat locken – völlig zurecht. (autaro)